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Interview

Thomas Kretschmann

Tatjana Niezel/Ricore Text

Professor Z gut gelaunt...
Thomas Kretschmann zu "Cars 2"
Begonnen in Joseph Vilsmaiers "Stalingrad", hat Thomas Kretschmann es mittlerweile bis nach Hollywood geschafft. In "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" und "King Kong" spielt er an der Seite von Tom Cruise und Naomi Watts. Weshalb er nur noch selten in deutschen Produktionen zu sehen ist, erläutert Kretschmann im Interview mit Filmreporter.de. Außerdem erzählt er uns, was er an John Lasseter schätzt, welcher ihn für den neuen Pixar "Cars 2" engagierte und wieso er als Auto-Fan keinen Ferrari fahren würde.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  28.07.2011
Thomas Kretschmann

20th Century Fox

Ricore: Sie haben Professor Z sowohl im amerikanischen Original, als auch in der deutschen Fassung synchronisiert. Welche Unterschiede gibt es zwischen beiden Versionen?

Thomas Kretschmann: In der amerikanischen Synchronarbeit wird eigentlich nicht synchronisiert. Die Figuren werden hier direkt im Studio erarbeitet. Das wusste ich vorher nicht. Man gibt seine Version und legt diese anschließend den Animations-Künstlern vor. Diese lassen sich dann in der Figuren-Zeichnung von den Videos beeinflussen.

Ricore: Und in der deutschen Synchronisation?

Kretschmann: In den deutschen Fassungen spreche ich immer meine englischsprachigen Rollen. Das Problem dabei ist, dass man immer versucht, den Geist des Originals zu erhalten. Ich stehe dann mit Synchronregisseuren im Studio, die mir erklären wollen, was ich selber erarbeitet habe. Außerdem spricht man normalerweise mit professionellen Synchronsprechern. Deren Stimme ist viel klarer, lauter, technisch versierter und deutlicher als die von "normalen" Schauspielern. Man muss aufpassen, dass man im Verhältnis zu den anderen nicht zu vernuschelt wirkt. Insgesamt fühlt es sich für mich immer unnatürlich an, wenn ich mich in der deutschen Fassung synchronisiere.

Ricore: Fehlt Ihnen in Los Angeles manchmal etwas Deutsches?

Kretschmann: Es fehlt einem immer irgendetwas. Wenn ich in Deutschland bin, fehlt mir etwas aus L.A.. Bin ich in L.A. fehlt mir etwas aus Deutschland.


Deutsche Stimmen von "Cars 2" Thomas Kretschmann und Bettina Zimmermann

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Ricore: Zum Beispiel?

Kretschmann: Mir fehlt manchmal der Umgang miteinander, oder Menschen die ich mag.

Ricore: Wie gut kennen Sie sich mit Autos aus? Könnten Sie selbst eines reparieren?

Kretschmann: Ich komme aus dem Osten. Ich kann alles reparieren (lacht). Heutzutage ist es ja wirklich kompliziert. Du bringst ein Auto in die Werkstatt, bekommst es wieder und der Computer funktioniert immer noch nicht. Alles wird immer mehr Computerisiert. Ich fahre jetzt einen Touareg Hybrid, vorher hatte ich einen Phäton. Damit sind die Amis gar nicht klar gekommen. Das war denen zu hoch (lacht).

Ricore: Fahren Sie gerne schnell?

Kretschmann: Ja. Allerdings natürlich nur so schnell ich darf (lacht). Ich bin jedoch eigentlich recht ökonomisch, wie sonst auch im Leben. Ich versuche, es schnell hinter mich zu bringen, wenn ich von A nach B fahre. Das ist auch ein Problem, weil die Menschen in Los Angeles nicht Auto fahren können. Sie fahren alle sehr langsam, sehen sich im Spiegel an und machen sich die Haare während sie fahren. Momentan drehe ich in Italien und da fahre ich gerne Auto.

Ricore: Wer fährt besser, Männer oder Frauen?

Kretschmann: Meine Ex-Frau fährt besser als jeder Mann, mit dem ich bisher gefahren bin. Ich bin auch schon mit Männern unterwegs gewesen, die nicht rückwärtsfahren oder einparken konnten. Bei einem Fahrer in Italien habe ich beinahe einen Nervenzusammenbruch aufgrund seines Fahrstils bekommen. Nein, diese Frage stellt sich bei mir nicht.


