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Interview

Gaby Dohm
Lisa Film/Oliver Roth

Gaby Dohms Liebe zu fremden Kulturen

Warum sie auch gerne kleine Rollen spielt
Bekannt wurde Gaby Dohm in den 1980er Jahren als Ärztin Doktor Christa Brinkmann der "Schwarzwaldklinik". Doch sie verkörperte eine Vielzahl weiterer Charaktere und achtet bei der Rollenauswahl auf Abwechslung. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten erwarb sie sich auf der Theaterbühne. In unserem Gespräch erzählt die beliebte Darstellerin, wie man ihrer Meinung nach zur erfolgreichen Schauspielerin wird, warum der Zufall eines der wichtigsten Kriterien hierfür darstellt und warum es für sie hilfreich war, die Tochter zweier bekannter Schauspieler zu sein.
Von  Indra Fehse/Filmreporter.de,  17. Januar 2008
Gaby Dohm und Christian Wolff auf der chinesischen Mauer
Lisa Film/Oliver Roth
Gaby Dohm und Christian Wolff auf der chinesischen Mauer
Ricore: In der ARD-TV-Produktion "Das Traumhotel - China" verkörpern Sie die Kunsthistorikerin Loretta. Interessieren Sie sich auch privat für Kunst?

Gaby Dohm: Kunst interessiert mich sehr. Ich gehe oft und gerne in Museen und habe es deshalb sehr bedauert, dass die Museen in Peking nicht sehr interessant waren. Die Ausstellung der Terrakotta-Armee hätte ich mir gerne angeschaut, doch leider war die zu dem Zeitpunkt meines China-Aufenthaltes in London. Da ich mich während des Drehs ausschließlich in Peking aufgehalten habe, konnte ich wenigstens den Himmelspalast, die Verbotene Stadt und den Sommerpalast besichtigen. Auch die Chinesische Mauer habe ich mir angesehen. Das Werk ist unglaublich beeindruckend und gehört nicht umsonst zu den Weltwundern. Man kann fast nicht glauben, dass Menschen sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben.

Ricore: Was erschien Ihnen in der asiatischen Kultur besonders fremdartig?

Dohm: Es ist für eine Europäerin schwer, die Kultur überhaupt zu begreifen. Allein die Konsumfreudigkeit und das Ankurbeln dieser Konsumfreudigkeit in dem kommunistischen Land ist einfach erstaunlich. In bestimmten Punkten merkt man den krassen Unterschied zwischen jungen und älteren Chinesen. Die jungen Chinesen freuen sich über den Austausch. Es gab tatsächlich ein paar Chinesen, wenn auch wenige, die Englisch sprachen. Die Sprache stellte ohnehin ein großes Problem für uns dar. Ich traf nur sehr wenige Chinesen, mit denen ich mich austauschen konnte. Aufgrund dieser Verständigungsschwierigkeiten konnte man sich ohne Begleitung gar nicht die Stadt anschauen. Man musste immer einen Zettel in der Tasche haben, worauf in Chinesisch geschrieben stand, in welchem Hotel man wohnt oder wohin man wollte.

Ricore: Aber Sie haben sich in China gut zurechtgefunden.

Dohm: Ich habe mich durchgekämpft. Man wusste eben nie, ob man tatsächlich dort ankommt, wo man hin will. Das war gleichzeitig aber auch das Aufregende an meinem Aufenthalt in China.

Ricore: Gibt es noch andere Kulturen, zu denen Sie sich hingezogen fühlen, die Sie interessieren?

Dohm: Ich mag unsere europäische Kultur. Zu der englischen und italienischen Kultur fühle ich mich besonders hingezogen. Ich liebe das Ausland und die Chance, mir ein fremdes Land anzuschauen und von der jeweiligen Kultur zu lernen. Trotzdem glaube ich, dass es mehr als genug Aspekte in unserer eigenen Kultur gibt, von denen wir nicht genug wissen.


