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Interview

Til Schweiger macht sich Gedanken über den Umgang mit Behinderten

Timo Buschkämper/Ricore Text

Boll macht solides B-Kino

Til Schweiger zu Kritik und Trash

In Uwe Bolls "Far Cry" mimt Til Schweiger brachial die Rolle von Ego-Shooter-Held Jack Carver. Der deutsche Star haucht der Rolle des ehemaligen Elite-Soldaten Charme und Humor ein - Eigenschaften, die ihm auch privat nicht fehlen. Konzentriert hört er zu, schlagfertig kommen seine Antworten. Nach so vielen Jahren im Geschäft trennt er geschickt die Grenze zwischen Privatleben und Beruf. Im Interview verrät er dennoch einiges über seine Familie sowie zukünftige Projekte.

Uwe Boll

Andrea Niederfriniger/Ricore Text

Ricore: Regisseur Uwe Boll ist umstritten. Wie kam es dazu, dass sie in seinem neuesten Film mitspielen?

Til Schweiger: Ich kam direkt vom "Keinohrhasen"-Dreh. Da kam das Angebot von Uwe. Ich hatte ihn kurz davor kennen gelernt und sofort ins Herz geschlossen. Ich hatte die Rohschnittfassung von "Postal" gesehen, den ich streckenweise kongenial fand. Erst dann habe ich mich damit auseinander gesetzt. Bis dahin war ich überzeugt: "Uwe Boll macht die schlechtesten Filme der Welt". Aber nach "Postal" dachte ich: "Irgendwas stimmt hier nicht". Als er mir das Buch geschickt hat, dachte ich: "Ok, dann spielen wir Cowboy und Indianer. Und man bekommt auch noch Geld dafür." Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Über Uwe als Mensch kann ich nur das Beste sagen. Ich stehe hinter dem Film.

Ricore: Ist es der unbedingte Wille, der Sie mit Uwe Boll verbindet?

Schweiger: Ja, schon. Ich würde schon sagen, dass wir Seelenverwandte sind. Obwohl wir als Menschen sehr unterschiedlich sind. Aber ich finde es klasse, wie er mit der Situation umgeht. Uwe bekommt von allen Seiten Kritik um die Ohren gehauen. Ich ja auch, aber im Vergleich dazu bin ich auf Rosen gebettet. In letzter Zeit hat er sich aber auch einen gewissen Respekt erschaffen, weil er sein Ding trotz allem durchzieht. Ich finde es schon extrem respekteinflößend, dass Uwe trotz Internet-Petitionen seine Filme weitermacht.

Ricore: Wie gehen Sie als Regisseur selbst mit Kritik um?

Schweiger: Es kommt darauf an, wann die Kritik kommt. Wenn ich im Stadium des Filmemachens bin und sie noch umsetzen kann, bin ich sehr offen für Kritik. Im Arbeitsprozess ist Kritik etwas Produktives. Wenn alles fertig ist, kann ich nicht mehr darauf reagieren. Ich kann den Film nicht noch mal schneiden, wenn er schon im Kino läuft. Und dann gibt es auch Kritik, die berechtigt ist und solche, die nur böse ist. Darüber ärgere ich mich dann auch. Jeder ärgert sich darüber. Jeder, der sagt: "Es prallt an mit ab!" lügt. Man ärgert sich und dann schiebt es weg. Sonst müsste Uwe aufhören, Filme zu machen. Ich bin vor ein Paar Tage Im Internet gewesen und zum Teil ist es echt heftig, was über ihn zu lesen ist.


Til Schweiger ("Far Cry")

20th Century Fox

Ricore: Macht Ihnen das Angst?

Schweiger: Nein. Aber ich mache als Regisseur auch andere Filme. Uwe sagt es auch offen und ehrlich: 'Ich mache nicht "Lawrence von Arabien", ich verfilme Ego-Shooter-Spiele.' Wenn man ihm vorwirft, die hätten keine Handlung, stimmt das nicht. Da ist zehn Mal mehr Handlung, als in dem Spiel. Wie gut das Drehbuch ist, kann man sicher diskutieren. Aber welche Handlung gibt es denn in "Resident Evil"? "BloodRayne" ist nicht schlechter als "Resident Evil".

