Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
Universal Pictures (UPI)
Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
3D völlig irrelevant?
Interview: Autofan Rowan Atkinson
Vielen ist Rowan Atkinson als Mr. Bean bekannt. Im Interview mit Filmreporter.de erläutert der Schauspieler, wieso er den beliebten Straßenfeger wahrscheinlich nie mehr spielen wird. Jetzt hat er zum zweiten Mal Johnny English verkörpert. In "Johnny English - Jetzt erst recht!" muss Atkinson als Geheimagent die Tötung des chinesischen Premierministers verhindern. Weshalb die Komödie auf keinen Fall in 3D gedreht werden durfte und worum es in der Fortsetzung zunächst gehen sollte, erklärte er uns gut gelaunt.
Von  Heiko Thiele, Filmreporter.de,  6. Oktober 2011
Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
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Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
Ricore: In "Johnny English - Jetzt erst recht!" gibt es einen wundervollen Satz: "Mit dem Alter kommt die Weisheit". Stimmen Sie dem zu?

Rowan Atkinson: Ich weiß nicht mehr, wer diesen Satz geschrieben hat. Auf jeden Fall repräsentiert er ein wichtiges kreatives Statement des Films. Es war wichtig zu reflektieren, dass English älter geworden ist. Schließlich sind acht Jahre seit dem letzten Film vergangen. Aus dem Aspekt, dass er als Superagent aufgrund seines Alters nicht mehr alles machen kann, haben wir zahlreiche witzige Szenen gewonnen. Insofern war es vom kreativen Standpunkt her wichtig, sein Alter zu berücksichtigen. Das macht die Figur glaubwürdiger.

Ricore: Wie wichtig ist es, dass das Alter des Schauspielers mit dem seiner Rolle übereinstimmt?

Atkinson: Das ist meine Philosophie. Ich denke, dass das wichtig ist. Aber letztlich hängt es vom Schauspieler ab. Es ist schwierig, wenn du ein jugendlicher romantischer Action-Held bist und erkennen musst, dass du älter geworden bist. Für manche Schauspieler ist es schwierig, dies anzuerkennen. Nicht wegen ihnen selbst, sondern weil das Publikum den Darsteller immer in seiner gewohnten jugendlichen Rolle sehen möchte. Manche hoffen, dass das Publikum es akzeptiert, wenn sie so tun, als wären sie nicht gealtert. Der Vorteil von Komödien gegenüber ernsten Genre ist, dass man machen kann, was man will. Wenn man einen Witz über das Alter macht, ist das kein Problem. Für James Bond ist es schwieriger, Witze über sein Alter zu machen.

Ricore: Bezüglich Mr. Bean sagten Sie mal, dass er besser nicht altern sollte und sie die Figur daher nicht mehr spielen wollen.

Atkinson: Das ist korrekt. Ich möchte nicht miterleben wie er älter wird. Unglücklicherweise werde ich älter. Wenn ich Mr. Bean erneut spielen würde, müsste sein Alter angepasst werden. Ich finde es besser, ihn so in Erinnerung zu behalten, wie er vor fünf oder zehn Jahren war.
Johnny English - Jetzt erst recht!
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Johnny English - Jetzt erst recht!
Ricore: Wie kann man sich von Mr. Bean verabschieden?

Atkinson: Man darf niemals nie sagen. Vielleicht wäre ein alter Bean eine gute Idee, ich weiß es nicht. Momentan glaube ich das nicht. Ich schätze, dass es traurig aussehen würde, wenn Bean alt wäre. Ich habe ihn immer als zeitlose Figur im Alter zwischen 25 und 45 gesehen, weil man nie weiß, wie alt er tatsächlich ist. Ich bevorzuge es, ihn so in Erinnerung zu behalten.

Ricore: Ist es eine Befreiung, wenn man Charaktere wie Mr. Bean los wird?

Atkinson: Ich habe noch nicht ernsthaft über diesen Aspekt nachgedacht. In gewisser Weise haben Sie aber recht. Es stellt sich nicht die Frage: "Sollte ich, oder sollte ich nicht?" Es ist einfach zu Ende.

Ricore: Haben Sie schon als Kind davon geträumt, einen Geheimagenten zu spielen?

Atkinson: Ja, wie viele Jungs und Männer. Es macht wirklich Spaß einen Charakter wie James Bond zu spielen, auch wenn es nicht er selbst ist. Auch Johnny English versucht sich wie James Bond zu benehmen. Er ist sehr froh, Geheimagent zu sein. Man merkt, dass er für seinen Job nicht wirklich qualifiziert ist. Trotzdem kommt er damit zurecht. Er musste keine Tests machen, um als Geheimagent engagiert zu werden. English als Charakter lebt schlicht seine Fantasie aus. Genau wie er es liebt, James Bond zu spielen, liebe ich es, Johnny English zu sein.

