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Interview

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Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Ricore: Habt ihr beim Dreh oft gelacht?

Dittrich: Wir haben schon unseren Spaß gehabt, klar. Auf der anderen Seite war gar nicht so viel Raum für Improvisation, das lässt so ein Film gar nicht zu. Es gibt einige Szenen, in denen wir mehrfach mit uns selbst spielen. Da ist sehr viel Disziplin gefragt. Ansonsten werden die Drehtage sehr lang.

Ricore: Was haben die fünf Charaktere gemeinsam?

Dittrich: Es eint sie, dass wir ihnen dabei zusehen, wie sie mit der Liebe umgehen. Was die Liebe mit ihnen macht. Das unterscheidet sie aber auch, denn die Liebe kann ganz einfach sein und überwältigend schön, andererseits enttäuschend, absurd und grausam. Je nachdem, wem sie wie, mit wem, zu welcher Zeit widerfährt. Wir kennen all diese Geschichten doch aus unserem persönlichen Alltag. Das ist die große Klammer dieses Films. Liebe zu zeigen, nicht nur im filmkitschigen Sinne einer handelsüblichen "romantic comedy", sondern auch in ernsthaften sowie tragischen Momenten.

Ricore: Gab es eine Frauenfigur, die Sie gerne gespielt hätten?

Dittrich: Nein, in diesem Film nicht.

Ricore: Gab es hin und wieder die Gefahr, dass man eine der Figuren ins Lächerliche zieht?

Dittrich: Die Gefahr besteht immer - theoretisch. In einer Sketchparade oder Comedyshow wird zum Beispiel eine lustige Perücke, auch wenn sie völlig übertrieben ist oder aus billigem Kunsthaar, viel selbstverständlicher genommen. Deshalb war hier bei den Verwandlungen entscheidend: größtmögliche Aufmerksamkeit und Genauigkeit, dass es keine Klamaukfiguren werden. Verwandlung, Maske, ja - aber kein Faschingskostüm. Das gilt ebenso für die Haltung, für das Leben, das man den Charakteren einhaucht. Bloß nicht an der falschen Stelle übertreiben lautet die Devise.

Olli Dittrich auf den Spuren Kurt Cobains?

Olli Dittrich auf den Spuren Kurt Cobains?

Ricore: Da gebe ich Ihnen Recht.

Dittrich: Im Film geht es ja um echte Menschen, die in einer Kostümierung auf der großen Kinoleinwand bestehen müssen. Die Gefahr zu entgleisen hat aber nie wirklich bestanden. Das Lächerliche ist nicht meine Art, selbst bei extremen Figuren. Wenn es, wie zum Beispiel in einer Fernsehwerbung etwas knalliger und mehr auf Punch und Pointen gerichtet zuging, war dies auch das Ziel. Hier im Film ist Paul zum Beispiel ein Grenzgänger. Eine auf den ersten Blick sehr, sehr lustige Type. Aber: hätte man mit ihm an der falschen Stelle Gas gegeben, wäre seine Glaubwürdigkeit dahin gewesen.

Ricore: Was wäre dann passiert?

Dittrich: Paul wäre zur Witzfigur geworden. Der man die ernsten Töne und die teils überraschenden Brüche hin zu tragischen Momenten nicht mehr hätte abnehmen können. Eine große Gradwanderung. Paul war für mich eine besondere Rolle. Seine Emotionen, die plötzliche Angst vor dem Tod seiner Frau, so, dass wirklich unerwartet Tränen rollen, das habe ich noch nie gespielt. Das war für mich etwas ganz Besonderes.

Ricore: Kann man in solchen Momenten gegen die Maske anspielen?

Dittrich: Nein. Im Gegenteil. Die Maske spielt mit. Sie ist doch das wahre Gesicht der Figur. In jedem Moment.

Ricore: Gibt es Figuren aus Ihrem Repertoire als Schauspieler, die Sie immer wieder recyceln können?

Dittrich: Nicht im Sinne von: von dieser Figur nimmst Du jetzt dies, von jener das und dann verrührst Du alles zu einer neuen. Aber je mehr Figuren man spielt, desto mehr bauen die Erfahrungen der Verwandlungsmöglichkeiten, innerlich wie äußerlich, natürlich aufeinander auf. Ich achte aber sehr darauf, dass immer neue, ganz eigene Persönlichkeiten entstehen.

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Olli Dittrich in "Die Relativitätstheorie der Liebe"

Ricore: Glauben Sie selbst an die Relativitätstheorie der Liebe?

Dittrich: Hm. Es ist eine wirklich lustige These, dass es kein Versehen mehr sein kann, wenn man drei Mal in kurzer Zeit zufällig der Person seines Herzens begegnet. Stevie, der ja im Film diese Theorie vertritt, glaubt fest daran, dass das wiederholte Zusammentreffen von Zeit und Raum ein Indiz für die große Liebe ist. Andererseits ist es auch seine Masche, die Mädels um den Finger zu wickeln. Die These des Films hat sein Augenzwinkern, das es braucht. An die große Liebe glaube ich aber schon. Wenn auch nicht so, wie es Stevie. Ich glaube, dass er in Wahrheit selbst davon überrascht wird.

Ricore: Mit dem Regisseur arbeiteten Sie bereits für eine TV-Werbekampagne zusammen. Man konnte das Gefühl bekommen, dass er dieses "Geiz ist geil"-Motto verinnerlicht hat, da er den Film mit nur zwei Schauspielern dreht und so weitere Schauspielergagen spart.

Dittrich: Der Eindruck ist falsch. Ebenso die Annahme, dass Katja und ich aufgrund der Vielzahl der Rollen eine besonders hohe Gage erhalten hätten.

Ricore: Beobachten Sie oft Menschen auf der Straße?

Dittrich: Ich sitze nicht mit dem Block im Café und schreibe mit. Das wäre auch absurd. Ich schaue auf das, was alle sehen. Es übertragen sich vielleicht andere Dinge, mit größerer Leichtigkeit, wer weiß. Das war schon als Kind so. Und häufig habe ich mich dann anschließend so bewegt oder habe so gesprochen wie irgendjemand, der mir besonders aufgefallen ist. Habe ihn nachgeäfft, lustig wiedergegeben. Einfach so. Spielerisch, voller Leidenschaft. Gott sei Dank konnte ich das zu meinem Beruf machen und mir bis heute erhalten...

Ricore: Sind Sie mit Ihrer Maske mal Einkaufen gegangen?

Dittrich: Einkaufen nun gerade nicht. Wohl aber habe ich mich ganz normal auf der Straße bewegt, zum Beispiel als Youssef. So auch in der Sonnenallee in Berlin, unter echten Libanesen. Die dort leben und mit denen wir zum Teil auch gedreht haben. Wir haben mit ihnen zusammen gesessen und Shisha geraucht. Das war eine tolle Erfahrung. Denn wenn man sich da sanft einfügt, hier und da ein paar Brocken des deutsch-arabischen Sprachen-Mischmaschs einwirft, mit dem sie sich oft auch untereinander unterhalten, fällt man erst mal gar nicht weiter auf. Es gab schon ein paar libanesische Jungs, die erst gar nicht geglaubt haben, dass ich nicht aus ihrer Gegend komme. Ohne Maske hatte mich ja niemand zu Gesicht bekommen. Großartig.

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