Interview
Mutter in Schwierigkeiten: Rebecca Romijn-Stamos
So richtig mädchenhaft süß
Rebecca Romijn-Stamos im Aufwind
Im Leben von Frauen gibt es eine seltsame Tatsache: je schlimmer es um das Privatleben steht, desto besser läuft der Job. Rebecca Romijn-Stamos legt für diese These einen weiteren Beleg vor. Frisch getrennt und demnächst wohl geschieden von Ehemann John Stamos, nennt sie privat nun ein Hündchen ihren Lieblingspartner. Beruflich sieht die Sache weniger traurig aus: das Ex-Model und MTV-Starlet spielt von Film zu Film besser. Allein in diesem Jahr wird sie in vier Projekten zu sehen sein. So etwa in "Godsend" und "The Punisher", in dem sie trotz Hauptdarsteller John Travolta locker zum Highlight avanciert.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  5. Juni 2004
Rebecca Romijn-Stamos mal ganz sanft in: The Punisher
Ricore: Das Mädchen, das Sie in "The Punisher" spielen, unterscheidet sich ganz wesentlich von Ihren bisherigen Rollen - war das der Reiz?

Rebecca Romijn-Stamos: Ja, es war total nett, einmal so richtig mädchenhaft süß sein zu dürfen - im Gegensatz zu den Weibern die ich bisher gespielt habe! (lacht) Und bei einigen kann man ja von Frauen gar nicht sprechen, "X-Men" etwa. Es war ein großer Anreiz, diese Mädchen zu spielen, das ohne Schminke rumrennt, und das hässlichste Kleid trägt, das ich je gesehen habe! Was übrigens nicht heißt, dass ich die anderen Rollen nicht mochte. Ich stehe sehr auf Mystique aus "X-Men". Sie ist total verdreht, kaputt und voll von Zorn, aber ich verstehe sie. "Femme fatale" war für mich der wunderbarste Film, an dem ich gearbeitet habe. Leider wurde er unterbewertet. Aber "The Punisher" und auch die Rolle der Ehefrau und Mutter, die ich in "Godsend" spiele, waren eine großartige Abwechslung. Privat bin ich ja nicht glamourös, und ich wollte einfach nicht für den Rest meiner Karriere die Sexy Hexi spielen.

Ricore: Wie sehen Sie sich selbst?

Romijn-Stamos: Ich bin eine sehr selbstsichere Person, die sich in ihrer Haut sehr wohl fühlt. Ich bin von Natur aus ein glücklicher Mensch, habe sehr tiefe Wurzeln, gute Freunde und habe mich nie ungeliebt gefühlt. Meine Zufriedenheit hat aber nichts mit meinem Aussehen zu tun, obwohl ich denke, dass sie sich darauf auswirkt. Man sieht immer so aus wie man sich fühlt.

Ricore: Sie hatten keine einzige Szene mit John Travolta in "The Punisher" - sind Sie enttäuscht?

Romijn-Stamos: Und wie! Ich hatte nicht nur keine einzige Szene mit ihm, ich habe ihn auch nie kennen gelernt! Aber ich höre, er ist sehr nett! (lacht)

Ricore: Ihr nächster Film "Godsend" hat ein interessantes Thema...

Romijn-Stamos: Ja, es geht um das Klonen. Ich spiele eine Mutter, deren Sohn verunglückt. Mein Mann (gespielt von Greg Kinnear) und ich finden einen Arzt, (Robert De Niro), der uns die Möglichkeit eröffnet unser totes Kind klonen zu lassen. Ich bin so gebrochen über den Verlust meines Sohnes, dass ich die Nebenaspekte dieses Experiments völlig außer acht lasse. Für mich war die Rolle mal abgesehen von Robert DeNiro eine Riesenherausforderung, auch weil ich selbst kein Kind habe.

Ricore: Wird es ein "X-Men", Teil 3 geben?

Romijn-Stamos: Ich höre da auch nur alle möglichen Gerüchte. Jemand sagte, dass Bryan Singer vor "X-Men 3" noch einen anderen Film machen wollte, doch dann hörte ich vom Produzenten, dass wir doch noch vor Ende des Jahres mit den Dreharbeiten beginnen würden. Ich glaube allerdings nicht, dass Bryan darüber besonders glücklich ist. Natürlich ist mir klar, dass das Publikum diese Serie liebt und auf einen dritten Film wartet. Und auch wir Schauspieler haben immer jede Menge Spaß beim Dreh.
Nach der Modelkarriere jetzt fest im Filmbusiness etabliert
Ricore: Die meisten "X-Men"-Darsteller sind inzwischen weltberühmt - haben die denn alle Zeit?

Romijn-Stamos: Einige von uns haben sich ja schon vertraglich für einen dritten Teil verpflichtet. Alan Cumming, ich selbst und Hugh Jackman ganz sicher.

Ricore: Sind Sie inzwischen zur Expertin geworden, was Comics- rollen betrifft?

Romijn-Stamos: Ich war immer ein Fan von Comics. Ich gehöre zur Generation, die mit "Star Wars" und "Jäger des verlorenen Schatzes" und "Superman" aufgewachsen ist. Ich liebe diese Heldenfantasien. Ich kaufe auch diese ganzen Geschichten. Das ist natürlich eine wunderbare Flucht, aber ich glaube, gerade in der heutigen Zeit brauchen wir das.

Ricore: Sie werden dieses Jahr noch ein Film drehen - worum geht's da?

Romijn-Stamos: Es ist ein ganz kleiner Film, den wir in ein paar Wochen abdrehen werden. Andy Fleming hat das Drehbuch geschrieben und wird Regie führen. Eine romantische Komödie über einen Haufen Leute, die in Gruppentherapie sind, weil sie alle möglichen sexuellen Fetische haben. Ich spiele eine Frau, die sich dauernd wegen Verkehrsübertretungen stoppen lässt, weil sie die Cops verführen will. Das gelingt ihr aber nicht, und sie kriegt nur ununterbrochen Strafzettel. In der Therapie trifft sie einen Typen, der verhaftet wurde, weil er in das Haus von Miss America eingebrochen war und ihre Schuhe geleckt hat. Und die beiden versuchen trotz ihrer Fetische eine normale Beziehung zu haben. Es ist sehr witzig. Ich hoffe auf einen Oscar! (lacht)

Ricore: Vom Model zur Schauspielerin ist heute fast schon ein Klischee. Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Romijn-Stamos: Modeln ist mir ja nur passiert, Schauspielerin wollte ich schon vorher werden. Aber das traute ich mich ja nie laut sagen während ich gemodelt habe, denn jedes Model redete ununterbrochen davon, das es ins Schauspiel wechseln wollte. MTV hat mir dann diese Türen geöffnet. Und das war ein Riesenglück, denn mir war entsetzlich langweilig. Modeln ist die todlangweiligste und dümmste Beschäftigung der Welt. Ich habe es schon vor sieben Jahren aufgegeben.

Ricore: Warum haben Sie überhaupt damit begonnen?

Romijn-Stamos: Weil ich reisen wollte und Geld brauchte. Der größte Witz dabei ist, dass ich damals wie heute nicht wusste, wie man sich schminkt oder frisiert. Ich habe also durchs Modeln nicht einmal das gelernt! (lacht)
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  5. Juni 2004
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