Gaby Dohm und Christian Kohlund in "Das Traumhotel - CHina"
Lisa Film/Oliver Roth
Gaby Dohm und Christian Kohlund in "Das Traumhotel - CHina"
Ricore: In "Das Traumhotel" stellen Sie als Loretta Ihren Beruf und ihre Familie, in diesem Fall Ihren gehbehinderten Sohn, über Ihre junge Liebe zu dem Kunsthistoriker Thomas Ritter, gespielt von Christian Wolff. Sehen Sie Parallelen zu ihrem privaten Leben? Können Sie also die Entscheidungen der Loretta nachvollziehen?

Dohm: Man kann in meinen Rollen eigentlich generell keine Verbindung zu meinem privaten Leben sehen. Das Schicksal des Jungen und somit auch das Schicksal der Figur Loretta ist ein schreckliches. Loretta schenkte ihrem Sohn zum 18. Geburtstag ein Motorrad, womit ihr Junge verunglückte und seitdem an den Rollstuhl gefesselt ist. Natürlich war es eine dumme Idee, dem Sohn so früh ein Motorrad zu schenken, weshalb Loretta zu Recht mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen hat. Die will sie wieder wettmachen, indem sie ihren Sohn sehr bemuttert und bevormundet. Das ist einfach ein Schicksal der Rolle, das man mit dem Privatleben überhaupt nicht vergleichen kann. Die Loretta steht mit Thomas Ritter zudem im Disput über die Frage, ob man Kunstgegenstände außer Landes bringen oder lieber im eigenen Land lassen sollte. Sie ist der Meinung, welcher ich mich anschließen könnte, dass man Kunstwerke ruhig außer Landes bringen sollte, weil diese Gegenstände viel von den Menschen, ihrem Leben und ihrer Vergangenheit zeigen. Es gibt viele Leute, die nie die Möglichkeit bekommen, in entfernte Länder reisen zu können. Gerade für die ist es besonders wichtig, sich die Kunstwerke anderer Kulturen auch im eigenen Lande anschauen zu können. In diesem Sinne ist es wichtig, solche wertvollen Dinge auch zu verleihen.

Ricore: Schauspielerei und Privatsphäre sind dann für Sie wie zwei unterschiedliche Leben?

Dohm: Die Verkörperung von Rollen und das private Leben eines Schauspielers kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen. Das eine ist der Beruf, der sich mit Charakteren beschäftigt, die man frei erfindet. Das andere ist das Privatleben, das mit der jeweiligen Rolle gar nichts zu tun hat. Das ist eben das Interessante an dem Beruf der Schauspielerei. Man erfindet einen Menschen, dessen Charaktereigenschaften oder Leben überhaupt nichts mit der eigenen, privaten Person zu tun hat.

Ricore: Sie sagen, man kann die Rolle der Loretta überhaupt nicht mit der Person Gaby Dohm vergleichen. Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Dohm: Ich habe mich so vorbereitet, wie ich mich für andere Rollen auch vorbereite. Ich versuche, mich in den anderen Charakter hineinzuversetzen. In diesem Fall gehörte dazu, sich vorzustellen, wie es sein kann, ein Kind zu haben, dass an den Rollstuhl gefesselt ist. Mein Beruf hat sehr viel mit Fantasie zu tun.

Ricore: Denken Sie gerne an vergangene Rollen zurück? Natürlich spiele ich hier im Besonderen auf "Die Schwarzwaldklinik" an. Was sind in diesem Zusammenhang Ihre liebsten Erinnerungen?

Dohm: Ich habe die Rolle der Christa in der "Schwarzwaldklinik" damals sehr durchlebt. Würde ich nicht so oft darauf angesprochen werde, würde ich wohl nicht so häufig daran zurückdenken. Die Rolle hat mir einen großen Erfolg beschert, für den ich natürlich auch heute noch sehr dankbar bin.