Cars 2

Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Ricore: Haben Sie das Autofahren noch mit dem Trabbi gelernt?

Kretschmann: Ja.

Ricore: Vermissen Sie es manchmal einen Trabbi zu fahren?

Kretschmann: Nein, ich bin kein Masochist (lacht).

Ricore: Welches Traumauto haben Sie?

Kretschmann: Ich habe das Glück, dass ich mir momentan jeden Wagen leisten könnte, den ich haben wollte. Generell ist mir aufgefallen, dass Menschen darum bemüht sind, dass ihr Bild nach außen sehr gut scheint. Das fängt meist bei Autos an. Ich hingegen sitze im Auto und sehe es nur, wenn ich ein und aussteige. Worauf es beim Auto ankommt, ist der Fahrtkomfort. Wie es für diejenigen aussieht, an denen ich vorbeifahre, ist für mich uninteressant.

Ricore: John Lasseter hat im Interview gerade gesagt, dass er Sie unbedingt als Professor Z haben wollte, weil er Sie als Schauspieler schätzt. Beruht das auf Gegenseitigkeit? Kennen Sie sich mit seiner Arbeit aus?

Kretschmann: Ich empfand es als großes Kompliment, dass sie mich angefragt haben. Pixar ist das tollste und größte Studio für Animationsfilme. Alles was die machen ist quasi legendär. Das hat viel damit zu tun, dass sie so viel Herzblut in ihre Arbeit stecken. Lasseter macht alles mit dem Herzen. Welches Studio schmeißt sonst einen ganzen Film weg, weil es denkt, dass er nicht so geworden ist, wie man es wollte? "Toy Story 2" haben sie beispielsweise zwei Mal bearbeitet, weil ihnen die erste Version nicht gefallen hat. Das macht nur jemand, der wirklich eine Vision hat.


Thomas Kretschmann als Sprachforscher in "Dschungelkind"

Universal Pictures International

Ricore: Gibt es bei Rollen-Anfragen aus Deutschland gewisse Hemmschwellen, weil Sie der deutsche Hollywoodstar sind?

Kretschmann: Das kann gut sein. Ich stehe auch nicht so viel zur Verfügung. Es ist schwieriger, mich zu beschäftigen, weil man mich aus Los Angeles einfliegen muss. Das ist komplizierter, als von Berlin nach Berlin anzurufen und zu sagen: Komm, wir drehen jetzt. Außerdem entsteht bei jemandem, der einen Tatort dreht und mich kurz vorher mit Angelina Jolie im Kino gesehen hat, tatsächlich eine Hemmschwelle. Meistens würde ich es aber auch nicht machen. Andererseits gibt es auch Rollen, die ich gerne gemacht hätte, die mir aber nicht angeboten werden.

Ricore: Bald sind Sie in der Komödie "What a Man" von Matthias Schweighöfer zu sehen. Weshalb spielen Sie so selten in Komödien?

Kretschmann: Das hat sich so ergeben. Mein erster großer Film war "Stalingrad" und irgendwie bin ich seither Spezialist für klassische und historische Stoffe. Ich hätte gerne mal eine Komödie gemacht, aber mir wurde kaum eine angeboten. Meine erste Komödie habe ich vor zwei oder drei Jahren in Neuseeland gemacht. Matthias hat mich gefragt, weil wir uns kennen.

Ricore: Hat der Dreh denn Spaß gemacht und können Sie sich vorstellen, das zu wiederholen?

Kretschmann: Auf jeden Fall. Bei Komödien muss man sich nicht so quälen wie bei dramatischen Rollen. Da hat man es als Schauspieler einfacher (lacht). Dass Komödien wahnsinnig schwierig sind, kann ich nicht unterschreiben. Ich finde, dass es einfach eine Timing-Frage ist. Und die kann man nicht lernen. Ein anderes Problem ist, dass das, was viele andere lustig finden, mich überhaupt nicht zum Lachen bringt. Ich bin eher an der dunkleren Seite des Humors angesiedelt.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  28.07.2011

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