Interview: Joe Morton zu zu Badland | FILMREPORTER.de
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Interview

Badland
"Krieg interessiert die Menschen nicht"

In Jedem brennt des Teufels Feuer

Joe Morton ist ein Multitalent. Er ist Songwriter, Musiker und nicht zuletzt Schauspieler. Für seinen bisher letzten Film "Badland" komponierte er in einer Nacht und Nebel Aktion den Titelsong selbst. Das Drama um einen Irak-Kriegsrückkehrer berührt den sensiblen Schauspieler, der sich im Laufe seiner Karriere in einige schwierige Charaktere hinein fühlen musste. Doch dafür sind Künstler ja schließlich da, erklärt uns Morton in einem aufschlussreichen und interessanten Gespräch in einem Münchner Hotel. Seine Gitarre lag dabei stets griffbereit in seiner Nähe.

Szene aus "Badland"

Szene aus "Badland"

Ricore: Sie haben den Titelsong zum Film selbst geschrieben. Wie kam es dazu?

Joe Morton: An einem Nachmittag während der Dreharbeiten in Kanada fragte mich Francesco, ob ich einen Song hätte, der zum Film passt. So habe ich am Nachmittag angefangen, Noten zu schreiben, die zu meinem Charakter passten. In der Nacht habe ich dann den Liedtext geschrieben und die Melodie komponiert. Das Ganze dauerte rund 30 Stunden. Das Lustige daran ist, dass ich in der Nacht nur flüstern konnte und das Ganze daher zu hoch geraten ist. Am nächsten Tag musste ich dann die Tonart verändern.

Ricore: Was bedeutet der Titel des Songs "The Devil's Lonely Fire"?

Morton: Der Song beschreibt jenes Gefühl, das in jedem einzelnen Mann brennt und das ihn zerstört. Er führt einen ständigen Kampf gegen das Feuer in ihm. Tatsache ist, dass es keinen Frieden gibt.

Ricore: Warum haben Sie die Rolle des Max in "Badland" angenommen?

Morton: Ich sah es als Möglichkeit, über Soldaten zu sprechen, die aus einem Krieg zurückkehren. Ich glaube, dass viele Menschen eine romantische Ansicht von heimkehrenden Soldaten haben, sie als Helden sehen. Dann kommen sie nach Hause, ziehen sich seinen Anzug oder Arbeitskleidung an und leben ein normales Leben angesichts der Konflikte, die sie erlebten. Wenn Soldaten heimkehren, sind sie geschädigt. Sie sind emotional verletzt. Du lieferst dich jeden Tag einer Kriegssituation aus, fürchtest dich vor versteckten Bomben am Straßenrand, siehst Kameraden, die bei einem Selbstmordattentat in die Luft gesprengt oder in einem Schusswaffenkampf erschossen werden. Du bist gefangen zwischen Trauer über den Tod eines anderen und der Freude, dass du selbst überlebt hast. Diese zwei Sachen machen dich verrückt.

Badland

Badland

Ricore: Sie glauben also, dass ein großer Teil der Bevölkerung eine verklärte Ansicht des Krieges hat?

Morton: Die meisten Leute denken nicht darüber nach. Sie glauben, dass die Männer darauf trainiert worden sind und gut damit umgehen können. Aber es geht ihnen nicht gut. Und das ist seit Jahrzehnten so. Ich glaube auch, dass der Film die Möglichkeit bietet, darüber zu reden, dass Gott oft als Entschuldigung verwendet wird. "Ich tue dass für Gott und unser Land. Ich tue das, weil meine Religion stärker ist als deine. Ich tue das, weil Moral eine bestimmte Rolle spielt." Und nichts davon stimmt. Wir gehen in den Krieg, weil es die Regierung so will. Heute ist es nicht so wie bei den Weltkriegen, wo es klar schien, wer der Feind ist. Damals war klar, warum die Soldaten in den Krieg mussten. Aber die Soldaten interessieren sich nicht für Politik, sie kämpfen ums Überleben. Sie beschäftigen sich damit, wie sie sich am Leben halten können. Wenn sie heimkehren, sind sie nicht mehr derselbe Mensch wie vorher.

Ricore: Glauben sie, dass Menschen ihre Ansicht nach diesem Film ändern werden?

Morton: Das Problem mit Kunst ist, dass sie nicht den Geist der Leute verändern kann. Ich glaube nicht, dass der Film auf lange Sicht das Denken der Menschen ändert. Vielleicht nehmen es sich ein oder zwei Zuschauer hier und dort zu Herzen. Aber es muss ein globales Gewissen über das entstehen, was Krieg bedeutet und warum er psychisch und physisch so destruktiv ist. Ich glaube nicht, dass der Film das Denken der Leute verändert. Er mag Auslöser für eine DIskussion sein. Wenn er das tut, dann haben wir unseren Job gut gemacht.

Ricore: War es eine Art von Rebellion - auch von Ihnen - dass Sie diesen Film gemacht haben? Ist das Ihre Antwort auf den Irakkrieg?

Morton: Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Rebellion gab. Ich glaube, die Brutalität des Films war die Rebellion. Für mich war der Film etwas Aktives, um mich mit dem Krieg auseinander zu setzen. Ich wollte mich generell mit dem Krieg beschäftigen. Dieser Film könnte jeden Krieg und jeden Soldaten zum Thema haben. Ein Künstler macht das, war er immer macht: Er versucht, anderen etwas mitzuteilen. Deshalb habe ich mitgemacht- ich wollte etwas vermitteln.

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