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Interview

Schauspieler und Synchronsprecher Moritz Bleibtreu
Auch außerhalb Deutschlands bekannt: Moritz Bleibtreu

Leidenschaft, Herzblut und harte Arbeit

Moritz Bleibtreu (32) ist nicht nur einer der wenigen echten deutschen Filmstars, auch in Übersee ist der gebürtige Münchner dank Filmen wie "Lola rennt" und "Das Experiment" kein Unbekannter mehr. Nun begibt er sich auf eine Abenteuerreise in den Nordwesten Amerikas - als deutsche Synchronstimme in "Bärenbrüder", dem 44. Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney. Wir trafen den Charakterschauspieler in Münchner Luxushotel Mandarin Oriental zum Interview.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de, 16. März 2004

Szene aus Bärenbrüder

Szene aus Bärenbrüder

Ricore: Moritz, ist "Bärenbrüder" eigentlich empfehlenswert?

Moritz Bleibtreu: Klar. Ich finde den Film sehr süß. Meiner Meinung nach orientiert er sich wieder mehr an der alten Erzählweise, als es noch keine Computeranimation in Kinderfilmen gab. Zeichnen von Hand finde ich ohnehin besser als diesen Computerpixelkram, den ich eh nicht verstehe. Ich mag es, wenn ich weiß, wie etwas gemacht wurde. Abstraktem kann ich nur schwer folgen.

Ricore: Die Kraft höherer Mächte ist wesentlicher Bestandteil der Geschichte. Bist du abergläubisch?

Bleibtreu: Kommt drauf an. Wenn es mir nicht so gut geht, sehe ich in jeder noch so geringen Kleinigkeit einen Hinweis. Aber sobald der Kummer verflogen ist, hört auch das wieder auf. Generell suche ich aber immer nach Zeichen, wenn ich unsicher bin - das gebe ich zu.

Ricore: Wie kamst du denn mit der Synchronarbeit zurecht?

Bleibtreu: Mir kam es vor wie Malen nach Zahlen. Es muss ja alles synchron zu den Lippen sein, improvisieren und variieren ist also fast unmöglich. Aber es war lustig. (setzt sich aufrecht hin) Ich habe mein Bärenkostüm und die Tatzen angezogen und mein Bestes gegeben. (lacht)

Moritz Bleibtreu gibt den Bären seine Stimme

Moritz Bleibtreu gibt den Bären seine Stimme

Ricore: Vor einigen Jahren warst du noch sehr froh darüber, auf der Straße meist unerkannt zu bleiben. Hat sich die Situation seitdem geändert?

Bleibtreu: Schon, inzwischen erkennt man mich öfter. Aber ich bin wirklich nicht der Typ, der sich über seine Berühmtheit beschwert. Es bleibt ja immer noch mir überlassen, wie viel ich von mir preisgebe. Ich kann Promis nicht verstehen, die zwar eine Homestory mit der "Gala" machen, sich aber andererseits darüber beschweren, dass ihr Privatleben breit geklopft wird.

Ricore: Trifft man in der Branche oft auf solche notorischen Quengler?

Bleibtreu: Es gibt viele, die ständig jammern: "Oh Gott, es ist so schrecklich, ich bin so berühmt, ach übrigens: Guck mal, die Schuhe haben sie mir umsonst gegeben." Ich finde das doof. Der Job bringt so viele Vorteile mit sich, also was bitte soll das? Man kann seine Intimsphäre immer schützen, wenn man nur will. Ich zumindest habe noch nie erlebt, dass ein Journalist unhöflich nachbohrt, wenn ich ihm auf die Frage, ob ich ihm etwas über meine Freundin erzähle, ein entschiedenes Nein präsentiere.

Ricore: Moritz, erzählst du mir was über deine Freundin?

Bleibtreu: (lacht) Nö. Weil: ich hab ja gar keine. (lacht)

Ricore: Auch gut. Zurück zum Thema. Wie findest du den aktuellen Trend, dass im Zuge des Castingswahns beinahe jeder berühmt werden kann?

Bleibtreu: Man kann nur etwas erreichen, wenn man es um der Sache Willen macht. Dazu gehören Leidenschaft, Herzblut und harte Arbeit. Und wenn man irgendwann mit Kakerlaken beworfen wird, dann stimmt da was nicht.

Die Bären sind los: Bärenbrüder

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Ricore: Schätzt Deutschland seine echte Prominenz zu wenig?

Bleibtreu: Mich interessiert das nicht. Ich versuche, gute Filme zu drehen und mich über das zu definieren, was wirklich zählt: das Schauspielen. Dann bin ich zufrieden.

Ricore: Einige deiner Filme waren über die deutschen Grenzen hinaus erfolgreich. Hast du durch Gespräche mit ausländischen Journalisten schon einmal neue Aspekte an einem Projekt entdeckt?

Bleibtreu: Klar. Tatsächlich ist die Wahrnehmung in den verschiedenen Kulturen und Ländern meistens sehr unterschiedlich.

Ricore: Wie war es bei "Das Experiment", für das du auch in Amerika kräftig die Werbetrommel gerührt hast?

Bleibtreu: Da haben mich die Amis bei jedem Interview aufs Neue gefragt, was ich denn von der Freizügigkeit im Film halte. Derweil wusste ich anfangs gar nicht, von was sie überhaupt sprechen. Außerdem musste ich immer wieder erklären, dass der Film zwar deutsch ist, aber trotzdem nichts mit dem Holocaust zu tun hat. Es wollte einfach nicht in ihren Kopf, dass diese Mechanismen sich in jedem Gefängnis, in jedem Staat, in jeder Diktatur abspielen können.

Bärige Abenteuer mit der Stimme von Moritz Bleibtreu

Bärige Abenteuer mit der Stimme von Moritz Bleibtreu

Ricore: In Moskau dagegen wurde der Film frenetisch gefeiert.

Bleibtreu: Das Interessante daran ist, dass dem russischen Publikum die Szene am besten gefallen hat, in der ich plötzlich einen Schraubenzieher aus dem Nichts zaubere. Was in anderen Ländern viele Zuschauer unlogisch fanden, war den Russen egal. Der unterdrückte Held rächt sich an den Bösen. (lacht) Das war die Aussage, die sie hören und sehen wollten.

Ricore: Was für Projekte stehen an?

Bleibtreu: "Vom Suchen und Finden der Liebe", der neue Film von Helmut Dietl. Außerdem habe ich gerade Oskar Roehlers "Agnes und seine Brüder" abgedreht. Beides sehr viel versprechende Projekte.

Ricore: Und dein geplantes Regiedebüt willst du uns verschweigen?

Bleibtreu: Du bist ja gut informiert. Das Drehbuch zu "Nichts geht mehr" schreibt ein guter Freund. Produziert wird das ganze übrigens von Fatih Akin und Corazón International. Wir stecken zwar erst in der Planungsphase und bis zum Dreh kann es noch dauern - aber der Film kommt. Definitiv. Versprochen!°
Johannes Bonke/Filmreporter.de - 16. März 2004

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