Ulrich Blanché/Ricore Medien
Paul Frielinghaus in München
Ein Fall für Nummer Zwei
Interview: Partner Paul Frielinghaus
In Kürze ist Paul Frielinghaus der dienstälteste Anwalt mit den meisten Folgen bei "Ein Fall für Zwei". In der Wahrnehmung der Zuschauer ist er immer noch der Neue. Frielinghaus nimmt's sportlich und unterhielt sich mit uns über seine Vorliebe für Musik, die auch in die Figur des Dr. Markus Lessing einging. Er erzählt zudem, wie es kommt, dass er schwäbisch zu sprechen vermag und wie er einst bei "Jugend forscht" gewann.
erschienen am 23. Juni 2009
Ulrich Blanché/Ricore Medien
Claus Theo Gärtner und Paul Frielinghaus in München
Ricore: Sie gelten immer noch als der Neue bei "Ein Fall für Zwei". Wie gehen Sie damit um?

Paul Frielinghaus: Ich finde es lustig, dass ich das oft gefragt werde. Nach der Sommerpause bin ich mit über 90 Folgen der Dienstälteste Anwalt der Serie. Ich habe zudem die Textreichste Rolle der Serie. Spielt man "Ein Fall für Zwei", ist die zehnte, 20. oder 50. Folge nie ein Thema, weil Klaus-Theo immer schon 210, 220 oder 250 Folgen hat. Ich habe einfach Pech. Aber das ist nicht schlimm.

Ricore: Wie hat sich Ihre Figur des Anwalts in den letzten Jahren geändert?

Frielinghaus: Es gab keine kontinuierliche Veränderung. Er ist von Anfang an so gezeichnet, wie wir ihn heute erleben. Wir haben leider schon länger nicht mehr erzählt, dass er auch ein Musik-Faible hat und manchmal zum Kontrabass greift, um Jazz zu spielen. Aber das wird sicher irgendwann reaktiviert. Nur haben wir leider nicht die Möglichkeit, zu viel Privates der ermittelnden Figuren zu zeigen. Dafür werden unterschiedliche Fälle präsentiert. So kommt Markus Lessing oft in eine innerliche Bredouille, weil sein Fall gegen seine idealistische Vorstellung verstößt. Aber ein Anwalt darf nicht gegen seinen Mandanten arbeiten, selbst wenn er der Mörder ist.

Ricore: Sie haben Lessings Faible für Musik erwähnt. Sie selbst spielen auch Instrumente, nicht wahr?

Frielinghaus: Ich spiele Cello, seit ich elf Jahre alt bin, und Gitarre. Ich mache das sogar heute noch.
Universal
Ein Fall für Zwei
Ricore: In welcher Form?

Frielinghaus: Ein Freund aus Berlin hat dies ins Leben gerufen hat. Seit zwei, drei Jahren machen wir sonntags Musik und improvisieren ein bisschen.

Ricore: Geht diese ins Klassische?

Frielinghaus: Das ist am ehesten mit Free-Jazz zu vergleichen, manchmal poppig, manchmal rockig. Das entsteht spontan an dem Nachmittag.

Ricore: Treten Sie auf?

Frielinghaus: Wir haben mal in einer Berliner Kirche gespielt und werden es demnächst sogar wieder tun, in Kreuzberg.

Ricore: Wie nennt sich die Gruppe?

Frielinghaus: Wir haben keinen Namen. Wir nennen das "General Cluster" - nein, das war bloß ein Scherz! Wir sind nie wirklich als Gruppe aufgetreten. Es war bloß ein Experiment, um zu sehen, wie es bei den Zuhörern ankommt. Es ist ja auch bloß ein Hobby.

Ricore: Sie werden dieses Jahr 50 Jahre alt. Wie lange sehen Sie sich noch als Herrn Dr. Lessing?

Frielinghaus: Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass es so lange geht. Ich habe mich natürlich in dieses Format auch ein bisschen verliebt. Der Schauspielberuf wird meistens von der Frage begleitet, wie lange der Erfolg anhält. Ich weiß von guten Kollegen, dass sie Leerlauf-Phasen haben. Darauf eine Weile zu verzichten, ist natürlich toll, das genieße ich. Aber es gibt mir auch die Sehnsucht nach etwas anderem. Ich habe gerade in "Küstenwache" und "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" mitgespielt. Meine Agentur in München ist guter Dinge, was neue Projekte betrifft. Natürlich habe ich nicht sehr viel Zeit und kann nur kleine Rollen übernehmen, aber dafür öfter.
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Claus Theo Gärtner und Paul Frielinghaus in München
Ricore: Wie stark sind Sie pro Jahr eingespannt?

Frielinghaus: Ich bin zehn Monate pro Jahr ziemlich absorbiert. Aber zwischen zwei Folgen gibt es immer eine Vorbereitungswoche. Die Firma sucht neue Locations und Darsteller, wir lesen, analysieren und lernen das neue Buch. In so einer Woche lässt sich auch noch anderes einbauen. Und eine Sommer- und Winterpause gibt es auch, in der nicht so viel gedreht wird.

Ricore: Wie hat sich die Fernsehlandschaft geändert? Sind die Drehzeiten kürzer geworden?

Frielinghaus: Wir haben einen Drehtag weniger als früher.

Ricore: Wie viele sind es jetzt?

Frielinghaus: Manchmal 14, manchmal 13. Aber wir sind im Vergleich zu anderen Produktionsfirmen noch gut bestellt. Wir können uns nicht beschweren.

