Interview
Michael FitzIndra Fehse/Ricore Text
Michael Fitz: eigenwillig und eigenbrötlerisch
Filme im Dialekt sind modisch
Jule Ronstedt und Michael Fitz sind alte Bekannte. Mitte der 1990er Jahre standen die beiden für die Vorabendserie "Aus heiterem Himmel" gemeinsam vor der Kamera, jetzt haben sie für die Komödie "Hilfe, meine Schwester kommt!" wieder zusammen gearbeitet. Darin ist Ronstedt in einer Doppelrolle als Zwillingspärchen zu sehen, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Als brave Familienmutter Luisa ist sie mit Michael Fitz verheiratet, während die flippige Jenny ein unstetes Hippieleben führt. Wir trafen uns mit beiden Hauptdarstellern und sprachen mit Ihnen über Zukunftspläne und schwierige Charakterzüge.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  30. Oktober 2008
Jule RonstedtIndra Fehse/Ricore Text
Ricore: Frau Ronstedt, welcher der ungleichen Zwillingsschwestern sind sie ähnlicher?

Jule Ronstedt: Beim Lesen des Drehbuchs war mir die flippige Jenny näher und sympathischer. Luisa ist zickiger und strenger. Aber im Lauf der Dreharbeiten habe ich ein Verständnis für diese arme, gestresste, überforderte Luisa entwickelt. Aus ihrer Sicht hat sie ja auch Recht, sie ist einfach in einer Scheißsituation. Die Jenny ging mir irgendwann auf die Nerven, die hat überhaupt keine Ahnung. Die weiß nicht, was es bedeutet einen Mann, zwei Kinder, einen Hund und einen Job zu haben. Die Luisa ist mir also näher, weil ich auch eine Familie und einen anstrengenden Job habe. Aber mit der Lebenslust und Kreativität der Jenny kann ich mich auch identifizieren.

Ricore: Was ist das Schwierige an einer Doppelrolle?

Ronstedt: Gleichzeitig zwei Hauptrollen nebeneinander zu spielen ist an sich schon eine Herausforderung. Das Spannende war, die Unterschiede heraus zu arbeiten.

Ricore: Sowohl Jenny als auch Luisa sind anfangs unzufrieden. Was macht Sie persönlich zufrieden?

Ronstedt: Wenn ein Film gut geworden ist, es meinem Kind gut geht oder im Moment, dass ich Urlaub habe.
Jule Ronstedt in "Hilfe, meine Schwester kommt!"Degeto Film GmbH
Ricore: Herr Fitz, wie ist das bei Ihnen?

Michael Fitz: Da kann ich mich anschließen, aber ich habe leider keinen Urlaub. Gestern habe ich meinem Sohn ein Keyboard gekauft, der schreibt auch schon Texte und rappt. Das freut mich total. Außerdem wollen wir uns einen Hund zulegen und haben auch schon einen im Auge. Einen kanadischen Schäferhund, der ist der Wahnsinn. Und ich freue mich natürlich auch, wenn den Leuten meine Konzerte gefallen.

Ricore: Tendiert ihr Sohn auch zur Schauspielerei?

Fitz: Das kann man noch nicht sagen. Er ist auf einer Waldorfschule, auf der natürlich auch gespielt wird. Der musische Bereich ist da auch sehr umfangreich und da ist er voll engagiert.

Ricore: Frau Ronstedt, wie läuft die Arbeit am Münchner Kinder-und Jugendtheater?

Ronstedt: Gut, das Regieführen macht mir Spaß. Das ist natürlich ein kleiner Rahmen, manchmal spielen wir in der Pasinger Fabrik und es kommt keine Sau. Theater für Kinder und Jugendliche zu machen ist spannend, das ist oft deren erste Berührung damit. Die dafür zu begeistern, ihnen Themen vorzustellen, die sie selber angehen, das ist toll. Wir haben zum Beispiel ein Stück, in dem es um Scheidung geht. Meine Tochter geht in die erste Klasse, und da sind ungefähr 80 Prozent der Eltern getrennt. Das Thema springt die Kinder direkt an. Man kann ihnen Entwürfe an die Hand geben, wie man mit so etwas umgehen kann. Dieser Wechsel der Perspektiven neben der Schauspielerei tut mir gut.

Ricore: Wollen Sie auch einmal bei einem Fernsehfilm Regie führen?

Ronstedt: Einen Kurzfilm habe ich ja schon gemacht. Ich schließe das nicht aus, aber das ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Da muss man auch technisch sehr versiert sein, sich mit dem Schnitt auskennen. Für den zwölfminütigen Kurzfilm saß ich eine Woche im Schneideraum, das fand ich so öde! Ich weiß nicht, ob das hundertprozentig mein Ding ist, aber ich würde es wahnsinnig gerne ausprobieren.
Charles Brauer, Ceci Chuh, Michael Fitz, Markus Krojer, Jule RonstedtIndra Fehse/Ricore Text
Ricore: Sie haben beide schon mit Marcus H. Rosenmüller gedreht. Wie war das?

Ronstedt: Ich fand das wunderbar. Ich habe bei "Wer früher stirbt, ist länger tot" mitgemacht. Was die Faszination ausmacht, ist diese fast manische Leidenschaft, mit der er seine Geschichten verfolgt. Der versprüht so eine positive Energie, und die überträgt sich auf das ganze Team.

