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Interview

Will Ferrell auf der "Megamind"-Premiere

Paramount Pictures

Das große Streben nach dem Geld
Will Ferrell lebt den Traum
In Amerika ist Will Ferrell präsenter als hierzulande. Hier kennt man seine Filmkomödien, in den USA ist er auch im Fernsehen und zunehmend im Internet mit seinen anarchischen Scherzen zu sehen. In den USA bekommt der Komiker einiges ab. So, als er unlängst vom Forbes-Magazin zum am überbezahltesten Schauspieler Hollywoods gekürt wurde. Mit "Die etwas anderen Cops" und der Sprechrolle in "Megamind 3D" beweist Ferrell, dass er sich nicht einschüchtern lässt. Mit Filmreporter.de sprach das Multitalent über den Spott der Boulevard-Blätter, seine Erfahrung als Synchronsprecher und was er Steve Martin zu verdanken hat.
Megamind 3D

Paramount Pictures

Ricore: Bevor wir uns über "Megamind" unterhalten, vielen Dank für "Die etwas anderen Cops". Eine der besten Komödien des Jahres.

Will Ferrell: Ja, soweit ich gehört habe, lief der Film auch in Deutschland ganz gut. Freut mich, danke.

Ricore: Wie fühlt es sich andererseits an, der überbezahlteste Schauspieler Hollywoods zu sein?

Ferrell: Das kennen Sie aus dem Forbes-Magazin. Es ist schon interessant. Vor zwei Jahre fand ich mich noch auf der Liste der wertvollsten Schauspieler. Plötzlich ist es umgekehrt. Aber streben wir nicht alle danach, überbezahlt zu werden? Also ist es doch ein Sieg meinerseits, oder?

Ricore: Für was geben Sie dieses Geld aus?

Ferrell: Definitiv nicht mit dem Kaufen des Forbes-Magazins (lacht).

Ricore: Setzen Sie solche Aussagen unter Erfolgsdruck?

Ferrell: Nein, gar nicht. Ich spielte 2008 in dem nicht sehr erfolgreichen "Die fast vergessene Welt" mit. "Megamind" hat dagegen allein in den USA weit über 100 Millionen Dollar eingespielt. Wer weiß, wie viel er weltweit einbringen wird. Auch "Die etwas anderen Cops" lief sehr erfolgreich. Das heißt jetzt befinde ich mich wahrscheinlich wieder auf einer anderen Liste. Es ist nun mal so, dass der Unterhaltungsjournalismus nach Geschichten sucht, die alles andere als mit der Arbeit zu tun haben. Wenn man oben ist, wollen diese Leute am liebsten über den Abstieg schreiben. Wenn er unten ist, schreiben sie über den Aufstieg. Als Betroffener muss man immer auf das Positive schauen. Insofern fühlte ich mich nicht unter Druck gesetzt. Wenn mir jemand einen Scheck für einen Film ausstellt, dann ist das seine Schuld und ich sage Dankeschön. Ich arbeite hart und ich gebe mein Bestes. Wenn es nicht funktioniert, dann ist das halt so. Das passiert nun mal in der kreativen Branche.


Will Ferrell in "Die etwas anderen Cops"

Sony Pictures

Ricore: Am Ende hängt der Erfolg eines Films nicht allein von einem Schauspieler ab.

Ferrell: Ja, es sind immer die anderen schuld (lacht). Nein, natürlich fühlt man sich manchmal schlecht, wenn ein Film nicht gut läuft. Aber nicht jedes Gemälde ist ein Meisterwerk.

Ricore: Was reizte Sie an der Sprechrolle in "Megamind"?

Ferrell: Es ist das zweite Mal, dass ich eine Figur in einem Animationsfilm gesprochen habe. Das erste Mal war es bei "Coco - Der neugierige Affe" und das war nicht unbedingt eine tolle Erfahrung. Danach dachte ich, dass ich das nicht wieder machen würde. Aus diesem Grund habe ich viele Sprech-Angebote abgelehnt. Trotzdem dachte, dass es großartig wäre, einmal für ein großes Animationsstudio wie DreamWorks und Jeffrey Katzenberg zu arbeiten. Sie machen einfach tolle Arbeit. Als wir uns trafen und sie mir das Projekt vorstellten, dachte ich, dass es eine originelle Geschichte hat. Außerdem hatten sie mit Brad Pitt, Tina Fey und Jonah Hill eine tolle Besetzung an Land gezogen. Es waren also gute Voraussetzungen, um wieder etwas in diese Richtung zu machen.

Ricore: Als Schauspieler agieren Sie immer mit ihrem ganzen Körper. Fühlten Sie sich nicht ein wenig gehemmt, nur ihre Stimme zu gebrauchen?

Ferrell: Als Synchronsprecher hat man aber auch viel Freiheit. So kann man für einen Satz hundert Takes machen, bis man zufrieden ist. Anders als beim Film verschwendet man kein Filmmaterial. Man hat die Freiheit alles auszuprobieren, was einem in den Sinn kommt. Andererseits gibt es emotionale Szenen im Film, bei denen ich mich zurückhalten musste. Diese Seite der Synchronisation war eine Herausforderung und ich habe großen Respekt vor Leuten, die das beruflich machen. Die müssen Emotionen mit ihrer Stimme ausdrücken und das ist nicht einfach.


Will Ferrell an der Seite von Radha Mitchell

20th Century Fox

Ricore: Wie mochten Sie die deutsche Stimme von "Megamind", Bastian Pastewka?

