Schneider Press
Andrea L'Arronge
Andrea L'Arronge hat Respekt vor der Natur
Interview: Chemie schadet der Gesichtshaut
Die deutsche Fernsehschauspielerin Andrea L'Arronge wurde beim TV-Publikum mit Serien wie "Anwalt Abel" und "SOKO Kitzbühel" bekannt. Stets beeindruckt sie durch ihr jugendliches Aussehen und ihr Temperament. Und das, obwohl das Leben einer Schauspielerin nicht immer einfach ist. Frau L'Arronge spricht mit uns auch über die schweren Zeiten, durch die ein Jeder mal gehen muss. Nun errichtete sie sich ein zweites Standbein. 2007 kam ihre eigene Kosmetiklinie namens "Shanti" auf den Markt.
erschienen am 4. Dezember 2007
ARD Degeto
Andrea L'Arronge und Siegfried Rauch in "Der Ruf der Berge 2"
Ricore: In "Ruf der Berge" sind Sie bei der Bergwacht. Klettern Sie privat auch gerne?

Andrea L'Arronge: Nein. Ich hab sehr großen Respekt vor den Bergen und dem Klettern. Als wir am Wilden Kaiser bei Kitzbühel drehten, haben wir Kletterer beobachtet, wie sie in den Schluchten an den Seilen hingen. Mir kam es vor, wie ein großer Spielplatz für Erwachsene. Aber wenn man ausrutscht, hat man kaum eine Chance zum Überleben. Ich bin sehr sportlich, aber schwindelfrei bin ich nicht. Das ist auch der Grund, warum ich nicht so gerne bergsteige. Bergwandern hingegen tue ich sehr gerne. Aber Bergsteigen ist eine andere Sache.

Ricore: Gab es bei den Dreharbeiten prekäre Situationen?

L'Arronge: Prekär war eigentlich nur die Wettersituation. Wir haben im August gedreht. Jeder Mensch denkt, da scheint die Sonne, doch das Wetter war sehr wechselhaft. Das Problem war, dass ich nebenbei in Kitzbühel drehte. Im August hatten wir acht Drehtage bei "SOKO Kitzbühel", neun Drehtage bei "Der Ruf der Berge", das waren insgesamt 17 Drehtage. Da der August 31 Tage hatte, dachte ich, ich liege den Rest der Zeit am Schwarzsee und gehe baden. Doch dann fing es an zu schneien. Beide Produktionen haben damit gerungen, die wenigen schönen Tage auszunützen. Dem ist leider sehr viel zum Opfer gefallen. Die Geschichte mit der Bergwacht, wo wir in den Steilhängen hängen sollten, ist wegen der sintflutartigen Regenfälle buchstäblich ins Wasser gefallen. Gewisse Szenen am Anfang konnten auch nicht gemacht werden. Es ging einfach nicht, das finde ich sehr schade.

Ricore: Sie arbeiten im Film mit Hunden zusammen, haben Sie privat auch Hunde.

L'Arronge: Nein, privat hat man als Schauspieler keine Zeit dafür. Mein Mann war Pilot und wir hatten ein Kind. Ein Kind ist leichter unterzubringen als ein Hund...
Schneider Press
Andrea L'Arronge
Ricore: Was war bisher die größte Herausforderung in Ihrer Schauspielkarriere?

L'Arronge: "Bittere Unschuld" von Dominik Graf war sicherlich eine Herausforderung, aber auch die Dreharbeiten mit Johannes Schaaf. Ich sage es mal so: Es sind natürlich immer die anspruchsvolleren Themata eine größere Herausforderung, da auch mehr Zeit und mehr Geld vorhanden ist. Es gibt immer wieder große Herausforderungen und dann die etwas leichtere Kost, die sich auch etwas leichter umsetzen lässt.

Ricore: Was war der schönste Moment in Ihrer Karriere?

L'Arronge: Das kann ich jetzt nicht sagen, es gibt immer wieder schöne Momente. Ich war sehr froh, wenn eine Geschichte wirklich Erfolg hatte, wie beispielsweise "Anwalt Abel". Das hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Und auch "Bittere Unschuld" war ein großer Erfolg. Jetzt freue ich mich sehr, dass ich in "Soko Kitzbühel" als Gräfin Schönberg einen durchgängigen Erfolg habe. Obwohl ich letztlich nicht mal eine Hauptrolle spiele. Trotzdem kommen die Leute zu mir und sagen "Mei, ich schau mir die Serie eh nur wegen Ihnen an" und da freue ich mich schon sehr. Das sind so die Highlights.

Ricore: Bei "Soko Kitzbühel" merkt man Ihnen den Spaß an der Schauspielerei an...

L'Arronge: Naja, es ist super, dass ich mich mit Heinz Marecek so gut verstehe und es ist ein großes Glück, dass wir so gut zusammen spielen. Das ist auch, was ich vorhin meinte. Manchmal kommt man mit Kollegen zusammen, mit denen kann man nicht, und dann wird es schwierig. Dann muss man das Emotionale draußen lassen und versuchen, sich total auf die Arbeit zu konzentrieren. Aber Heinz und ich sind im Laufe der Jahre zusammengewachsen, uns fällt immer wieder etwas ein und wir haben Spaß miteinander. Das ist super.