Ricore: Im Film gibt es eine Szene, über die alle gelacht haben. Nach der gemeinsamen Liebesnacht fragen Sie Ihre Partnerin nach einer Bewertung. Ist das etwas, was Sie privat auch fragen würden?

Schweiger: Nein. Ich habe einmal aus Spaß gefragt: "Wie war ich?". Aber das ist doch eine behämmerte Frage.

Ricore: Wie kann man es besser fragen?

Schweiger: Man kann fragen: "Hattest du einen Orgasmus?" Dann wird sie die Gegenfrage stellen: "Hast du das nicht bemerkt?". Aber es kann auch vorgespielt sein. Man wird niemals die Wahrheit erfahren. Insofern ist es nicht wirklich nötig, sich darüber Gedanken zu machen.

Ricore: Jack Carver macht die Journalistin mit einem ziemlich platten Spruch an. Was ist Ihre perfekte Anmache?

Schweiger: Es gibt keinen perfekten Anmachspruch. Aber seine ist doch gar nicht schlecht. Er fragt sie, ob sie "share body heat" machen wollen, eine beim Militär beliebte Praxis...


Til Schweiger mit Emmanuelle Vaugier in "Far Cry"

20th Century Fox

Ricore: Was halten Sie persönlich von Ego Shootern?

Schweiger: Ich spiele selber nicht, weil ich zu wenig Zeit habe. Ich habe eine zwiespältige Meinung dazu. Auf der einen Seite weiß man, dass Attentäter oft nichts anderes gemacht haben, als solche Games zu spielen. Andererseits gibt es Millionen auf der Welt, die solche Spiele mögen und nicht zu Attentätern geworden sind. Ich persönlich empfinde es als Zeitverschwendung. Ich habe das mal ausprobiert, als ich mich auf die Rolle vorbereitet hab. Aber wie kann ich mich da vorbereiten, ich sehe ja nicht den Charakter, sondern nur den Lauf meiner Waffe. So an die zwei Stunden habe ich gespielt. Aber ich war so schlecht drin. Ich bin sofort abgeknallt worden.

Ricore: Wenn man selbst als Regisseur tätig ist, fällt es einem sicherlich schwer, sich in den Film nicht einzubringen?

Schweiger: Ich habe mich nicht eingebracht. Ich hatte nur die Idee mit diesem Spruch "Wie war ich?" Gerade wenn man Regie geführt hat, ist es ja fast eine Entspannungsmaßnahme. Jetzt habe ich auch einen Film in Berlin gedreht mit Simon Verhoeven. "Männerherzen" ist eine Ensemble-Komödie über Männer. Ich war auch total entspannt, weil ich den Organisationsstress nicht hatte. Es ist mir egal, wenn es regnet. Ich muss nicht das Pensum schaffen. Ich bin nur als Angestellter da und das hat auch seine Vorteile.

Ricore: "Männerherzen" ist eine Art "Sex and the City" für Jungs. Worüber reden Männer?

Schweiger: Frauen reden fast nur über Sex. Sie sind schlimmer als Männer. Ich verrate aber noch nicht, worum es im Film geht.

Ricore: Sie sind gerade auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere. Was treibt Sie an?

Schweiger: Ich hoffe, dass es so weiter geht. Ich versuche es auch so zu machen, dass es weiter geht. Denn nur solange die Leute deine Filme sehen wollen, kannst du auch weitermachen. Am meisten Spaß machen mir meine eigenen Filme. Ganz klar. Dann ist es wirklich mein Baby und ich identifiziere mich auch damit. Aber wie gesagt: "Far Cry" hat mir auch Heidenspaß gemacht.


Ricore: Nur ein Jahr nach "Keinohrhasen" kommt Ihr neuer Film "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" in die Kinos. Wieso so eilig? Wollten Sie die Welle um "Keinohrhasen" nutzen?

Schweiger: Nein, das nicht. Für die Welle bist du ja selber verantwortlich. Die kannst du nicht planen. Theoretisch hätte ich den Film auf nächstes Jahr verschieben und jetzt "Keinohrhasen 2" drehen können. Denn wir hatten schon die Arbeit am Drehbuch angefangen. Doch die Idee für "1 1/2 Ritter" kam praktisch über Nacht und wir haben uns entschlossen, mit der Fortsetzung zu warten.

