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Interview

Max Mauff
Max Kirchbauer /BMW AG

Nachwuchsdarsteller in Aserbaidschan

Max Mauff allein
Max Mauff gehört zu den Youngsters der deutschen Schauspielszene. Wie schwer ihm die Entscheidung fiel, Schule gegen Schauspielberuf einzutauschen, erzählt er uns während einer Drehpause am "Absurdistan"-Set. Wir besuchten den mittlerweile 21-Jährigen in Aserbaidschan. Im März 2008 startet neben dem Film von Veit Helmer auch "Die Welle" im deutschsprachigen Raum. In dem Drama von Dennis Gansel spielt er an der Seite von Jürgen Vogel.
Von  Richard Rendler, Filmreporter.de,  17. März 2008
Max Mauff mit Schauspielkollegin Kristýna Malérova
Max Kirchbauer/BMW AG
Max Mauff mit Schauspielkollegin Kristýna Malérova
Ricore: Wie bist du auf Veit Helmer und "Absurdistan" gekommen?

Max Mauff: Ich bin nicht auf ihn gekommen, sondern er auf mich. Über eine Anfrage an meine Agentur wurde ich zum Casting eingeladen, später folgte ein zweites. Beim diesem war Veit dabei und wir haben eine halbe Stunde gespielt. Dann fragte er mich, ob ich mit kurzen Haaren nicht jünger aussehe. Ich dachte mir: "Mann o Mann." Ich hätte nicht erwartet, überhaupt in die nähere Auswahl zu kommen. Ich bin eher blind hingegangen. Zwei Wochen später haben wir uns dann getroffen. Veit hat viel von dem Projekt erzählt und mir den Drehplan gezeigt. Zehn Tage später habe ich schließlich die Zusage bekommen.

Ricore: Kanntest du vorher schon Filme von Veit?

Mauff: Nee, gar nicht. Die Caster haben mir auf Veits Bitte "Tuvalu" und "Tor zum Himmel" mitgegeben. Später hat mir Veit noch seine Kurzfilme gezeigt.

Ricore: Und wie haben sie dir gefallen?

Mauff: Großartig! Die sind so anders, so undeutsch und leidenschaftlich.

Ricore: Wie war es beim Dreh?

Mauff: Es steckt von jedem viel Arbeit und Kraft drin. Alle gehen bis zum Maximum und sind wahnsinnig motiviert. Veit sagt genau in den richtigen Momenten "Ihr wart geil". Er schafft es, das fragile Gefüge eines Drehs aufrecht zu erhalten. Die Leidenschaft war beim Lesen des Buches und beim Dreh dieselbe.


Max Mauff bei den Drehabreiten zu "Absurdistan"
Ricore Text
Max Mauff bei den Drehabreiten zu "Absurdistan"
Ricore: Jeder Darsteller geht anders an eine Rolle heran. Hast du deiner Rolle deinen eigenen Stempel aufgedrückt?

Mauff: Ich glaube, dass sich eine Rolle vom Drehbuch bis zum fertigen Film immer verändert. Man nimmt immer etwas von sich selbst mit. Dadurch verändert sich die Figur.

Ricore: War das für dich der erste internationale Dreh? Cast & Crew aus 21 Länder sind hier vertreten.

Mauff: Absolut.

Ricore: Ist das anstrengend oder toll?

Mauff: Es ist immer beides, alles auf einmal.

Ricore: Du spielst die Hauptrolle in "Absurdistan". In Nebenrollen sind viele ältere und erfahrene Schauspieler besetzt. Wie war der Umgang mit ihnen?

Mauff: Ich bin mit ihnen nicht wahnsinnig viel in Berührung gekommen. Das ergibt sich aus dem Drehbuch. Wenn man nicht viele Szenen zusammen hat, ist das privat meistens auch so. Bei Christina und mir ist das natürlich anders. Wir haben die Hauptrollen und sind daher auch oft zusammen.

Ricore: Hattest du das Gefühl, dass die Art und Weise wie die anderen Schauspieler an die Rollen herangegangen sind, sich von dem unterscheidet, was du bisher erfahren hast?

Mauff: Nee, grundsätzlich nicht. Vielleicht ein bisschen darin, dass alle versucht haben, das Beste aus der Rolle herauszuholen. Was manchmal ein bisschen schwierig ist.


Max Mauff hängt in der Luft
Ricore Text
Max Mauff hängt in der Luft
Ricore: Du hast bislang keine klassischen Teenie-Coming-of-Age-Film gedreht, sondern eher anspruchsvolle Filme. War das Zufall? Bist du darüber im Nachhinein glücklich?

Mauff: Ja, da bin ich glücklich. Aber im Endeffekt habe ich nicht so viel dazu beigetragen. Ich hatte einfach Glück. Ich würde das auch nicht grundsätzlich verteufeln. Wenn man gut ist, kann man sich daraus auch wieder befreien.

Ricore: Du hast mit Theaterspielen angefangen und dich vor zwei Jahren entschieden, nur noch die Schauspielerei zu machen. Was sind deine Zukunftspläne?

Mauff: Für mich fühlt sich das Schauspielen so an, als ob ich da herkomme. Aber es gibt noch viele andere Sachen die mich interessieren. Ich glaube, dass ich alles brauche. Die Kunst an sich ist einfach großartig. Erst mal sehe ich eine Schauspielausbildung nicht als sinnvoll an.

Ricore: Was machst du außerhalb der Schauspielerei?