Ricore: Vielleicht brauchen wir ja jemanden wie Johnny English, da sich James Bond so sehr verändert hat?

Atkinson: Das stimmt. Er nutzt die ganzen technischen Spielzeuge, auch wenn er sich nie daran erinnert, wie sie funktionieren. Ich glaube, dass es wesentlich einfacher ist, Johnny English als James Bond zu spielen. Bond-Filme zu machen ist diffizil, da schon so viel da ist. Die Geschichte hat eine jahrzehntealte Tradition. Außerdem müssen bei ihm Fragen wie "Was macht einen James Bond im 21. Jahrhundert aus?" gestellt werden. Für den nächsten Film bin ich dennoch optimistisch. Ich glaube an Sam Mendes als Regisseur. Die Chancen stehen gut, dass er seinen Job gut macht.
Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
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Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
Ricore: Vielen Dank übrigens, dass Sie "Johnny English - Jetzt erst recht!" nicht in 3D gedreht haben.

Atkinson: Ich habe zwei oder drei Filme in der dritten Dimension gesehen. Allerdings hat mir das nichts gegeben [Schüttelt leicht angewidert den Kopf] - speziell bei einem Animationsfilm wie "Toy Story 3". "Avatar - Aufbruch nach Pandora" war hingegen wirklich gut, aber das ist auch keine Komödie. Ich bin der Meinung, dass für Komödien und Animationsfilme 3D irrelevant ist. Bei Action-Spektakeln kann ich noch am ehesten nachvollziehen, dass der optische Effekt den Film aufwerten kann. Vielleicht ist 3D eine kurzzeitige Erscheinung. Womöglich täusche ich mich auch. Auf jeden Fall finde ich den Gedanken schrecklich, im Kino eine Brille aufsetzen zu müssen, um einen Film sehen zu können.

Ricore: Wie wichtig ist es, dass ein Film politisch korrekt ist?

Atkinson: Das weiß ich nicht genau. Das beeinflusst mich kaum. Ich denke darüber nicht nach. Letzte Woche wurde ich gefragt, ob für meinen Sidekick ein Farbiger verpflichtet wurde, um moderner zu sein. Das hat mich sehr gestört. Ich dachte nur, dass wir das nicht deswegen getan haben. Wir engagierten einen Farbigen, weil Daniel Kaluuya der richtige aus 45 Bewerbern war. Seine Hautfarbe war völlig egal. Wenn das der Geschichte mehr Modernität verleiht - meinetwegen. Aber das war definitiv nicht der Grund. Für das Gelingen einer Komödie ist die Hautfarbe unwichtig. Was sich seit "Johnny English" jedoch verändert hat ist, dass Kino-Komödien sich inzwischen erwachsener geben. Die Sprache ist rüde, es gibt einen Hang zur Gewalt - ganz im Stile von Filmen wie "Hangover". Mir gefällt ein derber Humor durchaus. Allerdings bin ich überrascht, wie hart der Humor oftmals wirklich ist.

Ricore: Müssen Filme wieder eleganter werden?

Atkinson: Ich befinde mich nicht auf einem Feldzug gegen diesen rüden Humor. Ich bin einfach ein Typ, dem dieser Humor nicht immer gefällt. Es ist okay, wenn Leute dafür Geld ausgeben wollen, aber meine Sache ist das nicht. "Johnny English - Jetzt erst recht!" etwa ist eine Familienkomödie. Filme dieser Art, die nicht animiert sind und in der keine Kinder oder Tiere spielen, sind wirklich rar. Johnny English ist eine Ausnahme. Mir gefällt besonders, dass er eine so breite Altersschicht anspricht.

Ricore: Wird "Johnny English - Jetzt erst recht!" trotz seiner Anfangssequenz in China starten?

Atkinson: Unglücklicherweise nicht, ich war sehr irritiert. Ihnen missfiel die Idee, dass jemand auch nur auf die Idee kommen könnte, den chinesischen Premierminister zu töten. Sie hatten weitere aberwitzige Dinge an der Geschichte auszusetzen: Ihnen gefiel etwa nicht, das unser chinesischer Minister von kräftiger Statur ist. Sie behaupteten, dass ein chinesischer Premierminister niemals dick sei [lacht]. Da beginnt man sich zu fragen, was man da noch machen soll. Tatsächlich hatte "Johnny English - Jetzt erst recht!" zunächst einen wesentlich komplizierteren und interessanteren Plot.
Johnny English - Jetzt erst recht!
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Ricore: Wie sah dieser aus?

Atkinson: Bei dem ursprünglichen Plot ging es um Hardliner in der chinesischen Regierung. Diese wollen ihren Präsidenten töten, da dieser sich zu liberal gebe und sich dem Westen öffne. Die alte Geschichte fand ich wesentlich glaubwürdiger. Uns wurde gesagt, dass man diesen Aspekt herausnehmen müsse, wenn man "Johnny English - Jetzt erst recht!" auch nach China verkaufen wolle. Deshalb wurde die jetzige Version realisiert. Wie man sieht, war die Mühe umsonst. Dies zeigt, welche künstlerischen Kompromisse man machen muss.

