Interview: Feo Aladag zu Die Fremde | FILMREPORTER.de
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Interview

Feo Aladag
Feintuning der menschlichen Seele

Feo Aladag will Grenzen einreißen

Die in Wien geborene Feo Aladag arbeitete für die Kampagne "Gewalt gegen Frauen" von Amnesty International. Bei ihren vielen Recherchen blieb offenbar etwas hängen. So viel, dass sie sechs Jahre auf ihr Spielfilmdebüt "Die Fremde" hinarbeitete. Sechs Jahre, in denen sie kaum ein Privatleben hatte, bis zu 18 Stunden am Tag arbeitete und nichts verdiente. Mit uns sprach die sympathische Regisseurin über die Hürden des Filmemachens. Als wir über die Grenzen im Kopf sprechen, blüht sie so richtig auf.

Die Fremde

Die Fremde

Ricore: Kann "Die Fremde" zu mehr Verständigung zwischen den Kulturen beitragen?

Feo Aladag: Ich würde mir natürlich wünschen, dass unser Film einen kleinen Beitrag dazu leistet, dass ein Dialog angestoßen und weiter geführt wird. Dieser ist zwischen einer Mehrheitsgesellschaft und ihren Minderheiten extrem notwendig. Gerade auch hier in Deutschland.

Ricore: Gibt es Ihrer Meinung nach ein Rezept für ein friedliches Zusammenleben?

Aladag: Empathie. Ein offener Blick auf den anderen. Akzeptanz. Das Suchen nach Gemeinsamkeiten, anstatt auf Unterschiede zu beharren. Zu sehen, wo ähneln wir uns, welche Bedürfnisse, welche Ängste und Wünsche haben wir. Wir begnügen uns oft damit zu sagen, ich bin so und du bist anders. Oftmals geschieht die Definition der eigenen Identität über die Ablehnung der anderen. Das kann kein Weg sein. Nur wenn wir einen Dialog führen, den anderen ernst nehmen, ihm das Gefühl geben, willkommen zu sein, können wir auf Augenhöhe tabulos Dinge ansprechen, die schief laufen, die verbesserungswürdig sind. Aber wir müssen uns auch gegenseitig mit großer Akzeptanz und Offenheit begegnen. Manchmal bedarf es eben einer nach vorne gerichteten Bewegung.

Ricore: Wie sind Sie an das Thema herangegangen?

Aladag: Ich habe sechs Jahre an diesem Film gearbeitet. In der Vorbereitungszeit habe ich unglaublich viele Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen geführt. Dadurch erschließt sich einem die Welt, die man erzählt. Dafür muss man vor allem Fragen stellen und gut zuhören.

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