"Klappe, die Erste..."
Lisa Film Oliver Roth
"Klappe, die Erste..."
Ricore: Sie haben schon in jungen Jahren mit Ingmar Bergmann zusammen gearbeitet, beide Eltern waren Schauspieler. Gibt es bestimmte Dinge, die Sie schon in frühen Jahren geprägt hat?

Dohm: Wenn man mit Eltern aufwächst, die in diesem Beruf arbeiten, kennt man schon früh die Tücken und geht Gott sei Dank nicht so blauäugig in diesen Beruf wie andere. Man erhofft sich zwar seinen Erfolg, weiß auf der anderen Seite aber auch, dass die Schauspielerei ein sehr wankelmütiger Beruf ist. Man weiß, dass der Erfolg nicht unbedingt mit einem selber zu tun hat, sondern damit, ob man der Typ der Zeit ist oder nicht. Man weiß, dass der Erfolg viel mehr mit Zufall zu tun hat als mit dem eigentlichen Können. Man braucht einfach zur richtigen Zeit den richtigen Regisseur, die richtige Rolle, den richtigen Filmpartner. Zudem ist bei TV-Produktionen wichtig, dass der eigene Film nicht zu einer Zeit ausgestrahlt wird, in welcher auf einem anderen Programm eine Sendung läuft, die mehr geschaut wird.

Ricore: Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis? Was muss man beachten, um als Schauspieler erfolgreich zu sein?

Dohm: Erfolg in der Schauspielerei zu haben, hat sehr viel mit Zufall zu tun. Leute, die das nicht früh lernen oder, wie ich, damit aufgewachsen sind, verzweifeln darüber oft zu Recht. Man muss zudem wissen, dass es ausgesprochen wichtig ist, auch am Theater Erfolg zu haben. Ich habe in meinen frühen Jahren die meiste Zeit am Theater verbracht, worüber ich sehr froh war, denn da gab es die großen und interessanten Rollen. Ich konnte mich ausprobieren und mein Handwerk lernen. Ich stelle es mir für meine jungen Kollegen sehr schwer vor, diese Fertigkeiten überhaupt noch zu lernen, wenn man direkt beim Fernsehen landet. Die Zeiten haben sich sehr verändert. Für einen 90-minütigen Film arbeitet man oftmals nur sieben Tage lang. So bleibt eben viel zu wenig Zeit zum künstlerischen Arbeiten. Vor allem für die jungen Kollegen finde ich das schade. Auf der anderen Seite wachsen sie damit auf und sehen das wahrscheinlich gar nicht so dramatisch wie ich, weil sie den Unterschied nicht kennen.

Ricore: Wer oder was sind Ihre Vorbilder? Gibt es in diesem Zusammenhang bestimmte Schauspieler oder Regisseure?

Dohm: Für mich sind die Bücher die wichtigste Inspirationsquelle. Wenn ein gutes Buch die Vorlage zu einer Charakterrolle darstellt, arbeitet man meistens auch in der Rolle gut. Als viel schwieriger empfinde ich es, so genannte "leichte Kost" zu drehen, Filme, die nicht so viel Gehalt haben. Daraus etwas Ordentliches zu machen kann sehr schwierig sein. Ich bin etwas altmodisch und mag die früheren Stars wie Katharine Hepburn, Audrey Hepburn oder Billy Wilder. Aber auch in Deutschland gibt es großartige Schauspieler. Vor allem unter unseren Nachwuchsschauspielern schlummern viele Talente.

Ricore: Was macht für Sie einen guten Film aus?

Dohm: Hauptsächlich die Geschichte, die spannend und außergewöhnlich sein sollte. Ich mag Filme, die die Schicksale unserer Kultur behandeln, wie es beispielsweise der Film "Sonnenallee" macht.


Gaby Dohm in "Die Rosenkönigin" an der Seite von Erol Sander.
Andrea Niederfriniger/Ricore Text
Gaby Dohm in "Die Rosenkönigin" an der Seite von Erol Sander.
Ricore: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus? Achten Sie vielleicht darauf, dass sie möglichst unterschiedliche Rollen verkörpern?