Ricore: Wo wir bei Nebenprojekten sind: Wie ist es mit Theater?

Frielinghaus: Das ist im Moment nicht machbar. Ich habe in den letzten Jahren ein paar Lesungen gemacht, zum Beispiel ein Abend "Text und Musik" mit lateinamerikanischer Musik und argentinischen Schriftstellern wie Jorge Luis Borges. Aber die Zeit ist knapp. Theater fällt aus dem Grund völlig flach, weil man dafür eine lange Probenzeit einbauen muss. Ich habe in meinem Leben acht Jahre fast ausschließlich Theater gespielt und hoffe, dass ich es irgendwann wieder machen kann.

Ricore: Vermisst Dr. Lessing seine alte Sekretärin?

Frielinghaus: Ja, unbedingt. Renate Kohn war eine Kollegin, die wir alle sehr geschätzt haben. Sie brachte eine mütterliche Farbe in die Kanzlei. Wir haben viel diskutiert, als plötzlich die Rede davon war, die Serie zu modernisieren und klar wurde, dass damit die Sekretärin gemeint war. Damit war ich zunächst nicht einverstanden, unter anderem, weil ich ein treuer Mensch bin. Aber ich habe eingesehen, dass die Kanzlei mit einer pfiffigeren und mit modernen Kommunikationsmitteln vertrauten Sekretärin zeitgemäßer wird. Caroline Grothgar ist mal koboldhaft, mal bezaubernd hübsch. Sie macht das gut. Aber das Betuliche ist jetzt verschwunden.
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Claus-Theo Gärtner in München
Ricore: Sie hatten vor nicht allzu langer Zeit eine Tropenkrankheit. Stimmt das?

Frielinghaus: Ja, das ist richtig.

Ricore: Woher haben Sie die?

Frielinghaus: Wenn ich das wüsste! Ich bin gern in ferne Länder gereist. Zehn Mal war ich in Brasilien. Ich spreche gut portugiesisch. Aber ich war auch in Senegal und man ahnt nicht, dass man sich manchmal etwas mitbringt, was man gar nicht bemerkt: Parasiten. Eine Amöbe hat sich in meiner Leber eingenistet und hätte mich fast ins Jenseits befördert, weil ich zunächst falsch behandelt wurde. Jetzt bin ich geheilt. Mein Tipp an Tropenreisende: Geht nach der Reise ins Tropen-Krankenhaus und lasst euch checken!

Ricore: Stimmt es, dass Sie schwäbischen Dialekt sprechen? Wo haben Sie das gelernt?

Frielinghaus: Ich hatte eine schwäbische Mutter - aus Stuttgart. Ich bin aber nicht in Schwaben aufgewachsen. Als Kind habe ich viel Schwäbisch gehört und könnte das auch einsetzen. Aber ich bin in Hessen aufgewachsen. Allerdings habe ich eine Dialekt-Begabung.

Ricore: Sie haben den fünften Platz fünf bei "Jugend Forscht" belegt. Was haben Sie erforscht?

Frielinghaus: Das ist nun schon einige Jahre her. Damals schaffte sich mein Gymnasium einen Computer an, das war etwas Besonderes. Ein PC, der richtig zu benutzen war, kostete zu jener Zeit 70.000 DM. Man musste ihn damals selbst programmieren. Wir Schüler waren fasziniert. Ich wurde ein Programmier-Freak und habe ein Spiel entwickelt, wo man sozusagen gegen den Computer antritt. Ein Jahr lang habe ich daran gebastelt. Dann habe ich gehört, dass sich Jugendliche mit einem Computerspiel bei "Jugend Forscht" beworben haben. Das habe ich dann auch gemacht. Siehe da, ich wurde Regionalsieger Marburg, Landessieger Hessen und Bundessieger in Mathematik, Informatik! Ricore: Beeindruckend.

Frielinghaus: Ich wollte übrigens nie Informatiker werden. Eigentlich wollte ich Biologie studieren und Wissenschaftler werden. Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung von meinem Leben.

Ricore: Hat sich der Biologie-Wunsch im Privaten fortgesetzt?

Frielinghaus: Nein, obwohl ich Natur-Liebhaber bin. Ich programmiere heute auch nicht mehr, sondern sitze mit meinem Notebook da wie jeder Anfänger auch.
erschienen am 23. Juni 2009
Zum Thema
Obwohl Paul Frielinghaus eigentlich Biologe werden will, entscheidet er sich für den Schauspielberuf. Nach dem Studium in Hannover spielt er am Stadttheater Würzburg. 1988 zieht Frielinghaus nach Berlin und wird unter anderem an der Volksbühne engagiert. Anfang der 1990er Jahre kommt er zum Fernsehen. Einem breiteren Publikum ist er bekannt als Lehrer in der ARD-Serie "Nicht von schlechten Eltern" und als Anwalt Dr. Markus Lessing in der ZDF-Serie "Ein Fall für Zwei".
Neben dem Tatort ist "Ein Fall für zwei" die langlebigste Krimi-Serie im Deutschen Fernsehen. In über 190 Folgen ermittelt Claus Theo Gärtner als Privatdetektiv Josef Matula für die im Lauf der Jahre mehrfach wechselnden Anwälte. Die Ermittlungen reichen von Ehebruch über Erpressung bis hin zu Mord. Immer ist der etwas raubeinige Matula der Key zum Erfolg.
2022