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Interview

Nicole Kidman in den kalten Bergen

Buena Vista International

Ohne Tom alles richtig gemacht

Nicole Kidman bleibt auf Erfolgskurs

Die Frau kann offenbar nichts mehr falsch machen: nach dem Unglücksjahr 2001, in dem sie von Tom Cruise verlassen wurde, wandelte sie ihre private Misere in einen beispiellosen beruflichen Triumph um, der mit dem Oscar für "The Hours" im vergangenen März einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Nebenbei spielte sie die Rolle der schmählich verlassenen Ehefrau so gekonnt, dass selbst die größten Tom Cruise-Fans den Star heute als privaten Versager sehen. Mit Anthony Minghella's "Unterwegs nach Cold Mountain" baut Kidman ihren Ruf als Hollywoods interessanteste Toppschauspielerin weiter aus. In der Rolle der alleinerziehenden Mutter fühlt sie sich weniger wohl - mit ihrem zeitweiligem Geliebten Lenny Kravitz macht sie zwar gelegentlich ganz im Privaten schöne Musik, aber öffentlich lässt sie sich wenig über ihn aus.

Auch mit "Unterwegs nach Cold Mountain" erfolgreich

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Ricore: Was ist mit der Lenny Kravitz-Geschichte? Ist was dran an der Verlobung?

Kidman: Ach wo! Ich bin nach wie vor Single und alleinstehende Mutter, der seine beiden Kinder erzieht. Meine Kinder haben einen Vater, und ich sehe derzeit keinen Grund ihnen einen Stiefvater zu geben. Ich habe beschlossen, über einen Mann in meinem Leben erst zu reden, wenn ich verheiratet bin. Und bei mir ist es nun mal so: entweder ich bin verheiratet oder nicht. Ich bin eine Ein-Mann-Frau, total monogam.

Ricore: Haben Sie nach der Scheidung von Cruise Vorbehalte gegen eine neue Ehe?

Kidman: Nein, ganz und gar nicht. Ich war gern verheiratet, spielte gern Familie. Und ich habe ja auch großartige Vorbilder: meine Eltern feiern Ende Dezember ihren 40. Hochzeitstag. Ich sagte allerdings zu meiner - glücklich verheirateten Schwester Antonia - dass sie die Rede halten muss! Ich bin dafür wohl ungeeignet! (lacht)

Ricore: Ihre Rolle in "Moulin Rouge" war auch musikalisch ein Hit. Das Duett mit Robbie Williams ("Something Stupid") verkauft sich weltweit sehr gut. Werden Sie mit Kravitz wenigstens eine Platte machen?

Kidman: Oh Gott, das wäre doch total kitschig! Niemals!


Am Set: Anthony Minghella mit Hauptdarstellerin Nicole Kidman

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Ricore: Wie läuft ein typischer Tag im Leben der Nicole Kidman ab?

Kidman: Ich nehme die Kinder am Morgen bevor ich zur Arbeit und sie in die Schule gehen zu Starbucks mit, wo sie zwei mal in der Woche zu ihrem Saft ein Donut essen dürfen, während ich meinen koffeinfreien Kaffee trinke. Dann gehen sie zur Schule und wenn ich kann hole ich sie wieder ab. Abends koche ich, gehen in ein ruhiges Restaurant oder essen bei Freunden. Ich möchte, dass sie sich an Routine gewöhnen. Routine ist wichtig. Ich bin mit Routine aufgewachsen und glaube, dass eine gewisse Regelmäßigkeit im Leben von Kindern unersetzlich ist. Wir wohnen in einer Dreizimmerwohnung in New York, und derzeit müssen sie sich eben ein Zimmer teilen, worüber sie sich unheimlich aufregen, denn weder in meinem Haus in Sydney noch bei ihrem Vater ist das der Fall. Aber ich brauche das dritte Schlafzimmer für eventuelle Gäste. Wenn meine Schwester zu Besuch kommt, oder eine Freundin. Und ich will meine Kinder auch nicht mit Luxus verziehen.

Ricore: Was bewundern Sie an Ihren Eltern am meisten?

Kidman: Meine Mutter zog zwei Mädchen auf, und sie gab alles auf, um für ihre Familie da zu sein. Sie ist unglaublich gebildet, intelligent und ich meine das sehr weitläufig. Sie hat eine ungeheure Allgemeinbildung und ein abgeschlossenes Studium, aber sie entschied sich gegen eine Karriere, weil sie als Mutter ihr Bestes geben wollte. Und das tat sie. Meine Schwester und ich sind mit viel Liebe und Respekt aufgewachsen. Sie hat uns Selbstsicherheit vermittelt, uns immer eingebläut, dass wir alles machen könne, alles werden können, was wir wollen. Und was meinen Vater betrifft - ich war immer meiner Mutter näher - aber in den letzten Jahren, und all dem, was mir da privat widerfahren ist, da rennt ein Mädchen eben zu seinem Vater. Und er ist da, er stand mir zur Seite und zeigte mir, dass ein Mann auch anders sein kann. Dass ein Mann stark und würdevoll gleichzeitig sein kann. Und er ist der einzige Grund, dass ich nichts gegen Männer habe. Dass ich nicht den Glauben an das Gute in Männern verloren habe.

