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Interview

Matthias Brandt
Eurovideo

"Natur spielt eine große Rolle"

Matthias Brandt mag das Meer
Matthias Brandt spricht in der Meeresdokumentation "Unsere Ozeane" den deutschen Kommentar. Nach "Nomaden der Lüfte" und "Mikrokosmos" verschreibt sich Regisseur Jacques Perrin diesmal den Tiefen der Ozeane und versucht, ein Bewusstsein für die Vergänglichkeit und Schutzbedürftigkeit der Meeresbewohner zu schaffen. Wir sprachen mit dem Schauspieler über Umweltschutz, Fischfang, Beruf und Alltag.
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  25. Februar 2010
Unsere Ozeane
Universum Film
Unsere Ozeane
Ricore: Welche Meeresbewohner liegen Ihnen besonders am Herzen?

Matthias Brandt: Ich mag Delfine. Besonders seit ich sie in der freien Natur erlebt habe. Das war schon beeindruckend.

Ricore: Was hat Sie an dem Film noch gereizt?

Brandt: Dieser Unterwasser-Kosmos ist ja unerforschter, als das Weltall. Der Film bringt mir diese unbekannte Welt in opulenten Bildern näher.

Ricore: Inwiefern kann "Unsere Ozeane" auch ein Bewusstsein für den Schutz der Meere schaffen?

Brandt: Der Film geht den Weg über die Schönheit der Bilder. Vielleicht bringt uns das zum Nachdenken darüber, dass dies nicht selbstverständlich ist und wir auf dem besten Weg sind, sie zu vernichten. Wenn es mit der industriellen Ausbeutung so weiter geht, dann wird das, was wir in dem Film sehen, in absehbarer Zeit nicht mehr existieren. Insofern schafft der Film Bewusstsein. Ganz klar.

Ricore: Was kann Ihrer Meinung nach der Einzelne für die Umwelt und den Erhalt der Meere tun?

Brandt: Ich glaube, wir können über unser Konsumverhalten, insbesondere unseren Fischkonsum, Einfluss nehmen. Wir könnten Arten unterscheiden, die wir bedenkenlos essen können und Arten, mit deren Konsum man ihre Ausrottung fördert. Das ist vom Konsumenten zu beeinflussen. Die großen Weichenstellungen müssen von anderen Leuten ausgehen. Von Leuten, die auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen jämmerlich versagt haben. Trotzdem ist es wichtig, für diese Fragen ein breiteres Bewusstsein zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist ein Film wie "Unsere Ozeane" sehr sinnvoll.


Die Frau, die im Wald verschwand
Eurovideo
Die Frau, die im Wald verschwand
Ricore: Was machen Sie persönlich für den Umweltschutz?

Brandt: Ich bin kein Heiliger, aber ich versuche, mit einem vernünftigen ökologischen Bewusstsein mein Leben zu leben und nicht mehr kaputt zu machen als schon kaputt ist. Das ist manchmal schon schwer genug. Ich bin aber in keiner Organisation eingebunden.

Ricore: Glauben Sie, dass die Menschheit den Planeten einmal zugrunde richten wird?

Brandt: Eine Antwort auf die Frage nach der Apokalypse traue ich mir nicht zu. Es gibt ja schon eindeutige Anhaltspunkte für konkrete Entwicklungen. Da muss man kein Prophet sein, um Dinge vorauszusehen. Wenn wir in bestimmten Dingen so weitermachen, ist dieser Ort nicht mehr bewohnbar. Das übersteigt vielleicht meine persönliche Lebenserwartung, aber ich bin ja auch Vater einer Tochter und muss mich um die kommende Generation kümmern.

Ricore: Durch die Übernutzung der Gewässer durch die Fischfangindustrie wird die Umweltzerstörung auch zu einem ökonomischen Problem. Was könnte in dieser Hinsicht die Politik machen?

Brandt: Es gibt natürlich die Möglichkeit, durch strengere Fangquoten und Kontrollen dieses Verhalten zu beeinflussen. Das Bedrohliche ist ja, dass der Fischfang industrialisiert ist und dadurch in der Lage ist, einen Kahlschlag anzurichten wie noch nie zuvor. Das sind ja schwimmende Fischfabriken auf den Meeren, die durch Ultraschall und Radar fähig sind, Fischschwärme exakt zu orten und auszulöschen. Hier gibt es technische Möglichkeiten, die davor nicht bestanden haben und auf die reagiert werden muss. Es geht hier nicht um die kleinen Fischerboote mit ihren Netzen.

Ricore: Würden Sie sich als politischen Menschen bezeichnen?

Brandt: Ich denke schon. Ich habe aber früh für mich entschieden, das nicht an die große Glocke zu hängen. Natürlich bin ich gesellschaftlich und politisch interessiert.