Ricore: Sie sind vor und hinter der Kamera. Haben Sie noch Freizeit bei so viel Arbeit?

Schweiger: Das liegt daran, dass ich keine Pressekonferenz organisiere, um meinen Urlaub anzukündigen. Ich habe schon Urlaub gemacht. Nicht lange. Bin zwei Mal je eine Woche verreist. Ich versuche nachts zu schlafen und es gelingt manchmal gut. Anderes Mal wache ich nachts auf und Tausende Sachen gehen mit durch den Kopf, was ich alles besser oder anders machen kann.

Ricore: Uwe Boll gilt als Trash-Filmemacher. Wie schätzen Sie den Film ein?

Schweiger: Ich persönlich gucke mir keine Trash-Filme an. Es ist eine Definitionssache. Ich empfinde aber "Far Cry" nicht als Trash, sondern als solides B-Movie. Keiner erhebt den Anspruch, dass der Film die deutsche Antwort auf "8 Blickwinkel" sein soll. Wenn jemand Trash guckt, dann ist es auch in Ordnung. Genre-Kino ist für Fans. Uwe Boll hat auch seine Fans, sonst könnte er seine Filme nicht amortisieren. Das heißt auch nicht, dass alle sie sehen müssen. Es gibt auch Leute, die "Keinohrhasen" nicht mögen. Es ist immer Geschmackssache.


Hat sich bei Vorbereitungen Prellungen zugezogen: Til Schweiger

20th Century Fox

Ricore: Wie haben Sie sich auf die Actionszenen vorbereitet?

Schweiger: Ich habe nicht extra trainiert. Ich kam direkt von "Keinohrhasen" und hatte keine Zeit für Sport. Während den Dreharbeiten zu "Far Cry" habe ich dann viel Sport gemacht.

Ricore: Am Set haben Sie sich eine Rippenprellung zugezogen. Wie kam es dazu?

Schweiger: Ich habe mich mit einem russischen Stuntman - ein Tier von einem Mann - unterhalten. Er sagte: "You have to work out your body at least half hour a day. It's your tool." Dann hat er mir Übungen mit drei Gummiseilen gezeigt. Damit kann man ein ganzes Programm machen. Man kann die Spannung ändern und so die Schwierigkeit der Übung einstellen. Und der kleine dumme Til hatte das Seil an einem Metalpfosten festgebunden und eine zu große Spannung eingestellt. Beim Ziehen ist das Seil gerissen und beide Enden haben mich direkt auf die Rippen getroffen. Es war ungefähr so, als hätte mich ein Bus überfahren. Zwei Minuten haben ich keine Luft gekriegt, der Notarzt war schon unterwegs. Danach ging es wieder, aber ich hatte schöne Prellungen.

Ricore: Üben Sie trotzdem weiter?

Schweiger: Ja, aber ich bin vorsichtiger geworden. Ich binde sie nicht mehr an scharfe Kanten.


Til Schweiger ("Far Cry")

20th Century Fox

Ricore: Ihre Kinder sind sehr filminteressiert. Wie erklären Sie ihnen, dass sie in manchen Filmen mitspielen dürfen und andere wie zum Beispiel "Far Cry" wahrscheinlich nicht sehen dürfen?

Schweiger: 13-jährige Jungs haben Mittel und Wege, übers Internet, bei Freunden, irgendwelche Raubkopien herunterzuladen. Man kann ja den eigenen Sohn nicht 24 Stunden überwachen. Aber mein Sohn hat schon mitgekriegt, was Film ist und wie er funktioniert. Als Kind habe ich nachts, als meine Eltern nicht da waren, Roman Polanskis "Tanz der Vampire" gesehen. Ich konnte dann nicht mehr schlafen. Ich hatte Angst, dass hinter jeder Ecke eine Fledermaus lauert. Meine Kinder waren aber an so vielen Sets dabei.

Ricore: Können Sie ein bisschen über Ihr nächstes Projekt - "Inglorious Bastards" - erzählen?

Schweiger: Ich fahre gleich nach diesem Termin nach Babelsberg. Dort habe ich eine erste Leseprobe. Dann habe ich eine Woche zum Proben und Mitte Oktober geht es los.

Ricore: Vielen Dank für das nette Gespräch!

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