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Interview

Anthony Daniels am Set von: Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith

20th Century Fox

Es kann nur einen geben...
Anthony Daniels ist C-3PO!
Anthony Daniels spielt die Rolle des geradlinigen, goldenen Roboters in Star Wars bereits seit der ersten Episode, die damals noch "Krieg der Sterne" hieß. Er ist außer dem Erfinder und Regisseur George Lucas wohl der Einzige, der bei allen Episoden mitwirkte. Anlässlich des Starts der letzten Episode sprach der personifizierte C-3PO mit den Filmreportern über sein alltägliches Leben mit der fiktiven Ikone, an welchen Stellen sein Kostüm zwickte und was die Fans von "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" erwarten dürfen...
Von  Nicola Turri, Filmreporter.de,  30.11.2015
C-3PO: Robotter mit Manieren

20th Century Fox

Sprechen wir jetzt auf Hebräisch...

Anthony Daniels: Sie wissen, C-3PO ist Experte in sechs Millionen verschiedenen Kommunikationsarten.

Ricore: Also sprechen wir jetzt auf Hebräisch.

Daniels: Nein, (lacht) auch Deutsch gehört leider nicht dazu. (setzt auf Deutsch an:) "Guten Tag, vielen Dank, dass Sie gekommen sind, ich freue mich sehr, hier sein zu können." Ja, das hat man mir aufgeschrieben. Hier haben Sie, wie Sie sehen können, einen meiner Köpfe aus dem ersten Film. Nur damit Sie sehen können, was ich seit 28 Jahren trage. Blödes Ding! (lacht)

Ricore: Haben Sie auch einen C-3PO Anzug Zuhause?

Daniels: Nein, wenn Sie zu mir nach Hause kämen, würden Sie nichts sehen, was mit "Star Wars" zu tun hat. Es gibt ein paar Sachen auf dem Speicher. Es gehört nicht zu meinem Lebensstil - ich denke, ich bin nicht so.

Ricore: Wie lange dauert es, das Kostüm anzuziehen?

Daniels: Bei dem ersten Film 1976 haben sechs Helfer zwei Stunden benötigt, um das Ding anzulegen, denn es war das erste Mal. Es passte gar nicht. Dieses eine Teil passte nicht in das andere, und jenes nicht in das dritte - ach ja, es zwickte überall. Heutzutage kann ich es mit dem richtigen Assistenten in fünf Minuten angelegen. Ich habe einen Mitarbeiter, der R2-D2 macht. Und es sind nur wir zwei da, und er ist derjenige, der mir hilft. Also, es ist viel einfacher als früher.


Episode III: düsterer und kriegerischer als die ersten Episoden

20th Century Fox

C-3PO längst ein Star...

Ricore: Also ist dies ein Original vom Film?

Daniels: Vom Film, ja. Aber die Köpfe der Filme sind absolut gleich.

Ricore: C-3PO ist längst ein Star. Sind Sie inzwischen selbst eine Ikone?

Daniels: Na ja, es ist witzig. Wenn ich zum Set komme - zuletzt bei "Die Rache der Sith" - will die ganze Crew ein Photo mit C-3PO. Er ist einfach eine Kindheitserinnerung. Egal wie gut oder erfahren sie sind, sie erinnern sich an ihn. Hier ist er, ganz persönlich. Bei jeder Aufnahme sage ich mittlerweile sofort, lasst uns einfach ein paar Photos schießen, denn ich weiß, dass jeder eins haben will, ein Gruppenfoto oder ein Singlefoto. Aber er ist die Ikone, nicht ich. Und ich... ich weiß nicht... ich bin keine Ikone.

Ricore: Wie fühlt sich C-3PO?

Daniels: Es bringt ihn sehr durcheinander. Absolut. Er ist eine sehr bescheidene Person. Wir haben uns allerdings noch nie wirklich darüber unterhalten. Ich glaube er ist recht stolz, aber er versteht es nicht ganz, denn er kapiert das Konzept der Filmunterhaltung nicht. Er findet "Krieg der Sterne" auch nicht besonders unterhaltsam, denn es beängstigt ihn.

