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Interview

Andrea Sawatzki

20th Century Fox

"Wahrscheinlich sind es die roten Haare"
Füchsin Andrea Sawatzki
Seit Andrea Sawatzki ihre Rolle als Ermittlerin im HR-Tatort abgegeben hat, ist ihr Lebensgefährte Christian Berkel der Kommissar im Haus. Gemeinsam nahmen sich die beiden die Synchronrollen in Wes Andersons Animationsfilm "Der fantastische Mr. Fox" zur Brust. Im Interview erzählt Sawatzki, warum sie lieber vor der Kamera als vorm Mikrofon steht, wie das Schauspielerpaar den Alltag mit zwei Kindern bewältigt und warum beide Eheringe, aber keinen Trauschein haben.
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  12.05.2010
Andrea Sawatzki im Synchronstudio

20th Century Fox

Ricore: Wie hat man Sie überredet, Mrs. Fox zu sprechen?

Andrea Sawatzki: Christian Berkel und ich sind beide große Wes Anderson-Fans. Als wir gehört haben, er würde einen Animationsfilm machen, hatten wir große Lust, dabei zu sein. Normalerweise machen wir keine Synchronarbeit. Bei solchen Figuren macht das aber sehr viel Spaß und natürlich war auch die Tatsache für uns sehr wichtig, dass dieser Film im Amerikanischen von Meryl Streep und George Clooney eingesprochen wird.

Ricore: Hat es auch etwas damit zu tun, dass Sie zwei gemeinsame Kinder haben und dass Sie für Ihre Kinder einen Film machen wollten?

Sawatzki: Das hat sicher auch damit zu tun. Aber uns hat einfach die Geschichte sehr gut gefallen. Natürlich dachten wir daran, dass es den Kindern sowohl gefallen als auch gut tun würde, so einen Film zu sehen. Er ist sehr spannend und ohne dass er mit erhobenen Zeigefinger daherkäme, sehr lehrreich.

Ricore: Konnten die beiden Jungs Ihnen zuhause beim Einüben des Textes zuhören?

Sawatzki: Wir haben nicht geübt. Wir üben so etwas nicht laut, auch bei Hörbüchern tun wir das nicht. Wir machen das dann erst vor Ort im Studio. Dann versucht man, die Stimme zu färben.

Ricore: Liegt das daran, dass die Regie im Studio eingreift und man diese Unterstützung braucht?

Sawatzki: Auch. In diesem Fall wollte ich aber auch erst einmal zu hören, wie Meryl Streep das gemacht hat. Ich habe den Text letztendlich dennoch anders gesprochen als sie. Aber wir haben schon versucht, das in gewisser Weise anzugleichen. Ich wollte das auch deshalb, weil ich weiß, dass Wes Anderson mit ihrer Fassung einverstanden war. Wenn er das also in dieser Fassung für richtig hielt, dann sollte meine Interpretation sich daran orientieren.


Andrea Sawatzki

20th Century Fox

Ricore: Gleich zu Beginn stellt Mrs. Fox die Bedingung, sie werde Mr. Fox nur dann heiraten, wenn er seine Leidenschaft, fürs Stehlen aufgibt. Sie selbst haben nie geheiratet. Haben Sie zu hohe Anforderungen gestellt?

Sawatzki: Bis ich Christian kennenlernte, war nie der richtige Mann da, mit dem ich Lust gehabt hätte, mein Leben zu verbringen. Christian und mich verbinden zwei Kinder. Wir haben einfach das Gefühl, dass wir sowieso sehr gut zusammen passen und eine Heirat nicht brauchen.

Ricore: Ich habe gehört, Ringe gibt es, aber die tragen Sie nie.

Sawatzki: Ja, die gibt es. Wir tragen sie auch. Aber wir haben eben nie geheiratet.

Ricore: Im Buch ging es mehr um Mr. und Mrs. Fox, im Film spielen der Sohn und ein Neffe, der bei der Familie wohnt, eine größere Rolle. Macht das den Film zu einem Kinderfilm?

