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Interview

Will Smith in "Bad Boys 2"
Sony Pictures

Will Smith über Fantasien, Sexszenen und Rivalität

Ein Bad Boy namens Smith
2002 gewann Will Smith (35) für seine Darstellung des legendären Boxers Muhammad Ali beinahe einen Oscar. Auf diese Glanzleistung folgte zuerst die schwache Fortsetzung von "Men in Black" und nun die menschenverachtend brutale Action-Komödie "Bad Boys 2". Manche Karriere-Entscheidungen kann man einfach nicht nachvollziehen...
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  9. Oktober 2003
Will Smith mit Gabrielle Union in: Bad Boys 2
Sony Pictures
Will Smith mit Gabrielle Union in: Bad Boys 2
Ricore Medien: Mr. Smith, wieso folgt auf "Ali" ausgerechnet "Bad Boys 2", die Fortsetzung einer acht Jahre alten Action-Comedy?

Will Smith: Ich habe überhaupt keinen Karriereplan - außer den, immer das zu tun, was die Leute am allerwenigsten von mir erwarten. "Ali" hätte eigentlich "Men in Black 2" folgen sollen, nicht umgekehrt. Das hat die Leute verwirrt. Und jetzt kommt eben "Bad Boys 2". Damit hat auch keiner gerechnet, und das gefällt mir.

Ricore: Ihre drei letzten Filme wurden in Miami gedreht. Lieben Sie die Stadt so sehr?

Smith: In Miami werde ich erst richtig lebendig. Kaum lande ich am Flughafen, wird der Typ aus "Bad Boys - harte Jungs" in mir wach: die feuchte Hitze, die schnellen Autos, die schönen Frauen, der Strand. Mike Lowrey ist mein Alter Ego, er lebt in meiner Seele, er redet wie ein Wasserfall und manchmal muss Will Smith ihn stoppen. Aber Mike Lowrey geht es gut, er hat nur acht lange Jahre lang zwischen dem ersten und dem zweiten Film in mir geschlummert. Diese Rolle hat für mich eine besondere Bedeutung, denn mit ihr startete meine Filmkarriere. Außerdem spiele ich einen Typen, dessen Leben das genaue Gegenteil von meinem eigenen ist: Ich kann vier oder fünf Monate lang in engen T-Shirts, mit Sonnenbrille und einer Kanone in Miami verbringen. Das ist wie eine Kleine-Jungen-Fantasie. Jeder kleine Junge will ein Bulle sein, der die Bösen erschießt und das Mädchen rettet. Für mich wird das in "Bad Boys" Wirklichkeit.


Will Smith mit Martin Lawrence in: Bad Boys 2
Sony Pictures
Will Smith mit Martin Lawrence in: Bad Boys 2
Ricore: Die Anrainer von South Beach fanden es allerdings nicht so toll, als Sie bei den Dreharbeiten in der Hauptverkehrszeit eine wichtige Brücke absperren ließen.

Smith: Ja, die Leute waren darüber nicht sehr glücklich, aber damit muss man eben leben. Schließlich brachten wir mit den Filmdreharbeiten ja auch zig Millionen Dollar in die Stadt. Ich fühle mich deshalb also nicht besonders schlecht und die Leute tun mir auch nicht allzu Leid.

Ricore: Wie denken Sie als Vater von drei Kinder darüber, dass Sie in diesem Film unzählige Menschen erschießen?

Smith: Ich vertraue dem amerikanischen Alterfreigabesystem. "Bad Boys 2" ist für Erwachsene, das bedeutet, unter 17 darf niemand ohne Begleitung der Eltern rein. Und ich bin mir sicher, dass ein 17- oder 18-Jähriger zwischen Fantasie und Realität unterscheiden kann. Mein ältester Sohn ist zehn, und er ist total sauer, dass er's nicht sehen darf. Aber damit muss er leben.

Ricore: Sahen Sie denn Ihren ersten Erwachsenenfilm tatsächlich erst mit 18?

Smith: Nein, vermutlich mit 14. Da gab's ein Kino um die Ecke, wo das Schloss am Notausgang kaputt war, dort haben wir uns immer reingeschlichen.


Will Smith in: Bad Boys 2
Sony Pictures
Will Smith in: Bad Boys 2
Ricore: Wie viele Leichen gibt es eigentlich in "Bad Boys 2"?

Smith: Oh Gott, keine Ahnung. Das ist bei diesem Film besonders schwierig, denn teilweise erschießen wir ja Leute, die schon tot sind. Ich habe keinen blassen Schimmer.

