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Interview

Robert Pattinson

Concorde Filmverleih

Wie ein Vogel im Käfig
Robert Pattinson schießt scharf
Robert Pattinson feiert seinen Durchbruch mit der "Twilight"-Reihe. Als romantischer Vampir Edward erobert er die Herzen des jungen weiblichen Kinopublikums im Sturm. Bevor der Brite ein weiteres Mal in seine Paraderolle schlüpft, unternimmt er einen Abstecher in die Zirkuswelt. Im Drama "Wasser für die Elefanten" spielt der 24-Jährige den jungen Jacob, der sich im Umfeld eines Wanderzirkus in die schöne Marlena verliebt. Im Interview mit Filmreporter.de philosophiert der Schauspieler über Liebe auf den ersten Blick und die Schattenseiten seines Berufs.
Wasser für die Elefanten

20th Century Fox

Ricore: Wie haben Sie die Arbeit mit den wilden Tieren erlebt? Haben Sie nun eine andere Vorstellung davon, wie Tiere in Zirkussen behandelt werden?

Robert Pattinson: Ich habe keine Ahnung, wie Tiere in einem Zirkus tatsächlich behandelt werden. Gerüchten zufolge soll das ja ziemlich schlecht sein. Von unseren Tieren war allerdings keines aus einem Zirkus. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit mit Tieren sehr hart sein muss, allein schon wegen der zahlreichen Verletzungen, die sie ständig erleiden. Nehmen wir nur die Pferde als Beispiel: Es hat viele, viele Monate gedauert, ihnen die Tricks beizubringen. Wenn eines von ihnen ausfällt, gibt es keinen Ersatz. Es dauert noch einmal sechs Monate, um ein weiteres Pferd zu trainieren.

Ricore: Wie hat Ihnen die Arbeit mit den Tieren gefallen?

Pattinson: Es hat meinen Job auf jeden Fall erleichtert. Vor Drehbeginn habe ich mir ausgemalt, dass es so sein wird, wie mit Babies zu arbeiten. Die machen auch ihr eigenes Ding und man reagiert darauf. Wenn zum Beispiel ein Elefant in einer Szene einfach macht, was er will, fällt das Spielen leichter. Man hat plötzlich einen Rüssel im Gesicht und muss spontan darauf reagieren. Niemand erwartet, dass die Szene perfekt wird, weil jeder sich darauf eingestellt hat, dass er es mit wilden Tieren zu tun hat. Da muss man es nehmen, wie es kommt. Dadurch herrschte am Set merkwürdigerweise eine sehr entspannte Atmosphäre.

Ricore: Wurde es mit den Tieren auch einmal gefährlich?

Pattinson: Es gab da einen Moment mit den Zebras. Sie sind viel schlauer als Pferde und nicht zu kontrollieren. Es ist unmöglich, sie zu zähmen. Wenn man sie irgendwo anbindet, machen sie sich einfach los. Und wenn ihnen das nicht gelingt, treten sie wild um sich. Einmal hat sich eins von ihnen befreit und ist direkt auf mich zugerannt. Wir befanden uns mitten in einer Szene und ich bin aus dem Weg gesprungen. Später habe ich herausgefunden, dass mich deswegen alle für einen Schwächling hielten.


Robert Pattinson in "Wasser für die Elefanten"

20th Century Fox

Ricore: Das bringt uns zu der Aussage, die der Regisseur über Sie getroffen hat. Für ihn sei es schwer gewesen, einen 23- oder 24-Jährigen zu finden, der die nötige Reife für die Rolle mitbringt. Sie seien dagegen bereits ein Mann - aufmerksam, intelligent, stark und selbstbewusst. Wie sehen Sie sich selbst? Was macht einen Jugendlichen zum Mann?

Pattinson: Ich weiß es nicht. So lange man sich in seiner Haut wohlfühlt, ist das meiner Meinung nach vollkommen ausreichend.

Ricore: Fühlen Sie sich erwachsen?

Pattinson: Ja und nein. Es ist ein bisschen merkwürdig. Als Schauspieler fühle ich mich manchmal so, als ob ich in einer Zeitblase gefangen wäre. Das liegt in erster Linie am Berühmtsein, aber auch daran, dass ich nie neue Leute kennenlerne. Man muss sich mit jedem über die gleichen Themen unterhalten, dasselbe Gespräch immer wieder führen. Auf diese Weise entwickelt man sich nicht weiter. Man hört sich zwar verschiedene Meinungen an, aber es ist immer wieder der gleiche triviale Mist.

Ricore: Wie gehen Sie damit um?

Pattinson: Das könnte sich irgendwann einmal auf den Verstand auswirken. Man weiß eigentlich gar nicht, wie es ist, sich mit Leuten über etwas Anderes zu unterhalten. Es überrascht mich, wenn jemand mal nicht über mich als Schauspieler reden will. (lacht)

Ricore: Was tun Sie, um dem Rummel zu entfliehen?