Ricore: Aber Sie Siezen sich nach wie vor?

L'Arronge: Ja, jeder fragt danach. Und genau das soll es bewirken, jeder soll sich ständig gedanklich damit auseinandersetzen, warum das bloß bei uns beiden so ist.

Ricore: Gibt es eine Chance, dass sich etwas zwischen Ihnen entwickelt?

L'Arronge: Sehen Sie, so sind alle Leute immer mit dem Gedanken behaftet, wann denn irgendwann mal etwas passiert zwischen den beiden. Das ist genau die dramaturgische Spannung, die gebraucht wird, um die Leute zu beschäftigen.
Schneider Press
Andrea L'Arronge
Ricore: Neben "Soko Kitzbühel" verwirklichen Sie auch noch weitere Projekte...

L'Arronge: Dieses Jahr habe ich nicht soviel gedreht, letztes Jahr hingegen war sehr schlimm. Da habe ich drei, vier Filme gemacht, zusätzlich zwei Serien, davon eine in Berlin. Ich habe mich halbtot gearbeitet. Aber manchmal ist es so, dass zwischendrin ein Jahr kommt, wo sich terminlich nichts ausgeht und dann hat man plötzlich ganz viel Zeit. Es klingt manchmal schlimmer als es ist. Man findet schon seine Freizeit.

Ricore: Wie nützen Sie diese Freizeit?

L'Arronge: Ich gehe gerne Golf spielen, schwimmen, ich mache auch regelmäßig Joga, schlafe und koche auch ganz gerne...

Ricore: Sie haben vor Kurzem ihre eigene Kosmetiklinie auf den Markt gebracht...

L'Arronge: Ja, seit Mitte Oktober 2007 sind wir damit online. "Shanti" kann man online bestellen.

Ricore: Wie haben Sie Ihre Haut trotz des vielen Schminkens gesund gehalten?

L'Arronge: Ich habe mir immer gedacht, ich muss etwas finden, womit sich meine Haut ausruhen und entspannen kann. Ich wollte nicht auch noch in meiner Freizeit Chemie ins Gesicht klatschen. Das war der Plan. Ich habe mir schon lange vorgenommen, eine eigene Kosmetikserie auf Basis von Naturkosmetik zu entwickeln. Homöopathie, Ayurveda und alternative Heilmethoden haben mich schon immer interessiert. So bin ich da gelandet. Öl fand ich schon immer eine tolle Sache. Seit es Ayurveda gibt, habe ich Seminare besucht und Massieren gelernt.
ARD Degeto
Ruf der Berge - Schatten der Vergangenheit
Ricore: Haben Sie ein bevorzugtes Genre?

L'Arronge: Ich glaube, als Schauspieler hat man kein bevorzugtes Genre, man möchte mal das und mal jenes spielen. Die Abwechslung macht es letztlich aus. Und das ist auch die Herausforderung. Allerdings tut man sich damit in Deutschland sehr schwer. Denn wenn man einmal in der Schublade der Komiker gelandet ist, dann kommt man da sehr schwer wieder heraus. Es gibt Frauen, die immer nur tragische Rollen spielen. Das mit den Schubladen ist schon traurig.

Ricore: Waren Sie je in einer finanzieller Notlage und haben daraufhin Rollen angenommen, die sie sonst nicht angenommen hätten?

L'Arronge: Natürlich. Das hat jeder Schauspieler hinter sich. Dass man sagt, das gefällt mir jetzt eigentlich nicht, aber das muss ich annehmen, weil ich die Kohle brauche. Freilich, das hat jeder Schauspieler schon mal erlebt, da bin ich mir ganz sicher.

Ricore: Was sind Ihre bevorzugte Reiseziele?

L'Arronge: Mauritius zum Beispiel, da war ich schon sehr oft. Ich fahre überall gerne hin, wo es heiß und feucht und das Meer schön ist.

Ricore: Wenn man als Schauspieler auf einer Insel dreht, hat man Zeit für Sightseeing?

L'Arronge: Meistens schon. Es gibt natürlich hektische Momente, wo man das Land nicht so richtig genießen kann, aber meist hat man schon Zeit.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
erschienen am 4. Dezember 2007
Zum Thema
Siegfried Rauch und Andrea L'Arronge sind auch in der Fortsetzung von "Der Ruf der Berge" wieder Seite an Seite zu sehen. Als Tierpsychologe und Hundetrainer Stefan Suttner sieht sich Rauch mit der perfiden Sabotage des Bürgermeisters Wegerer (Franz Buchrieser) konfrontiert. Zudem begibt sich Suttners Enkelin in große Gefahr. Entstanden ist ein leichtfüßiger Heimatfilm ohne Tiefgang.
Wie viele ihrer Schauspielgeneration betätigt sich Andrea L'Arronge nicht nur im Fernsehen, sondern auch auf der Theaterbühne. Erstes Aufsehen erregte sie als Baby Jane in der TV-Reihe "Anwalt Abel". Weitere TV-Serien wie "Hotel Paradies" oder "Soko Kitzbühel" folgten. Von heimischen Bildschirmen kaum wegzudenken, war L'Arronge international nur wenig tätig. Eine Ausnahme bildet "Das Schlangenei" 1977 unter der Regie des schwedischen Regiemeisters Ingmar Bergman.
2022