Interview: Kevin Costner zu zu Open Range - Weites Land | FILMREPORTER.de
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Interview

Kostner wieder am Anfang: Open Range - Weites Land
Costner steht zu seinem Stil

Beleidigte Leberwurst

Kevin Costner ist beleidigt. Seine Tochter Lily - die mittlere, blonde, hübsche - wird als Schauspieler-Nachwuchs die Miss Golden Globe bei der Preisverleihung sein, aber er wurde nicht als bester Regisseur für sein langes, langes, laaanges Western-Epos "Open Range - Weites Land" nominiert. Seine Strafe für die Jury und die TV-Produzenten: er wird nicht als Präsentator in der Kategorie Bester Regisseur fungieren. Wir sind entsetzt. Oder auch nicht....
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de, 30. Januar 2004

Ans Ego von Stars längst gewöhnt, überrascht uns nur noch menschliches Benehmen. Dabei ist Costner ja gar kein schlechter Regisseur. Wenn er bloß als Schauspieler nicht so selbstverliebt wäre und die Bedeutung des Schnitts etwas ernster nehmen könnte. "Open Range - Weites Land" hat trotzdem viel zu bieten. Nur leider zuviel davon. Zuviel des Guten ist nun einmal nicht immer besser. Filme, die über zwei Stunden lang sind, sind in den vielen Fällen fürs Publikum schwer verdaulich. Aber Costner verteidigt seine Längen - auch im Interview - vehement:

Ricore: Warum der langsame Rhythmus vor allem zu Beginn des Films?

Costner: Ich versuche der Idee zu widerstehen, dass man besonders zu Beginn eines Films so schnell wie möglich auf die Story eingehen muss. Irgendein Studio-Typ hat diese Regel mal erfunden, nachdem er ein Testergebnis gelesen hat, wonach 80 Prozent der Zuseher gelangweilt sind wenn sich in den ersten 20 Minuten nichts weltbewegendes abspielt. Ich gehöre zu den Filmemachern, die wollen, dass der Zuseher erst die Charaktere kennen lernt, bevor er sie in Action sieht. Wie oft habe ich nicht ein Buch in die Hand bekommen, wo irgendwer gemeint hat, die ersten 100 Seiten sind wirklich langsam, aber dann springt die Geschichte so richtig an. Und ich frage mich immer, ob das Buch ohne die ersten 100 Seiten so gut wäre wie es ist. Und im Film habe ich die Tendenz langsam die Figuren zu entwickeln. Ich komme schon zur Schiesserei, ich verspreche es.

Ricore: Wie aber entscheiden Sie letzten Endes, wo man schneiden muss, und wo nicht?

Costner: Ich habe keine Angst vor dem Schnitt! Aber wenn die Charaktere unterhaltsam sind, dann halte ich die Szenen einfach etwas länger. Denn ich denke, dass sie beim Publikum Resonanz finden, ich finde das psychologisch interessanter. Alles hat seinen Sinn, zumindest in meinem Hirn. Letztlich ist der Film kein Dreiakter mit Action sondern eine Reise.

Die Freiheit endet hier

Die Freiheit endet hier

Ricore: In Amerika gab es einen Cowboy-Mythos. Ganze Generationen waren davon beeinflusst. In Hollywood wurde eine gesamte Industrie rund um diesen Mythos aufgebaut. Doch dann war es auf einmal vorbei damit. Was, glauben Sie, ist der Grund für das Desinteresse des heutigen Publikums?

Costner: Es gibt diese verlorene Generation, die glaubt, dass Westerns gut sind. Und dann gibt es eine Menge Leute, die sagen, nein, sind sie nicht. Das sind keine dummen Menschen, es sind Menschen, die sich damit beschäftigt haben. Auf eine ganze Ära zurückblicken, in denen Westerns einfach zu faul wurden. Hollywood ging faul damit um. Die dachten, okay, wenn wir einen Hut und einen Bart auf einen Typen draufkleben, der auf einem Pferd sitzt, können wir es schon Western nennen. Das geschah vor allem im TV. Das ist auch der Grund, warum Frauen fast nie Western als ihr Lieblingsgenre nennen, denn an Geschichten über einen Mann, dessen ganze Familie ausgerottet wurde, und der daraufhin glaubt er hat das Recht seiner Blutgier nachzugeben und alles niederzuschießen, was sich bewegt ist nicht, was Frauen sehen wollen. Ich sehe den Western ganz anders: ich glaube nicht, dass die Naturgesetze damals so simpel waren. Wir reden hier von Einwanderern, die größtenteils die Sprache nicht konnten, von Menschen, die sich unter schwierigsten Bedingungen ein neues Leben aufbauen mussten. Es gab keine Gesetze. Schon das machte ihr Leben kompliziert. Und wenn man der Geschichte treu sein will, dann muss man sie auch so kompliziert erzählen. Wenn man das vereinfacht, wird man dem Erbe dieser Menschen - unserer Vorfahren - nicht gerecht. Wenn man sich aber um Authentizität bemüht, dann kann man auch als Zuschauer ihr Dilemma verstehen. Deshalb ist der Cowboy für mich kein Mythos sondern eine Realität.

Ricore: Ihr Leben hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert - nicht nur beruflich. Wo und wie sehen Sie sich heute?

Costner: Man versucht ja immer, Liebe zu finden. Und ich hatte sie einst, und war mir nicht sicher, dass ich sie je wieder finden würde. Als es passierte, war ich überrascht. Und ich tue alles, um sie zu schützen.

Ricore: Ihre Beziehung zu Christine Baumgartner war aber nicht immer eitel Sonnenschein, oder?

Costner: Nein, wir hatten unsere Schwierigkeiten. Einiges von der Szene im Film, wo er mit Annette Bening im Garten redet, ist aus dem Leben gegriffen. Aus Dingen, die Christine und ich durchgemacht haben, entstanden. Er ist sich nicht sicher, sie schon, sie sagt es deutlich, Manchmal bedarf es einer Frau, um einen Mann in die richtige Richtung zu lenken.

Ricore: Oder zu treten? Wie war denn das?

Costner: Ich wusste immer, dass ich mich wieder verlieben könnte, aber was ich nicht wollte war, mich je wieder scheiden zu lassen. Das war die schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens. Und ich fand ein Mädchen, dass in mich verliebt ist, nicht in das was ich tue. Sie weiß nicht besonders viel über die Schauspielerei. Und obwohl sie ganz offensichtlich äußerlich sehr schön ist, ist es ihre innere Schönheit, die ich so anziehend finde. Und sie ist eine gute Köchin!

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