Pattinson: Ich habe gemerkt, dass Schauspieler anders behandelt werden als z.B. die Produzenten eines Films. Bei den Terminen, die rund um den Film wahrzunehmen sind, gehen die Leute einfach anders auf dich zu. Das möchte ich auch machen, und zwar aus aufrichtigen Gründen - nicht, um im Mittelpunkt zu stehen oder Ähnliches. Wenn man nur Schauspieler ist, denken die Leute, dass sie dich komplett abschirmen müssen und dich ja nicht verärgern dürfen. Das ist sowas von bizarr. Man fühlt sich wie ein Vogel im Käfig. Immer hat man Sicherheitsleute um sich.


Robert Pattinson und Reese Witherspoon kommen sich näher

20th Century Fox

Ricore: Zurück zum Film: Als Jacob Marlena sieht, verliebt er sich sofort in sie. Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?

Pattinson: Ja, auf den Fall.

Ricore: Haben Sie es selbst schon mal erlebt?

Pattinson: Sehr oft. Ich glaube, dass sich die meisten Liebenden in dem Moment verliebt haben, in dem sie den anderen Menschen zum ersten Mal gesehen haben. Zumindest in dem Moment, in dem sie ihn das erste Mal richtig wahrgenommen haben.

Ricore: Woran merken Sie, dass Sie verliebt sind? Was fühlen Sie dann?

Pattinson: Ich weiß es nicht. Das ist unmöglich zu beantworten.

Ricore: Wirklich?

Pattinson: Ich denke schon. Ach, ich weiß nicht.

Ricore: Waren Sie in Ihrer Kindheit im Zirkus? Hat Sie diese Welt fasziniert?

Pattinson: Mich eigentlich nicht, aber meine Schwester. Sie war immer eines dieser Kinder, die am liebsten mit dem Zirkus weitergezogen wären. Als Kind bin ich nur einmal bei einer Vorstellung gewesen. An dem kleinen Auto, auf dem die Clowns durch die Manege gefahren sind, ist die Tür explodiert und einer von ihnen hat sich, glaube ich, ein Bein gebrochen. Meine Schwester hat sich zu mir gedreht und gesagt: "Der Clown ist gerade gestorben." Sie müssen wissen, dass sie etwas älter ist. Ich habe nur auf den Clown gestarrt, der dann von der Bühne getragen werden musste. Bis ich 21 war, habe ich geglaubt, dass er wirklich gestorben ist. Erst dann hat mir meine Mutter gesagt, dass er gar nicht tot sei. Das war meine einzige Erfahrung mit dem Zirkus.


Kristen Stewart mit Robert Pattinson in "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht"

Concorde Filmverleih

Ricore: Angenommen, sie hätten wie ihre Figur die Möglichkeit, in vier Jahren ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Was würden Sie in dieser Zeit noch erleben wollen?

Pattinson: Hoffentlich würde ich mich überhaupt an die Zeit erinnern. Es ist komisch, wenn man die beinahe durchgehend müde ist. Ich fürchte mich davor, mich irgendwann einmal an Nichts aus meinem Leben erinnern zu können. Wenn wir sechs Monate lang einen Film gedreht haben, kann ich mich an keinen einzigen Drehtag erinnern.

Ricore: Was verstehen Sie unter einem schönen Leben?

Pattinson: Einfach Dinge zu tun, die dich stolz machen. Das muss nicht einmal etwas Besonderes sein. Vor kurzem habe ich mir zum Beispiel einen Hund gekauft, und das hat mich sehr glücklich gemacht. Ich bin da nicht sehr anspruchsvoll.

Ricore: Was für einen und wie heißt er?

Pattinson: Ich habe ihn erst seit zwei, drei Tagen und habe ihm noch keinen Namen gegeben. Es ist ein Mischling, aber die Rassen weiß ich gar nicht. Er sieht wie eine Hyäne aus.

Ricore: Es beginnt mit einem Hund und ehe man sich versieht, hat man Kinder. Aber zurück zum Thema Liebe. Sie haben um ihr Liebesleben schon immer ein Geheimnis gemacht. Haben Sie nicht manchmal das Bedürfnis, der Welt ihre Gefühle mitzuteilen?

Pattinson: Ich habe niemals das Bedürfnis, der Welt irgendetwas mitzuteilen. (lacht) Meine erste Freundin hatte ich mit zwölf Jahren, aber es war nicht mal eine richtige Freundin. Ich habe eine Schulkameradin gefragt, ob sie mit mir ausgehen will. Am nächsten Tag kursierte in der Schule das Gerücht, das wir beide zusammen wären. Ich war geschockt und habe nie mehr mit dem Mädchen gesprochen. Es wird einfach ein viel zu großes Theater darum gemacht. Es ist komisch, aber ich habe es immer mit dem Aktienmarkt vergleichen. Je mehr Spekulanten es gibt, umso schlimmer werden die Dinge.


Robert Pattinson in "Remember Me"

Concorde Filmverleih

Ricore: Wie meinen Sie das?

Pattinson: Die Leute wollen die Wahrheit gar nicht hören. Sie haben sich schon längst ihre eigene Meinung gebildet. Die eigene Wahrheit ist auch nicht glaubwürdiger als die 'Wahrheit', die auf den Titelseiten der Boulevardmagazine verbreitet wird. Die eigenen Aussagen werden als Klatsch aufgefasst, obwohl man über sein Leben doch eigentlich selbst am besten Bescheid weiß.