Ricore: Welche Filme haben Sie in Ihrer Kindheit beeinflusst?

Atkinson: Zum einen die James Bond-Reihe, in der ich 1983 einen Kurzauftritt hatte. Außerdem gab es traditionelle Kriegsfilme sowie grandiose Komödien von und mit Peter Sellers. Dessen Werke scheinen heute wieder beliebter zu werden.

Ricore: Als Fan von Sportwagen, müssen Sie sich in "Johnny English - Jetzt erst recht!" wie ein kleines Kind im Süßigkeitenladen gefühlt haben.

Atkinson: Stimmt. Der Rolls-Royce war meine Idee, weil ich seit fünf Jahren keinen Phantom mehr gefahren habe. Was mir an dem Auto besonders gefiel, war seine Feinfühligkeit. Es war, als würde es sich um mich kümmern. Im Film hat das Auto nicht nur eine stützende Funktion, sondern einen richtigen Charakter. Er 'mimt' seine Rolle wie ein alter Freund. Der Rolls-Royce passt besser zu English, als der Aston Martin aus dem ersten Teil. Diesen hat man schon zu oft gesehen und deshalb ist er langweilig geworden. Zudem wird er zu sehr mit James Bond verbunden.

Ricore: Stimmt es, dass Ihre Leidenschaft für Autos damit begonnen hat, dass Sie den Wagen Ihrer Mutter auf der Familien-Farm gefahren haben?

Atkinson: Korrekt. Genau so ist es passiert. Das ist wirklich eine große Leidenschaft von mir. Auch Autorennen machen mir viel Spaß. Unser Rolls-Royce war sehr amüsant, da ich etwas einzigartiges haben wollte.
Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
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Rowan Atkinson in "Johnny English - Jetzt erst recht!"
Ricore: Haben die Fahrten im Rollstuhl Spaß gemacht?

Atkinson: Glücklicherweise habe ich im realen Leben noch keinen Rollstuhl gebraucht. Die Szene haben wir eingebaut, um der Verfolgungsjagd comichafte Züge zu verleihen. Eine solche Hatz ist für einen Agentenfilm natürlich essentiell. Durch den Rollstuhl sollte diese nicht zu ernst werden. Ich fand die Idee toll, dass eines der Autos ein besonderer Rollstuhl sein könnte. Es war echt lustig. Wir hatten drei präparierte Rollstühle. Sie wurden bis zu 70 Kilometer schnell! Das war ganz schön beängstigend, der Dreh war sehr gefährlich.

Ricore: Wie froh sind Sie, dass Sie Ihr Honorar in britischem Pfund ausbezahlt bekommen?

Atkinson: [Lacht] Ich bin schon froh, kein Mitglied der Eurozone zu sein. Aber das kann sich ändern. Jeden Tag kommen neue Hiobsbotschaften aus der Finanzwelt.

Ricore: Inzwischen wird im Fernsehen vieles von der Quote abhängig gemacht. Wenn die Pilotsendung schlecht läuft, wird das ganze Projekt eingestampft. War die Arbeit vor 20 Jahren einfacher?

Atkinson: Ich war sehr froh in den 1980er- und 90er-Jahren fürs Fernsehen gearbeitet zu haben. Es war damals einfacher, Comedy-Shows zu machen und Risiken einzugehen. Man konnte Dinge machen, die vom Zuschauer nicht erwartet wurden. Heute ist das schwieriger. Das ist wirklich beschämend. Das Umfeld der Medien ist härter geworden.

Ricore: Wie viel Kontrolle haben Sie über die Filme, in denen Sie die Hauptrolle spielen?

Atkinson: Ich versuche so viel Einfluss zu nehmen, als möglich. Nur so kann ich gut arbeiten. Deshalb nehme ich schon an den ersten Drehbuchmeetings teil. Außerdem beschäftige ich mich mit allen anderen anfallenden Dingen. So auch bei den vier "Bean"- und "English"-Filmen. Da die Resultate bisher stets ordentlich waren, scheint dies für mich der beste Weg zu sein, Filme zu machen. Manchmal würde ich aber schon gerne die Kontrolle abgeben, da es sehr stressig ist, für so viele Dinge verantwortlich zu sein. Ich strebe daher manchmal den traditionellen Hollywood-Schauspielern nach, die an den Set kommen, sieben Wochen drehen und danach nach Hause gehen. Dafür bekommen sie viel Geld bezahlt und drehen danach gleich wieder einen Film. Das hatte ich noch nicht.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Heiko Thiele, Filmreporter.de,  6. Oktober 2011
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