Ferrell: Wir hatten heute zusammen ein Interview. Ich sah auch einige Auszüge aus der deutschen Synchronisation. Ich fand es sehr gut, soweit ich das mit meinen beschränkten Deutschkenntnissen beurteilen konnte. Erfolg und Misserfolg eines Animationsfilms hängt ganz von den Talenten ab, die seine Figuren sprechen. Es ist toll zu wissen, dass es Comedians gibt, die ihren Job gut machen.

Ricore: Jeffrey Katzenberg sagte, dass die Figuren niemals wie ihre Sprecher aussehen. Sehen Sie trotzdem Ähnlichkeiten zwischen sich und Megamind?

Ferrell: Nein, da sehe ich nicht viele Gemeinsamkeiten. Roxanne sieht vielleicht ein bisschen aus wie Tina, auch Jonah hat ein bisschen Ähnlichkeit mit Tighten. Was mich betrifft, sah ich nur manchmal im Ausdruck von Megamind gewisse Züge von mir.

Ricore: Hatten Sie während der Aufnahmen Kontakt mit Tina Fey? Haben Sie sich abgesprochen?

Ferrell: Wir hatten an einigen Sitzungen zusammengearbeitet. Die waren großartig. Ansonsten haben wir uns ganz auf Regisseur Tom McGrath verlassen, der alles koordinierte. Es ist schon erstaunlich, wie gut das Ergebnis geworden ist. Es sieht aus, als befänden wir uns alle in einem Raum.

Ricore: Was ist Ihrer Meinung nach lustig?

Ferrell: Ich finde es lustig, wenn Leute in absolut dummen Situationen mit Ernst bei der Sache sind. Komik ist, wenn man nicht versucht, lustig zu sein, sondern in einer chaotischen Situation real und natürlich ist. Aber im Grunde ist Komik subjektiv. Das ist das Schöne daran.


Eva Mendes und Will Ferrell in "Die etwas anderen Cops"

Sony Pictures

Ricore: Wenn Sie an einem Projekt wie "Megamind" arbeiten, ist es da möglich, eigene Ideen einzubringen?

Ferrell: Im Fall von "Megamind" lag mir kein Drehbuch zugrunde. Ich hatte nur die Texte, die meine Figur sprach. Insofern konnte ich nicht viel daran ändern. Allenfalls in der Art und Weise des Vortragens konnte ich eigene Ideen einbringen.

Ricore: Sie sind auch mit Ihrer Webseite funnyordie.com sehr erfolgreich. Welcher Clip gefällt Ihnen persönlich am Besten.

Ferrell: Kennen Sie das Boyz-II-Men-Remake mit Mike Tyson? Das fand ich sehr witzig. Das Video demonstriert, was ich eben über Komik sagte. Mike Tyson ist darin total ernst, während er auf diesen alten Song tanzt. Es ist absolut verrückt.

Ricore: Wie viel Zeit verbringen Sie damit, sich solche Videos anzusehen.

Ferrell: Die Seite kann tatsächlich eine Falle sein. Was auch gut so ist. Es zeigt, dass das Konzept funktioniert. Mit all der anderen Arbeit, die ich habe, und mit meinen mittlerweile drei Kindern verspüre ich aber nicht den Zwang, viel zu surfen. Manchmal werde ich auf Videos von der Webseite angesprochen und ich weiß nicht einmal, wovon die Rede ist. Mir fehlt einfach die Zeit dafür.


Will Ferrell

Paramount Pictures

Ricore: Haben Ihre Kinder Einfluss auf Ihre Rollenauswahl?

Ferrell: Noch nicht. Sie sind noch zu klein, als dass ich für sie bestimmte Rollen spiele würde. Ich wurde oft gefragt, ob ich die Animationsfilme wegen meiner Kinder mache. Das hat nichts damit zu tun. Es war nur Zufall und das Timing stimmte einfach. Ich glaube nicht, dass mich meine Kinder bei meiner Rollenauswahl insofern beeinflussen werden, als dass ich Angst vor irgendwelchen Auswirkungen für meine Familie haben müsste. Auch wenn sie noch jung sind, können sie zwischen Film und Leben unterscheiden.

Ricore: Auf einer Skala von eins bis zehn, wie sehen Sie die Zukunft der Menschheit?

Ferrell: Gute Frage. Es kommt darauf an. Kommt es zum Krieg zwischen Nord- und Südkorea, dann sieht die Zukunft nicht sehr rosig aus. Denn dann würden sich auch Mächte wie China, USA und Russland einmischen. Trotzdem bin ich optimistisch. Auf der Skala von eins bis zehn würde ich sagen: 8,5...

Ricore: Können Sie uns etwas über Ihr nächstes Projekt "Casa de mi padre" erzählen?

Ferrell: Es ist eine sehr melodramatische Geschichte über die Konkurrenz zweier Brüder. Es ist ein übertrieben-dramatischer Film, eine Art Verballhornung von Telenovelas, in dem ich die ganze Zeit spanisch rede. Das war die schwierigste Arbeit, an der ich bis jetzt gearbeitet habe, aber trotzdem ein im besten Sinne verrückter Film.

Ricore: Als Komiker haben Sie einen sehr wilden und anarchischen Stil. Wo liegen die Wurzeln für diese Art von Humor?

Ferrell: Einen großen Einfluss übte Steve Martin auf mich aus. Viele Komiker waren politisch korrekt, sehr klar und direkt in dem, was sie sagen wollten. Sein Humor dagegen war irrational und verrückt. Das gefiel mir sehr, als ich jung war.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch

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