Ricore: Was war bisher das Verrückteste, was Sie jemals gesehen hatte, irgendein Handelsartikel oder so etwas, das mit C-3PO zu tun hat?

Daniels: Die Auswahl ist groß... Es gab einmal eine Seife in der Form von C-3PO, also die Arme waren natürlich an der Seite des Körpers angelegt, aber es hatte die richtige Form. Und es war gelb - natürlich. Es hatte etwa diese Größe (zeigt ca 30 cm), und das müssen Sie mir jetzt verzeihen, aber - wie das nun mal bei Seife ist, hatte es nach einigem Gebrauch eine unerkennbare und recht anstößige Form.


"C-3PO gibt's auch als Tesafilm-Spender"

20th Century Fox

Anthony Daniels: Tesafilm-Spender aus Keramik

Ricore: Sah es aus wie eine Oscar-Statuette?

Daniels: O nein, es sah aus wie etwas ganz anderes... (lacht) Das müssen Sie mir verzeihen. Bei Seife kann das vorkommen. Aber es gab noch einen Tesafilm-Spender, es war aus Keramik, und stellte C-3PO im Liegen dar. Er lag in dieser Position [...demonstriert es auf dem Boden] und eine Tesa-Rolle ragte zwischen seinen Beinen hervor! Fürchterlich, so was von Geschmackloses, einfach ekelig! Also das hatte ich lange auf meinen Schreibtisch stehen - so als Witz. Aber auch als Witz war das schlimm, also steht es jetzt in einer Abstellkammer. Aber wissen Sie, wenn man sich selbst so sieht... Mein Lieblingsstück ist dieser hier (zeigt eine weiche Puppe), ein Beanie Baby. Das passt einfach zum Wesen C-3POs. Außerdem finde ich, ist er einfach süß. Aber es ist komischerweise recht schwer für mich, zu begreifen oder zuzugeben, dass ich er bin. Denn ich bin (intoniert) C-3POs menschliche Version. Aber nicht wirklich, das heißt ich bin nur C-3PO wenn wir filmen.

Ricore: Sie spielen in einem Ganzkörperkostüm vor dem Bluescreen. Das Schauspielen wird dadurch sehr abstrakt. Es muss schwer sein, so zu spielen.

Daniels: Ja. (seufzt) Die Menschen sprechen viel vom Bluescreen. Das Traurige an dem Bluescreen ist, dass er nicht inspirierend ist. Er beflügelt nicht die Fantasie. Aber wissen sie, mein erster Job... ich gewann einen Preis von der BBC und arbeitete sechs Monate beim Radio. Ich bekam auch eine sehr wichtige Mitgliedschaft in der Gewerkschaft, was damals sehr kostbar war, diese Mitgliedschaft. Ich sprach jede Woche zwei oder drei Theaterstücke im Radio, und arbeitete nur mit einem Script und dem Mikrophon. Aber man ist kreativ. Bluescreen ist ähnlich, es ist nicht besonders aufregend. Im ersten Film war der ganze Todesstern ein riesiges Set, alles war da und ich dachte, Wow! Es war so aufregend! Wir hatten ganze Raumschiffe, das machte Spaß.

Ricore: Freuen Sie sich, dass sie Ihre Stimmt behalten konnte? Wie haben Sie es durchgesetzt, dass Ihre eigene Stimme benutzt wurde?

Daniels: George hat zwei Monate lang versucht, eine geeignete Stimme für C-3PO zu finden. Er probierte gut 30 bekannte Schauspieler durch. Aber C-3PO ist ein organisches Ganzes, und die Bewegungen müssen der Stimme angepasst sein. Es dauert recht lange, die Stimmt zu überspielen. Denn ich stehe im Theater, so (macht C-3PO nach), denn seine Stimme ist sehr hoch, sie kommt von hier (zeigt auf seinen Brustkorb). Aber ich hatte sehr viel Stimmtraining, das hat geholfen. George wollte C-3POs Stimme von einem anderen Schauspieler sprechen lassen, aber es hat irgendwie nicht geklappt. Also hier bin ich. Ich hätte nicht noch einen Film gemacht, wenn man meine Stimme nicht benutzt hätte.