Ricore: In Amerika können sie wahrscheinlich nicht unerkannt über die Straße laufen, und in England wird es auch nicht sehr viel anders sein. Ist das Leben in der Öffentlichkeit eine Belastung für Sie?

Pattinson: Ich werde es wohl niemals mögen, von Leuten fotografiert zu werden. Mir hat es früher schon nicht gefallen, wenn meine Mutter mich fotografiert hat.

Ricore: Und trotzdem haben Sie sich entschieden, Schauspieler zu werden?

Pattinson: Auf dem Set macht es mir nichts aus. Es ist seltsam, aber ich habe es immer vermieden, seit die Leute angefangen haben, mir zu folgen. Das ist das Einzige, was mich fertig macht. Daher investiere ich viel Energie, um ein eigenes Leben führen zu können. Andernfalls versucht man die ganze Zeit auf deine Kosten Geld zu verdienen. Wenn Leute Geld verdienen können, indem sie einfach die ganze Zeit vor deinem Haus warten und dir folgen, werden sie es 24 Stunden am Tag machen. Daher muss man versuchen, das zu verhindern.

Ricore: Was würden Sie tun, um das zu verhindern?

Pattinson: Schießen. [lacht]


Christoph Waltz, Robert Pattinson und Reese Witherspoon in "Wasser für die Elefanten"

20th Century Fox

Ricore: Warum haben Sie sich für "Wasser für die Elefanten" entschieden?

Pattinson: Es gab mehrere Gründe. Ich hatte gerade in einem weiteren "Twilight"-Film gespielt. Eine der großen Schwierigkeiten bei den "Twilight"-Filmen besteht darin, dass man nie schwitzt. Das Gesicht muss die ganze Zeit irgendwie starr sein, denn wenn man zu große Gesichtsausdrücke zeigt, sieht es am Ende aus wie Kabuki [Anm. d. Red.: traditionelles japanisches Theater]. Daher ist man sehr eingeschränkt. Bei "Wasser für die Elefanten" las ich das Drehbuch und mochte die Geschichte. Zudem spielt sie in einer sehr körperlichen und dreckigen Welt. Es macht Spaß, wenn man schwitzt und nicht gleich fünf Maskenbildner zur Korrektur kommen müssen. Das ist eine große Erleichterung.

Ricore: Wie war Ihre Begegnung mit dem Elefanten?

Pattinson: Elefant Tai fand ich großartig. Als dann Christoph und Reese an Bord kamen, passte alles zusammen. Wenn man mit zwei Oscar-Gewinnern spielt, scheint das die richtige Sache zu sein. Ich will immer die besten Leute haben. Das macht deinen Job einfacher, weil sie es besser machen und man dadurch jedes Mal einen Gang rauf schaltet. Das ist sehr viel besser, als wenn dein Gegenüber nichts macht.

Ricore: Wie war die Zusammenarbeit mit Christoph Waltz?

Pattinson: Er ist fantastisch. Zudem ist er sehr lustig, was ich nicht erwartet hatte. Dann sah ich ihn bei Jimmy Kimmel. Haben Sie jemals gesehen, was er tut, wenn er ein russisches Lied singt? Mir war nicht bewusst, dass er einer der witzigsten Menschen ist, die ich je gesehen habe.


Robert Pattinson frisch verliebt?

20th Century Fox


Ricore: Im Film geht es um verschiedene Facetten der Liebe. Wie definieren Sie Liebe?

Pattinson: Im Film ist meine Beziehung zu Marlena nicht konventioneller Art. Es geht nicht darum, dass er sich in sie verliebt und einfach mit ihr zusammen sein will. In gewisser Weise ist es schöner, dass er sich nicht einfach mit ihr fortschleichen will, ich denke das wäre nicht mal richtige Liebe. Das hätte mehr mit Stolz zu tun. Man sieht jemanden, der nicht an sich selbst glaubt. Wenn man jemanden liebt, hält man ihn für den besten Menschen auf der Welt. Sie selbst sieht sich nicht so und das ist das Einzige, was er ihr zeigen will. Ich denke, dass das in gewisser Weise Liebe ist. Er will, dass sie sich selbst auf die Weise liebt, wie er das tut.

Ricore: Planen Sie eine Rückkehr zum Theater?

Pattinson: Ich liebe es, Theater zu spielen. Momentan kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass es eine gute Erfahrung wäre, da viele Leute wohl dauernd Fotos machen würden. Ich glaube, das ist zu viel für mich, ich muss Abstand haben. Es ist so, als ob im Publikum zu viel Energie wäre, die dich packen will.

Ricore: Werden Sie bei der Hochzeit von Prinz William dabei sein?

Pattinson: Ja, es ist witzig, dass jeder so eine große Sache daraus macht. Ich habe es nicht mal realisiert, bis ich sie jeden einzelnen Tag im Fernsehen sah. Es ist verrückt.

Ricore: Sind Sie aufgeregt?

Pattinson: Ja, irgendwie schon.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.

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