Dohm: Genau. Ich nehme es gerne in Kauf, auch kleinere Rollen zu übernehmen, solange ich die Unterschiedlichkeit bewahren kann. Eine Charakterrolle, die nur vier oder fünf Drehtage in Anspruch nimmt, würde ich jederzeit annehmen, weil ich damit etwas anderes von mir zeigen kann. Leider gibt es nicht so viele verschiedene Angebote, weil immer gesagt wird, dass das Publikum leichte Kost bevorzugt, was wiederum die Einschaltquoten beweisen.

Ricore: Was würden Sie in Ihrer bisherigen schauspielerischen Karriere als Ihre größte Herausforderung bezeichnen?

Dohm: Dazu gehören für mich hauptsächlich meine Rollen am Theater. So zum Beispiel die Rolle der Marie in Georg Büchners "Woyzeck" oder das Gretchen in Goethes "Faust". Diese Rollen betrachte ich noch heute als große Herausforderungen.

Ricore: Als passionierte Hobbyköchin stehen Sie sehr gerne am Herd. Was ist Ihre Leibspeise?

Dohm: Ich habe gar keine Leibspeise. Ich mag weiße Trüffel sehr gerne. Die kann man allerdings nur in der Saison essen, also im Winter. Weiße Trüffel zu Tagliatelle ist ausgesprochen lecker. Ich finde es immer schön, Dinge zu essen, die es nur zu einer bestimmten Saison gibt.

Ricore: Gerade war Weihnachten. Welchen Stellenwert haben Ihre Familie oder die Freunde in dieser besinnlichen Zeit für Sie?

Dohm: Freunde sind mir sehr wichtig, da ich sie nur selten sehen kann. 2007 war ich viel unterwegs, habe in Kanada, Hamburg und Peking gearbeitet und war selten daheim in München. Weihnachten ist immer die perfekte Zeit, um Treffen mit Freunden nachzuholen. Schon zur Adventszeit treffe ich mich gerne mit meinen Freunden zu einer schönen Tasse Tee oder ausgedehnten Spaziergängen, wobei wir uns austauschen und erzählen können. Diese Zeit genieße ich immer sehr.

Ricore: Verraten Sie mir Ihr Schönheitsgeheimnis?

Dohm: Ich habe keins. Vielleicht ist mein Geheimnis, dass mich mein Aussehen nicht so sehr interessiert wie andere Leute. Ich mache regelmäßig Rückengymnastik, das macht nicht wirklich Spaß. Jeden Morgen mache ich mit zusammengebissenen Zähnen die gleichen Rückenübungen für 20 Minuten. Im Sommer mache ich gerne Powerwalking. Aber im Winter kann ich mich oftmals nicht dazu überreden, draußen Sport zu treiben.

Ricore: Was halten Sie persönlich von diesem ganzen Schönheitswahn, der in Hollywood vorherrscht? Fettabsaugungen und Botoxspritzen sind dort quasi an der Tagesordnung.

Dohm: Ich bin überzeugt, dass auch dieser Wahn nur vorrübergehend ist und wieder verschwinden wird, wie so viele Dinge, die zur Mode gehörten wieder verschwunden sind. Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er für sich persönlich als wichtig ansieht. Sehr schade ist allerdings, dass sich nicht selten sehr junge Mädchen unters Messer legen. Das ist mir persönlich fremd. Doch natürlich gibt es auch die andere Seite. Ich kenne viele junge Leute, die sich niemals für die Schönheit operieren lassen würden und lieber zum Meditieren nach Burma fahren. Von diesen Leuten oder aber auch von denjenigen, die sich für die Umwelt oder andere Dinge einsetzen, wird einfach viel weniger berichtet. Trotzdem gibt es sie.

Ricore: Frau Dohm, herzlichen Dank für das Gespräch.
Von  Indra Fehse/Filmreporter.de,  17. Januar 2008

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