Fitz: Der führt so Regie, wie er ist. Der hat keinen Filter oder eine Maske wie andere Leute. Das reißt einen mit. Ich erinnere mich an die Szene, in der wir diesen Hirsch geschleppt haben. Einen halben Tag, rauf und runter, und das war ein richtig schwerer Hirsch. Und da motiviert der dich, der ist wie eine Naturgewalt.

Ricore: Wie erklären Sie sich, dass Filme in bayerischem Dialekt in letzter Zeit so gut ankommen und auch im Kino erfolgreich sind?

Ronstedt: Ich halte das für eine Mode und glaube, dass das bald wieder vorbei sein wird.

Fitz: Das sind ganz eigene Geschichten, die auch so etwas hinterfotzig-bayerisches haben. Diese Geschichten begeistern und machen dann auch Lust auf den Dialekt. Da ist eine Tür aufgefangen und die Leute entdecken den besonderen, hintergründigen Humor. Daneben gibt es auch so etwas wie "Baching" von Matthias Kiefersauer, das ist ganz anders. Viel ruhiger, was mir auch eher entgegenkommt. Solche Sachen werden jetzt viel eher angenommen. Ich hoffe, das hält ein bisschen an. Es gab ja schon einmal so einen Boom mit den Filmen von Vilsmaier.

Ronstedt: Diese hohen Erwartungen an den Rosi sind ja auch schwierig. Man kann halt nicht einen Hit nach dem anderen landen.
Jule Ronstedt in "Großglocknerliebe"Favorit Film
Ricore: Herr Fitz, ich habe gehört, dass Freunde und Kollegen Sie als eigenwillig und schwierig beschreiben. Wie drückt sich das aus?

Fitz: Eigenwillig muss man in dem Beruf ja auch sein. Da gibt's aber ganz andere Kollegen, ich würde mich selbst eigentlich gar nicht so beschreiben. Ich habe halt eine Idee von dem was ich da machen will. Und dafür trete ich dann ein. Ich sage nicht zu allem Ja und Amen was mir vorgelegt wird. Aber letztendlich hört die Demokratie beim Film ja irgendwann auf, das letzte Wort hat der Regisseur. Das passiert öfter, dass ich es letztendlich nicht so machen kann, wie ich mir das vorgestellt habe.

Ricore: Und wie ist das außerhalb des Berufs?

Fitz: Was meine Musik angeht bin ich sehr eigenwillig. Ich habe da eine lange Geschichte und war auch drei Jahre bei großen Plattenfirmen, wahrscheinlich kommt das aus dieser Zeit. Diese Einnordung auf Stilrichtungen habe ich nicht mitgemacht und dann auch auf den Putz gehauen. Da war dann klar, dass sich das selber machen muss. Der Weg über große Plattenverträge und Millionenverkäufe ist für mich leider versperrt. Vielleicht bin in der Hinsicht eigenwillig und eigenbrötlerisch. Ich behalte mir eben vor, vieles selber zu machen.

Ricore: Frau Ronstedt, woher können Sie so gut den wienerischen Dialekt?

Ronstedt: Ich habe gerade "Soko Donau" gedreht und da sollte ich im Dialekt sprechen. Ich hatte Angst, dass das blöd klingt, aber der Regisseur hat mich sogar gefragt wie lange ich in Wien gelebt habe. Das war ein tolles Kompliment. Ich habe da eine große Affinität, vielleicht war ich in einem früheren Leben Österreicherin. Womöglich Sissi, das könnte ich mir vorstellen. Leider habe ich gerade eine Rolle nicht bekommen. Der Film hätte in Wien gespielt, da habe ich mich schon wegen des Schauplatzes geärgert. Ich wollte auch gerne ans Max-Reinhardt-Seminar, bin aber immer in der Endrunde gescheitert.
Jule Ronstedt in "Wer früher stirbt, ist länger tot"Movienet Film
Ricore: Herr Fitz, für "Marias letzte Reise" haben Sie den Deutschen und den Bayerischen Fernsehpreis gewonnen. Ist es ein Zufall, dass Ihre Cousine das Drehbuch geschrieben hat?

Fitz: Sie hat mir einmal gesagt, dass Sie bei der Rolle des Simon schon an mich gedacht hat. Aber Sie denkt öfter an mich, wenn sie Drehbücher schreibt. Seit sie mit "Marias letzte Reise" so abgeräumt hat, ertrinkt sie in Arbeit, man kann sie kaum mehr sprechen.

Ronstedt: Wer ist denn Deine Cousine?

Fitz: Die Ariela Bogenberger. Bei uns gibt es immer Phasen, in denen wir Kontakt haben und dann wieder nicht. Und das Buch ist zu einer Zeit entstanden, in der wir keinen Kontakt hatten.

Ricore: Weil Sie so eigenwillig waren, wahrscheinlich.

Fitz: Wahrscheinlich, ja. Aber da war es so, dass der Produzent Bernd Burgemeister nach dem Lesen des Buches gesagt hat: "Das muss doch Dein Cousin spielen." Ariela schickt mir immer noch ab und zu Drehbücher von sich unter der Hand um meine Meinung zu hören. Ich stelle mit Freuden fest, dass Sie an mich denkt.

Ricore: Vielen Dank Ihnen beiden für das Gespräch.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  30. Oktober 2008

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