Sawatzki: Ein Kinderfilm ist es wohl nicht. Eher ein Familienfilm. Mein älterer Sohn, der zehnjährige, hat das Original kürzlich im Flugzeug gesehen. Ihn hat interessiert, wie die Eltern mit dem Sohn umgehen und dass der Sohn auf den Neffen etwas eifersüchtig ist, weil er immer alles richtig macht. Von daher glaube ich, dass es ein Film ist, der Kinder ab diesem Alter sehr interessieren könnte. Die jüngeren finden vielleicht die Geschichte ganz spannend, die älteren könnte er auch nachdenklich machen und ihnen etwas geben. In diesem Alter beginnt ja eine gewisse Abnabelung von den Eltern.

Ricore: Der Sohn - Sie haben es beschrieben - hat es im Film mit den eigenen Ansprüchen sehr schwer. Werden Ihre Kinder es schwer haben mit Eltern, die so bekannt und erfolgreich sind?

Sawatzki: Das hoffe ich nicht. Wir versuchen ja auch, die Kinder von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Sie haben auch mit der Schauspielerei nichts zu tun. Es interessiert sie nicht weiter, was wir machen. Natürlich merken sie, wenn wir unterwegs sind, dass wir häufiger fotografiert werden oder um Autogramme gebeten. Aber das nehmen sie ziemlich gelassen hin.


Andrea Sawatzki und Christian Berkel im Synchronstudio

20th Century Fox

Ricore: Koordinieren Sie Ihre Dreharbeiten so, dass immer einer von Ihnen zuhause bei den Kindern ist?

Sawatzki: Wir versuchen das. Es wird jetzt eine Zeit geben, in der wir beide arbeiten müssen. Dann kommt meine Mutter und hilft aus.

Ricore: Sie synchronisieren ja nun im Film eine Füchsin. Ist das ein Tier, das gut zu Ihnen passt?

Sawatzki: Beim Shooting wurde es schon angesprochen, dass eine Füchsin ganz gut passen würde. Es sind wahrscheinlich einfach die roten Haare.

Ricore: Sie arbeiten häufig als Sprecherin von Hörbüchern. Ist Ihnen das lieber als die Schauspielerei?

Sawatzki: Mir fällt es leichter zu spielen. Ich übe diesen Beruf schon am liebsten vor der Kamera aus, wo mir viel mehr Mittel zur Verfügung stehen. Als Sprecher ist man ja sehr reduziert. Es ist aufregend, zu erforschen, inwieweit eine Stimme genügt, um eine Figur zu charakterisieren. Aber ich wollte das nicht zu oft machen, weil ich glaube, dass man dabei Gefahr läuft, sich allein darauf zu fixieren, eine Stimme zu färben und andere Ausdrucksmöglichkeiten vernachlässigt. Synchronarbeit ist technischer als das Spielen vor der Kamera. Blicke und Gesten, auch Kleidung und Maske können dazu beitragen, ein differenzierteres Bild zu schaffen.

Ricore: Ist die Arbeit an Hörbüchern und die Synchronarbeit leichter mit dem Familienleben vereinbar? Und ist das ein Grund für Sie, häufiger als Sprecherin zu arbeiten?

Sawatzki: Nein. Das mache ich einfach, weil es mir Spaß macht. Für mich ist das so etwas wie ein Hobby neben der Schauspielerei. So habe ich einfach einmal Zeit, zu lesen. Dazu finde ich sonst selten Zeit. Wenn ich für ein Hörbuch lesen muss, kann ich mich auch ein bisschen weiterbilden. Das ist nicht zu vergleichen mit Dreharbeiten. Eine Aufnahme dauert ja immer nur zwei, drei Tage im Studio.

Ricore: Das geht so schnell?

Sawatzki: Es gibt Schauspieler, die schon mal fünf, sechs Tage an der gleichen Menge Text sitzen. Aber in diesem Fall war ich in ein oder zwei Tagen fertig. Bei Christian hat es natürlich länger gedauert, er hat ja eine viel größere Rolle.

Ricore: Erarbeitet man sich die Figur beim Sprechen gar nicht richtig? Muss man nicht wie als Schauspieler wissen, was denkt, was fühlt sie in dieser Situation?

Sawatzki: Doch. Das schon. Aber trotzdem ist man immer der Zweite, der an eine Figur herangeht. Beim Dreh ist man immer das Original.
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  12.05.2010

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