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Interview

Orlando Bloom in "New York, I love you"
Concorde Filmverleih

Ruhm, neue Freundschaften und Riesenelefanten

Shootingstar Orlando Bloom
Mit sechzehn kehrte Orlando Bloom seiner Heimatstadt Canterbury den Rücken, um in London Schauspieler zu werden. Die folgenden Jahre verbrachte er in einer renommierten Schauspielschule und wartete auf den großen Durchbruch. Der kam früher als erwartet - zwei Tage vor seinem Abschluss - mit der Rolle von Legolas in "Der Herr der Ringe". Der Rest ist schon heute Geschichte: Peter Jacksons Trilogie wurde ein Megahit, und Blooms Terminkalender ist entsprechend voll. Zwischen "Fluch der Karibik" und "Troja" trafen wir den 26 Jahre alten Shootingstar zum Interview.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  12. Dezember 2003
Orlando Bloom alias Legolas
Warner Bros.
Orlando Bloom alias Legolas
Ricore: Mr. Bloom, wie haben Sie sich am letzten Drehtag von "Herr der Ringe" gefühlt? Orlando

Bloom: Als ich vor ein paar Monaten mit dem Nachdreh fertig waren, schenkte man mir zum Abschied Legolas' Pfeil und Bogen. Das war sehr ergreifend. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ich die blonde Perücke und die Ohrattrappen nun zum letzten Mal getragen hatte. Denn mal ehrlich: Es hat echt großen Spaß gemacht, blond zu sein! (lacht)

Ricore: Kein Wunder: Die Rolle hat Sie weltberühmt gemacht.

Bloom: Nach "Der Herr der Ringe" ging es ja noch, aber seit "Fluch der Karibik" kann ich Anonymität total vergessen. Ich habe Mittel und Wege gefunden, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Es erhitzt mir meinen Kopf nicht zu sehr. Es ist ernst, aber hoffentlich nicht lebensbedrohlich! (lacht)

Ricore: Wie passiert mit Legolas im dritten Teil?

Bloom: Der dritte Teil war schon immer der spannendste. Die Einzelschicksale verknüpfen sich wieder und führen zum Ende der Saga. Man erkennt, was genau jeden der Gefährten zu einem Helden machte. Was Legolas alles geleistet und für den Kampf um Mittelerde aufs Spiel gesetzt hat. Mit den ersten beiden Teilen hat sich Peter Jackson nur aufgewärmt. Jetzt aber treffen Legolas, Gimli und Aragorn bei den Pelennor-Feldern wieder auf Gandalf und die anderen Gefährten. Hier wird die Story ihren Höhepunkt erreichen.

Ricore: Und im wirklichen Leben? Wie war das Verhältnis untereinander?

Bloom: Dank "Der Herr der Ringe" hab ich ein paar echte Freunde gewonnen. Mit Billy Boyd und Dominic Monaghan war ich oft beim Surfen, danach ging's meistens mit allen in irgendeine Bar zum Feiern. Überhaupt haben wir außerhalb der Dreharbeiten sehr viel gemeinsam unternommen.


Ricore: Wie kam es denn überhaupt zu Ihrem Engagement als Legolas?

Bloom: Durch ein Casting im dritten Jahr meiner Schauspielausbildung. Anfangs war ich übrigens für die Rolle von Boromir im Gespräch. Bis ich zum ersten Mal persönlich auf Peter Jackson und Frances Walsh traf: Sie besetzten mich als Legolas - und ein Traum wurde wahr.

Ricore: Nur wenige wissen, dass Ihre Beteiligung an dem Film auch ein kleines Wunder ist. Denn ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten brachen Sie sich beim Sturz aus einem Fenster den Rücken. Viele dachten damals, dass sie nie wieder laufen könnten.

Bloom: Dieses Ereignis hat mich wachgerüttelt und mein Leben verändert. Ich nehme die Dinge seitdem nicht mehr als selbstverständlich hin. Sechs Monate vor Drehbeginn wurden mir in einer langen Operation die Nägel und Platten gezogen, die bis dahin mein Rückgrat zusammenhielten. Für "Der Herr der Ringe" trainierte ich im Anschluss mit einem Fitnesstrainer, bekam Massagen und andere alternative Therapien verabreicht. Mittlerweile geht es mir wieder recht gut. Ich ernähre mich gesund und lebe mein Leben in einer Weise, die den Heilungsprozess schnell vorantreibt.

Ricore: Und was haben Sie durch "Der Herr der Ringe" gelernt?

Bloom: Ich bin in vieler Hinsicht erwachsener geworden. Ich bin nun in der Lage, auch bei Großproduktionen locker zu bleiben. Und die physischen Anforderungen waren enorm.


Ricore: Haben Sie eigentlich ein Faible für aufwändige Produktionen? Man denke nur an "Black Hawk Down", "Der Herr der Ringe", "Fluch der Karibik" oder ihr neuestes Projekt: "Troja".

Bloom: Wichtig sind Regisseur und Drehbuch, nicht epische Stoffe oder Schwertkämpfe. Ich möchte gute Filme mit angesehenen Regisseuren drehen, daran wird sich auch in Zukunft hoffentlich nichts ändern.

Ricore: Wie war Peter Jackson im Vergleich zu anderen Regisseuren?

Bloom: Er ist der Beste. Ein wirklich faszinierender Mensch.

Ricore: Veränderte sich sein Arbeitsstil im Verlauf der Dreharbeiten?

Bloom: Eigentlich nicht. Pete war schon immer ein hervorragender Regisseur. Bodenständig, bescheiden und freundlich. Sein neuseeländisches Team bestand aus echten Profis, die ihn alle lieben und schätzen. Alle hatten großes Vertrauen zueinander.


In die Schlacht: Orlando Bloom
Warner Bros.
In die Schlacht: Orlando Bloom
Ricore: Was ist Ihre Lieblingsszene in "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs"?

Bloom: Eine Sequenz mit einem übergroßen Elefanten, einem Mumakil. Sie wurde erst vor ein paar Monaten nachgedreht. Schon im zweiten Teil waren Legolas' elegante Bewegungen sehr beliebt, und deswegen setzte Peter Jackson nun mit dieser Szene noch eins drauf. Pete ist wie ein großes Kind mit vielen teuren Spielsachen.

Ricore: Also orientierte man sich beim Nachdreh an den Publikumsreaktionen der ersten beiden Teile?

Bloom: Natürlich. Der Film soll das Publikum unterhalten. Also bekommt der Zuschauer das, was ihm gefällt.

Ricore: Was haben Ihnen Ihre Freunde über den Umgang mit Weltruhm beigebracht?

Bloom: Auf dem Boden zu bleiben. Denn man darf nie vergessen: Es wird immer einen neuen Shootingstar geben. Junge Menschen, vor allem Girls, wollen ihre Hoffnungen und Träume auf irgendjemanden projizieren. Gerade Legolas ist dafür hervorragend geeignet: Er ist das Sinnbild eines ausgeglichenen Helden, eine Mischung aus Yogi und Samurai. Dazu ist er asexuell und auch noch ziemlich attraktiv. Mal sehen, was mit meinen Fans passiert, wenn ich zum ersten Mal einen Serienkiller spiele. (lacht)
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  12. Dezember 2003

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