Ricore: Ihr Vater ist Psychiater - was ist der beste Rat, den er Ihnen je gegeben hat?

Kidman: Er sagte: "Nic, nur du kannst auf dich acht geben." Das hat mich gelehrt für mich selbst und alles, was ich tue verantwortlich zu sein.


Seit der Trennung von Tom richtig unter Strom: Nicole Kidman

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Ricore: Zu den Oscars nahmen Sie Ihre Tochter Isabella mit - was meinte Sohn Connor dazu?

Kidman: Er war völlig zerstört, dass er nicht mitgehen durfte, aber ich sagte: "Du bist acht! Ich kann dich nicht mitnehmen." Und jetzt rennt er dauernd rum und fragt: "Wirst du wieder mal nominiert werden?"

Ricore: Bei der Ehrung der American Cinemateque, bei der Sie im November für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, durfte Connor ja mit, nicht wahr?

Kidman: ja, und er war so süß! Er trug den ganzen Abend lang eine Rose für mich und sagte immer: "Mami, ich bin so stolz auf dich!"

Ricore: Ist die Wahl der Filme schwieriger geworden nach dem Oscar? Haben Sie mehr Angst davor, dass die Rollen nicht anspruchsvoll genug sind?

Kidman: Nein, ich suchte meine Projekte immer nach der Qualität aus, auch wenn ich die Wahl sehr instinktiv traf. Ich fühle mich herausgefordert, nicht nur bei den Emotionen einer Rolle, sondern auch davon, was die Person, die ich spiele lernen muss. Für "Unterwegs nach Cold Mountain" musste ich Klavier spielen. Zum Glück hatte ich das als Kind gelernt, aber ich musste üben, weil Anthony Minghella wollte, dass ich Chopin spiele! Und ich bekam damit auch eine Rolle in einem Film über den Bürgerkrieg, was meinen Vater sehr freute, denn er ist ein Geschichtsnarr. Auf gewisse Weise ist dieser Film für ihn, genau wie ich "Moulin Rouge" für meine Mutter gemacht hatte, die immer wollte, dass ich mal singe und tanze in einem Film. Und nachdem ich vergessen habe, in meiner Oscar-Rede meinem Vater zu danken - was einfach das Letzte ist! - war ich froh, dass ich ihm mit "Cold Mountain" eine Freude machen konnte.


Schmachtet für Jude Law: Nicole Kidman

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Ricore: Wie war es, in Rumänien zu drehen? Einen Film, der in den amerikanischen Südstaaten spielt, ausgerechnet in Osteuropa zu machen?

Kidman: Dante Ferretti ist einer der begnadetsten Produktionsdesigner, die es gibt. Er baute alles von Grund auf. Rumänien hat eine Landschaft, die sehr an die Südstaaten erinnert. Aber alles andere - Häuser, Felder, Gemüsegärten - wurde von Grund auf für uns angelegt. Dante pflanzte Blumen, Obstbäume, Kartoffel, Mais, etc. Wir ernährten uns von diesen wunderbaren biologischen Nahrungsmitteln und lebten in dieser eigens kreierten Welt.

Ricore: Wurden Sie in Rumänien von den Paparazzi verschont?

Kidman: Ja, total! Ich war dort eine völlig andere Frau in dieser völlig anderen Welt. Ich sah aus wie eine Bäuerin, und das interessiert ja keinen. Außerdem filmten wir in einer totalen Einöde. Es war sehr schwer über holprige Sandstrassen gute vier Stunden von der nächsten Stadt dort überhaupt hin zu gelangen. Das tut sich nicht mal der ehrgeizigste Paparazzo an. Und die Rumänen waren unheimlich freundlich und nahmen uns gleich in ihrer Mitte auf.

Ricore: Sie sind dafür bekannt, dass Sie am besten sind und am liebsten arbeiten, wenn Sie eine Vater-Tochter-Beziehung mit ihren Regisseuren aufbauen. War das mit Minghella auch so?

Kidman: Anthony sagte zu mir: ich wollte dich für diese Rolle, weil sie zu dir passt. Ich will, dass du dich selbst spielst. Das ist das Schrecklichste was man zu einem wahren Schauspieler sagen kann, denn das letzte was ein Schauspieler weiß, ist wie er sich selbst spielen soll. Er versteckt sich selbst ja in Charakteren anderer Personen. Aber dann sagte Anthony: zeig mir dein Herz. Und das machte auf einmal Sinn. Ada, die Frau, die ich darstelle, hat eine sehr simple, geradlinige Einstellung zum Leben. Sie wartet auf den Mann, den sie liebt, weil sie an die Liebe glaubt, und daran, dass Liebe alles besiegt. Das bewundere ich an Ada: sie liebt diesen Mann und verspricht, dass sie auf ihn wartet, und das tut sie auch. Das ist heutzutage etwas sehr Seltenes! (lacht)

Ricore: Das Publikum wartet mit Ihnen - auf Jude Law. Aber dann kommt es nicht mal zu einer richtigen Liebesszene. Die wurde ganz keusch gedreht.

Kidman: Ja, aber die beiden haben einen außerordentlich langen Kuss! (lacht) Der zwingt sie und das Publikum in die Knie!

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