Ricore: Der Film baut sehr auf die Chemie zwischen dem von Ihnen und Martin Lawrence dargestellten Polizisten-Duo. Existiert diese Chemie auch im wirklichen Leben?

Smith: Chemie ist etwas, das man mit mathematischen Formeln nicht erklären kann. Man kann sie nicht entwickeln, entweder man hat sie oder nicht. Ich machte mir ehrlich gesagt Sorgen, ob sie zwischen uns auch acht Jahre später noch existieren würde, aber ich wurde positiv überrascht. Nach zehn Minuten war klar, dass wir sie nicht nur noch immer hatten, sondern dass sie sogar besser geworden war, weil wir beide jetzt bessere Schauspieler sind. Vor acht Jahren legten wir einfach los, aber diesmal wussten wir, was wir taten. Wir wussten, wie man eine Szene aufbaut und welcher Mittel es bedarf, damit die Pointe rüberkommt. Das ist das Geheimnis von guten Komödien.

Ricore: Wird es in acht Jahren demnach "Bad Boys 3" geben?

Smith: Ja, aber dann müssen wir den Titel in "Old Ass Boys" ändern! (lacht)


Will Smith mit Gabrielle Union in: Bad Boys 2
Sony Pictures
Will Smith mit Gabrielle Union in: Bad Boys 2
Ricore: Unheimlich viele Schauspieler behaupten, dass sie 90 Prozent ihrer Stunts selber machen. Wenn das stimmen würde, wären die Stuntmen doch längst arbeitslos!

Smith: Ja, und in den meisten Fällen stimmt es ja auch nicht. Aber ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass der Film einfach cooler aussieht, wenn der Hauptdarsteller versucht, soviel wie möglich selbst zu machen.

Ricore: Bei "Ali" bestanden Sie darauf, Sexszenen nur mit Ihrer Ehefrau Jada Pinkett zu drehen, weil Sie vor der Kamera nicht mit anderen Frauen ins Bett steigen wollten. In "Bad Boys 2" machen Sie jetzt mit Gabrielle Union rum. Haben Sie Ihre Meinung geändert?

Smith: Naja, inzwischen sind meine Kinder alt genug um zu verstehen, dass das nur ein Job ist. In "Men in Black 2" waren meine Jungs am Set, als ich Rosario Dawson küsste - und das passierte aus irgendeinem bizarren Grund just an dem Tag als Jada Geburtstag hatte. Und Trey, mein Ältester, meinte: "Dad, Alter, was machst du da mit anderen Mädels rum, ausgerechnet am Geburtstag deiner Frau?" Inzwischen ist er zehn und kapiert, dass das auch nur Arbeit ist.

Ricore: Ihre Frau hat sich für ihre Rolle in "Matrix Reloaded" eine Menge Muskeln antrainiert, und auch Sie sind Ihre nach "Ali" nie ganz losgeworden. Gibt's einen Wettkampf, wer von Ihnen der Fittere ist?

Smith: (lacht) Wir trainieren gemeinsam und pushen uns gegenseitig. Wenn sie morgens aufsteht und ins Studio geht, ist es richtig schwer für mich, liegen zu bleiben und mich faul im Bett rumzuwälzen. Ich kann ihr ja wohl auch nicht erlauben, stärker zu werden als ich! (lacht) Wenn deine Frau mit all diesen gut aussehenden Schauspielern arbeitet, trainierst du dir lieber selbst Muskeln an, schließlich kannst du ja nie wissen, ob du sie nicht am Set besuchen und deine Präsenz kundtun musst!

Ricore: Sind Sie eifersüchtig?

Smith: Nein, aber ich liebe den Wettkampf. Auf diese Weise erlaube ich mir nicht, mich gehen zu lassen. Das gilt für alle Bereiche meines Lebens. Sogar fürs Interviews geben. Ich will, dass Sie sagen: Oh, Will war viel besser als Arnold Schwarzenegger. (lacht) Daher kommt meine Energie.

Ricore: Boxen Sie noch?

Smith: Ja, aber nicht mehr regelmäßig. Bei "Ali" habe ich gelernt, dass ich essen kann was ich will, wenn ich nur zweimal am Tag trainiere: 45 Minuten Joggen am Morgen und 45 Minuten Gewichtstraining zu Mittag. Vor anstehenden Dreharbeiten achte ich dann auch noch auf meine Ernährung und bin dann immer auch schön schlank.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  9. Oktober 2003

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