Interview: Olli Dittrich zu zu Die Relativitätstheorie der Liebe | FILMREPORTER.de
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Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Ricore: Ist ein Gefühlsunterschied festzustellen, bevor die Maske aufgetragen wird und danach?

Dittrich: Ich habe die professionelle Arbeit der Maskenbildner Mitte der Neunziger kennen gelernt. Je mehr und länger ich mich mit den Möglichkeiten der optischen Verwandlung auseinander gesetzt habe, desto mehr wurde ich davon angezogen, immer waghalsigere Dinge zu probieren. Die Zeit in der Maske morgens ist immer ein meditativer Prozess. Eine Phase, in der ich die Augen schließe, stumm und bewegungslos dasitze, die Maskenbildner ihre Arbeit machen lasse und langsam herüberwandere in den anderen Charakter. Wenn ich dann die Augen aufmache, ist Olli nicht mehr anwesend.

Ricore: Wenn Sie Youssef spielen, sprechen Sie also den gesamten Tag gebrochenes Deutsch?

Dittrich: Ja. Gerade, wenn es um Sprache, um Mundart, einen speziellen Slang oder Dialekt geht. Den lernt man ja nicht Wort für Wort nach Drehbuch. Sondern im Ganzen, als lebendige Sprache. Deshalb spreche ich den ganzen Drehtag so, das macht die Sache geschmeidig und gibt ihr eine gewisse Selbstverständlichkeit. Ein Fußballer macht sich vor Spielbeginn ja auch warm, übt Sprints, Dribblings und Torschüsse. Damit er die Betriebstemperatur erreicht hat, wenn's ernst wird.

Ricore: Haben Sie die Figuren aus dem Drehbuch ausgearbeitet?

Dittrich: Im Grundsatz sind sie natürlich von Otto Alexander Jahrreiss erdacht. Katja und ich haben sie dann aber mit ihm, teilweise auch alleine und später im Feinschliff mit den Maskenbildnern weiterentwickelt. Wir mussten darauf achten, dass sie später im harten Schnitt nebeneinander gut funktionieren. Der Zuschauer darf zwar einerseits über die Figuren und unsere Verwandlungen staunen, sollte aber möglichst schnell in die Geschichte eintauchen können. Es ist ja ein Film mit vielen Handlungssträngen und einer Dramaturgie, der es zu folgen gilt. Keine Verkleidungsparade.

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Ricore: Habt ihr beim Dreh oft gelacht?

Dittrich: Wir haben schon unseren Spaß gehabt, klar. Auf der anderen Seite war gar nicht so viel Raum für Improvisation, das lässt so ein Film gar nicht zu. Es gibt einige Szenen, in denen wir mehrfach mit uns selbst spielen. Da ist sehr viel Disziplin gefragt. Ansonsten werden die Drehtage sehr lang.

Ricore: Was haben die fünf Charaktere gemeinsam?

Dittrich: Es eint sie, dass wir ihnen dabei zusehen, wie sie mit der Liebe umgehen. Was die Liebe mit ihnen macht. Das unterscheidet sie aber auch, denn die Liebe kann ganz einfach sein und überwältigend schön, andererseits enttäuschend, absurd und grausam. Je nachdem, wem sie wie, mit wem, zu welcher Zeit widerfährt. Wir kennen all diese Geschichten doch aus unserem persönlichen Alltag. Das ist die große Klammer dieses Films. Liebe zu zeigen, nicht nur im filmkitschigen Sinne einer handelsüblichen "romantic comedy", sondern auch in ernsthaften sowie tragischen Momenten.

Ricore: Gab es eine Frauenfigur, die Sie gerne gespielt hätten?

Dittrich: Nein, in diesem Film nicht.

Ricore: Gab es hin und wieder die Gefahr, dass man eine der Figuren ins Lächerliche zieht?

Dittrich: Die Gefahr besteht immer - theoretisch. In einer Sketchparade oder Comedyshow wird zum Beispiel eine lustige Perücke, auch wenn sie völlig übertrieben ist oder aus billigem Kunsthaar, viel selbstverständlicher genommen. Deshalb war hier bei den Verwandlungen entscheidend: größtmögliche Aufmerksamkeit und Genauigkeit, dass es keine Klamaukfiguren werden. Verwandlung, Maske, ja - aber kein Faschingskostüm. Das gilt ebenso für die Haltung, für das Leben, das man den Charakteren einhaucht. Bloß nicht an der falschen Stelle übertreiben lautet die Devise.

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