Hayden Christensen mit der Macht der dunklen Seite?

20th Century Fox

Typisches odd couple

Ricore: Nervt es nicht manchmal, fast 30 Jahre lang über ein und dieselbe Figur reden zu müssen.

Daniels: Ich spreche nicht immer von ihm. Nein, denn ich habe ihn sehr gern. Ich spielte im Theater neun Monate lang, acht Mal die Woche - und irgendwann konnte ich die Rolle einfach nicht mehr sehen. Ich musste einfach raus. Aber dies ist das erste Mal, dass Sie von C-3PO sprechen. Sie kommen mit Ihren eigenen Fragen und interessanten Gedanken - und das macht den Unterschied. Schwierig ist, wenn man sich angewöhnt, immer nur das gleiche zu sagen.

Ricore: Wie ist die Beziehung zwischen R2-D2 und C-3PO? Haben sie sich gern?

Daniels: Das Clevere daran war... ein Geniestreich von George Lucas ... C-3PO bekommt ein Etikette-Protokoll, das ja in der Welt, in der er letztlich lebt und agiert vollkommen nutzlos ist. Also von Anfang an ist ihm seine Umgebung nicht ganz geheuer, er fühlt sich nicht wohl. Lucas paarte ihn dann mit diesem kleinen Roboter, der sehr mutig und eifrig ist und ihn laufend in irgendwelche Abenteuer schleppt. Die Beziehung ist sehr typisch - brüderlich, oder vielleicht wie in einer Ehe, oder zwei Freunde im Strandurlaub, in dem alles schief läuft. Die typische "odd couple" Beziehung.

Ricore: Was können Sie uns von "Episode 3" erzählen?

Daniels: Der Film beantwortet viele offene Fragen, Fragen, die teilweise seit den Siebzigern ungeklärt waren. Sie werden viele Dinge besser verstehen können, auch Dinge, aus den letzten zwei Filmen.

Ricore: Gibt es große Überraschungen? Jeder weiß, wie sich bestimmte Dinge entwickeln werden...

Daniels: Ja, aber das Clevere daran ist, dass es nun mal jeder weiß. Man denkt, Anakin, mach das nicht! Aber er tut es doch, wir wissen ja längst, was aus ihm wird. Aber die Überraschung liegt darin, wie sich die Geschichte entwickelt, und welche Details sie preisgibt. Es machte mir sehr viel Spaß, den Kampf zwischen Hayden Christensen und Ewan McGregor zu erleben. Es ist ein recht langer Kampf, er geht über etwa 15 Minuten und er ist so gut einstudiert und so flott, dass er glaube ich nicht einmal künstlich beschleunigt werden muss. Ich glaube, sie taten sich nicht ein einziges Mal weh. Natürlich ist die Szene der Klimax.

Ricore: Haben Sie einen Plan für die Zeit nach dem Krieg der Sterne?

Daniels: Nein, nicht wirklich. Es gibt verschiedene Projekte, die ich momentan in Aussicht habe. "Krieg der Sterne" hängt mir ein bisschen zum Hals raus, aber ich denke, es wird eine Zeit kommen, in der ich darüber anders denke. Ich werde nun sechzig, und irgendwie sind die Zeiten vorbei. In Frankreich habe ich ein Haus mit einem großen Garten, in dem meine Freundin wohl gerade arbeitet. Eigentlich sollte ich bei ihr sein. Nein, ich hatte meine Chance. Aber ich kann ihn nicht verlassen, oder? Was würde C-3PO ohne mich tun? Er käme ohne mich nicht klar....
Von  Nicola Turri, Filmreporter.de,  30.11.2015

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