Mauff: Sehr viel! Ich male gerne und schreibe selbst. Ich habe den Wunsch, irgendwann selbst Regie zu führen. Aber das ist noch weit weg. An sich definiere ich mich nur als Schauspieler. Das ist im Moment genau das Richtige.

Ricore: Und das läuft ja auch gut.

Mauff: Ja, kann man so sagen.


Der Dreh ist in trockenen Tüchern. Kristýna Malérova auch.
Max Kirchbauer/BMW AG
Der Dreh ist in trockenen Tüchern. Kristýna Malérova auch.
Ricore: Hast Du noch viel Kontakt zu deinen früheren Schulfreunden?

Mauff: Halb halb. Mein bester Kumpel ist auch Schauspieler. Ich habe aber auch ganz viele Freunde, die mit der Schauspielerei nichts zu tun haben.

Ricore: Wie gehen die damit um, dass du jetzt Filme machst, nicht mehr zur Schule gehst und einen anderen Alltag hast?

Mauff: Die gehen ganz gut damit um. Aber wir vermissen uns schon gegenseitig.

Ricore: Trefft ihr euch noch regelmäßig wenn du in Berlin bist oder wird das durch den Job weniger?

Mauff: Nee, überhaupt nicht. Man hat ja die Möglichkeit, Prioritäten zu setzen. Und wenn ich nicht drehe, sind meine Freunde alles für mich.

Ricore: Seit zwei Jahren wohnst du alleine. Musst du selbst saubermachen, einkaufen, Wäsche waschen oder bringst du die Wäsche nach Hause?

Mauff: Das kommt vor. Aber nur wenn meine Waschmaschine nicht funktioniert. Das sind halt Sachen, die das Alleine leben so mit sich bringt.

Ricore: Fühlst du dich dadurch erwachsener?

Mauff: Ich fühle mich nicht erwachsener aber manchmal ein bisschen selbständiger.


Max Mauff macht Faxen am Set
Ricore Text
Max Mauff macht Faxen am Set
Ricore: Was sind deine nächsten Pläne?

Mauff: Ich versuche nach jedem Projekt erst einmal frei zu machen. Zwei Wochen bis einen Monat nichts zu tun oder weg zu fahren, meine Freunde wieder zu haben. Dann bin ich wieder Max und spiele keine Rolle. Wenn man zu schnell zu viel hintereinander dreht, fällt einem irgendwann die Trennung schwer. Die Figuren verschmelzen und werden zu einem Brei.

Ricore: Anders als Gleichaltrige kannst du einfach mit der Kreditkarte bezahlen und nicht mit Taschengeld. Wie ist das Gefühl, ganz alleine für seine Finanzen verantwortlich zu sein?

Mauff: Das ist toll, wenn man Geld hat. Aber es gibt auch Monate, in denen man wenig hat. Das ist dann sehr kräftezehrend.

Ricore: War das schon mal so?

Mauff: Ja, auf jeden Fall.

Ricore: Was hat deine Familie zu deiner Berufsentscheidung gesagt? Auch zum Schulabbruch und dem alleine wohnen?

Mauff: Meine Familie hat meine Entscheidung respektiert und auch an mich geglaubt. Wenn es schlecht lief, hat es meine Mutter daran gemerkt, dass ich öfter zum Essen gekommen bin. Es war nie wirklich schlimm, aber wenn es so war, dachte ich immer, es wäre wahnsinnig brenzlig.


Max Mauff nachdenklich?
Max Kirchbauer/BMW AG
Max Mauff nachdenklich?
Ricore: Bisher bist du mit der Schauspielerei über die Runden gekommen.

Mauff: Ja. Aber ich kann mir auch vorstellen, einmal in einer Bar zu jobben. Nicht wegen des Geldes, eher wegen der Erfahrung. Das will ich auf jeden Fall einmal machen. Wie den Führerschein - zu dem ich noch nicht gekommen bin.

Ricore: Schaust du auch nach Theaterrollen um oder ist Film jetzt wichtiger?

Mauff: Wenn es sich ergibt, hätte ich total Lust auf Theater. Ich suche nicht speziell danach. Man kann sich Ziele setzen, aber so wahnsinnig viel Einfluss hat man oft gar nicht.

Ricore: Was sind deine Ziele in den nächsten Jahren? Welche Rollen würdest du gerne spielen?

Mauff: Das ist eine schwierige Frage. Es gibt nichts was ich im Voraus ablehnen würde. Ich habe Lust auf jede neue Rolle und jedes Drehbuch, solange ich darin etwas finde. Eine Lieblingsrolle kann man sowieso nicht suchen, die muss einen finden. Mein Hauptziel ist es, glücklich zu leben. Mich wohl zu fühlen und Filme zu sehen. Ich bin ja auch einfach ein Filmfan.

Ricore: Gehst du auf Filmfestivals?

Mauff: Schon. Ich versuche das aber in letzter Zeit zu umgehen. Man trifft immer dieselben Leute, das wird auf Dauer langweilig. Man fühlt sich auch zu oft gesehen und das ist blöd. Aber wenn ich hingehe, versuche ich so viele Filme wie möglich zu sehen.

Ricore: Gibt es Rollen mit denen du große Probleme hättest? Die du vorerst nicht spielen willst?

Mauff: Nein. Aber ich lehne Rollen ab wenn sie nicht gut ausgearbeitet oder zu stereotyp sind.

Ricore: Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Von  Richard Rendler, Filmreporter.de,  17. März 2008

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