Ausschnitt aus dem faszinierendem Film "Unsere Ozeane"
Universum Film
Ausschnitt aus dem faszinierendem Film "Unsere Ozeane"
Ricore: Erwarten die Menschen eine bestimmte politische Haltung von Ihnen, weil Ihr Vater Politiker war?

Brandt: Das ist mir ehrlich gesagt egal. Erwartungen werden nicht erfüllt.

Ricore: Sie erwähnten eben Ihre Tochter. Wie vermitteln Sie Ihr Dinge wie ökologisches Bewusstsein?

Brandt: Das hat eher was mit dem täglichen Leben zu tun. Mir wurde aufgrund meiner norwegischen Mutter die Naturverbundenheit in die Wiege gelegt. Natur ist grundsätzlich sehr wichtig für mich. Man vermittelt Kindern Inhalte eher dadurch, dass man sie ihnen vorlebt, weniger durch Lehrvorträge. Das geschieht ganz natürlich.

Ricore: Verbringen Sie viel Zeit in der Natur?

Brandt: Ja, schon. In meinem Beruf habe ich eher mit künstlichen Welten zu tun. Das Leben in der Natur ist ein wichtiger Kontrast. Natur spielt eine große Rolle.

Ricore: Wann waren Sie das letzte Mal am Meer?

Brandt: Zuletzt zum Jahreswechsel auf Sylt.


Matthias Brandt
sperl+schott Filmproduktion
Matthias Brandt
Ricore: Als Schauspieler haben Sie ein relativ hohes Arbeitspensum. Wie ist ihr Beruf mit der Freizeit zu vereinbaren?

Brandt: Das ist einfach ein anderer Turnus, als ihn die meisten Leute haben. Ich bin nicht von neun bis fünf im Büro. Ich habe Phasen, in denen ich sehr viel arbeite, etwa 15 bis 16 Stunden, und weit weg von zuhause bin. Aber ich achte auch darauf, dass es Phasen gibt, in denen ich genug Zeit für die Familie habe und wieder Abstand nehme. Der Rhythmus in meinem Beruf ist einfach ein anderer. So wie bei einem Seemann.

Ricore: Schöner Vergleich. Wie schaffen Sie den Ausgleich? Was machen Sie in Ihrer Freizeit, um abschalten zu können?

Brandt: Ich mache ganz alltägliche Dinge. Wenn man in dieser Filmwelt lebt, besteht die größte Herausforderung darin, in den Alltag zurückzukehren. Es geht nicht darum, ununterbrochen Bücher zu lesen oder Musik zu hören. Die Anforderung ist, sich wieder in den Familienalltag einzugliedern und ein völlig normales Leben zu leben.

Ricore: Ist es dann bei schwierigen Rollen nicht schwer, nach dem Dreh Sie selbst zu sein? Hängt das nicht lange nach?

Brandt: Es gibt sehr anstrengende Arbeiten aber ich habe meinen Beruf sehr intensiv gelernt. Bevor ich zum Film kam, habe ich lange Zeit Theater gespielt. Da lernt man sein Handwerk. Die Rolle von der eigenen Person nicht auseinander halten zu können, ist ein Märchen. Da glaube ich nicht dran. Ich kann Rolle und Privates schon ganz gut unterscheiden.

Ricore: Hatten Sie schon immer den Wunsch, Schauspieler zu werden?

Brandt: Wann fängt "immer" an? Als ich mit der Schule fertig war, habe das ziemlich zielstrebig verfolgt und meine Ausbildung an der Akademie gemacht. Ich arbeite ja auch schon sehr lange.


Matthias Brandt und seine Kollegin 	Karoline Eichhorn in "Die Frau, die im Wald verschwand"
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Matthias Brandt und seine Kollegin Karoline Eichhorn in "Die Frau, die im Wald verschwand"
Ricore: Gab es einen ausschlaggebenden Moment, zu dem Sie rückblickend sagen können "Da entschloss ich mich, Schauspieler zu werden"?

Brandt: Ich weiß von Kollegen, dass sie diesen Punkt benennen können. Ich kann das nicht. Ich glaube, die Schauspielerei ist eine Sache für die man sich immer wieder entscheiden muss. Das ist nicht einmal so bestimmt und gilt dann für alle Zeiten. Das Schöne daran ist ja, dass jede Arbeit eine neue Herausforderung ist. Im positivsten Fall - und das meine ich ganz ehrlich - ist man sich nie sicher, ob man sie auch besteht.

Ricore: Was hätten Sie gemacht, wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte?

Brandt: Keine Ahnung. Das ist eine hypothetische Frage. Ich hätte sicher irgendetwas anderes Interessantes gemacht.

Ricore: Welche Filmprojekte stehen als nächstes bei Ihnen an?

Brandt: Ich werde im Frühsommer anfangen, meine erste Folge für den Münchner Polizeiruf 110 zu drehen. Dort übernehme ich ab 2010 den Kommissar.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  25. Februar 2010

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