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Interview

Shia LaBeouf auf der Berliner Premiere von "Transformers - Die Rache"

Paramount Pictures

"Killerinstinkt geweckt"
Shia LaBeouf liebt Transformer
Für "Transformers - Die Rache" schlüpft Shootingstar Shia LaBeouf ("Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") erneut in eine Actionrolle, die das Durchsetzungsvermögen des 23-Jährigen unter Beweis stellt. Seit seinem zwölften Lebensjahr ist der gebürtige Kalifornier im Showgeschäft - zu Beginn nur, um seiner bankrotten Familie finanziell unter die Arme zu greifen. Wir sprachen mit dem charismatischen Aufsteiger in Berlin über seine vermeintliche Härte, schmerzvolle Kindheitserfahrungen und wieso er den Kontakt zu gleichaltrigen Kollegen meidet.
Von  Syd Thompson/Filmreporter.de,  1.07.2009
Transformers - Die Rache

Paramount Pictures

Ricore: Shia, was zum Teufel ist an Robotern eigentlich so faszinierend?

Shia LaBeouf: Ganz einfach: Menschen sind in ihren Fähigkeiten eingeschränkt, doch in der Technologie gibt es keine Grenzen.

Ricore: Wann wurden Sie zum Transformers-Fan?

LaBeouf: Als Kind der 1980er-Jahre bin ich damit groß geworden. Sie waren ja immerhin die männlichen Barbies der Zeit.

Ricore: Auch Autofans kommen in dem Actionstreifen auf Ihre Kosten. War Ihr erster Wagen genauso spektakulär?

LaBeouf: Ich komme aus einer jüdischen Familie, daher habe ich mein erstes Auto, einen schwarzen Volvo Sedan, bei einer Bar Mizwa ersteigert. Es war, um es milde auszudrücken, eine echte Schrottkarre. Es war mir ziemlich peinlich, damit herumzufahren, aber zumindest war die Kiste einigermaßen sicher.

Ricore: Haben Sie das Ding zumindest ein bisschen verschönert? Verdient haben Sie ja bereits seit Ihrem 12. Lebensjahr sehr gut...

LaBeouf: Ich habe fast mein gesamtes Erspartes in den Wagen gesteckt, um ihn ein wenig aufzumotzen. Die Stereo Anlage und der eingebaute Fernseher haben mich allein 3.000 Dollar gekostet. Verrückt!


Shia LaBeouf in "Transformers - Die Rache"

Paramount Pictures

Ricore: Warum will man mit zwölf Jahren eigentlich Schauspieler werden?

LaBeouf: Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen. Deshalb ging es mir in erster Linie darum, meine Familie finanziell zu unterstützen. Außerdem war ich neidisch auf Kids, die all diese coolen Sachen besaßen, die ich mir nicht leisten konnte. Erst später, als ich mit Jon Voight drehte und er mich in die wahre Schauspielkunst einwies, haben sich meine Ansprüche verlagert.

Ricore: Wie ehrgeizig sind Sie heute?

LaBeouf: Außerordentlich!

Ricore: Können Sie dann überhaupt mit gleichaltrigen Schauspielkollegen Zeit verbringen?

LaBeouf: Nein, ich sehe sie in erster Linie als Konkurrenz. Ich spiele bei Castings nicht den freundlichen Sonnyboy, sondern versuche mit allen Methoden, meine Mitstreiter aus dem Konzept zu bringen. Schließlich kämpfen wir alle um dieselbe Sache. Wenn es ums Business geht, wird mein Killerinstinkt geweckt. Ich kenne da kein Pardon.

Ricore: In welchem Verhältnis stehen Sie zu Steven Spielberg oder Harrison Ford, die ja maßgeblich an Ihrem Erfolg beteiligt waren?

LaBeouf: Sie sind nicht nur gute Kumpels, sondern auch Mentoren für mich. Sie können mir Kraft Ihrer Lebenserfahrung mehr beibringen als jedes Lehrbuch. Sie sind schonungslos ehrlich zu mir, das schätze ich sehr.


Transformer-Kostars Shia LaBeouf und Megan Fox

Paramount Pictures

Ricore: Man bezeichnet Sie als Shootingstar. Gefällt Ihnen das?

LaBeouf: Ich fühle mich nicht wie ein Star. Ich kann mich noch frei bewegen, ohne dass mich gleich jemand anquatscht. Ganz im Gegensatz zu meiner Kollegin Megan Fox: ihr sieht man schon von weitem an, dass sie eine absolut außergewöhnliche Erscheinung ist. Ich dagegen bin eher der Typ von nebenan, völlig durchschnittlich.

Ricore: Kommen Sie schon: ein bisschen mehr Selbstvertrauen!

LaBeouf: Ich bin ein sehr unsicherer Mensch, auch wenn ich nach außen hin vielleicht anders wirke.

Ricore: Wie gehen Sie dann mit dem medialen Interesse an Ihrer Person um?

LaBeouf: Wenn man jünger ist und frisch in die Branche einsteigt, verhält man sich naiv und unbeholfen. Mit der Zeit lernt man, dass die ganze Sache nichts mit einem selbst zu tun hat und dass es alleine auf die Präsentation ankommt. Es ist so ähnlich wie bei einem geschickten Geschäftsmann, der jemandem eine gebrauchte Karre verkaufen möchte.

Ricore: Ob Sie es wollen oder nicht: Sie wirken mit Ihren jungen Jahren bereits sehr erwachsen.

LaBeouf: Ich bin 23 Jahre alt und mache wohl gerade meine Selbstfindung durch. Ähnlich wie bei "Siddhartha".


Shia LaBeouf mit Fans in Berlin

Paramount Pictures

Ricore: Sind Sie ein Fan von Hermann Hesse?

LaBeouf: Aber klar doch. "Siddhartha" ist wohl sein berühmtestes Werk, also quasi "Der Fänger im Roggen" unter seinen Büchern. Ich mag aber auch "Die Verwandlung" von Franz Kafka.

Ricore: Apropos Kafka: viele Hollywoodstars sagen, dass eine harte Kindheit eine wesentliche Vorraussetzung für eine Karriere als Schauspieler ist. Würden Sie das bestätigen?

LaBeouf: Man muss ein gewisses Leid in sich tragen, das zu verarbeiten ist. Die größten Kunstwerke stammen oft von unterdrückten Menschen.

Ricore: Sprechen Sie nun von sich selbst?

LaBeouf: Sagen wir es mal so: ich habe schon eine ganze Menge Schmerz durchlebt.

Ricore: Hat eine Frau Ihr Herz gebrochen?

LaBeouf: Davon spreche ich in diesem Fall nicht, eher von den Wunden meiner Kindheit. Es war mein Vater, der mein Herz gebrochen hat.

Ricore: Hilft die Schauspielerei Ihnen, diese Erfahrungen zu verarbeiten?

LaBeouf: Das könnte man so sagen. Es ist gut, ab und zu laut zu schreien und alles herauszulassen.
Von  Syd Thompson/Filmreporter.de,  1.07.2009

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