Interview: Michael Nyqvist zu Mission: Impossible - Phantom Protokoll | FILMREPORTER.de
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Noomi Rapace und Michael Nyqvist in "Verblendung"

Noomi Rapace und Michael Nyqvist in "Verblendung"

Ricore: Wie schwierig war es, Ihre biologischen Eltern zu finden?

Nyqvist: Das war hart. Ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Die Erfahrungen habe ich in einem Buch festgehalten. Auf Englisch heißt es "Just after dreaming". Es war ein langer Weg, doch am Ende ging alles gut aus.

Ricore: Wie war es für Sie, als Sie zum ersten Mal Ihre biologischen Eltern trafen?

Nyqvist: Ich bin in Schweden aufgewachsen. Dort wird vor allem die Auffassung vertreten, dass man in seiner Entwicklung in erster Linie von der Umwelt beeinflusst wird. Doch ich stellte fest, dass das nicht wahr ist. Als ich sie traf, wusste ich sofort, wo ich herkam. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten, wie zwei identische Computer, in denen bloß die Schaltkreise ein wenig anders sind. Das war eine großartige Entdeckung für mich.

Ricore: Ihr biologischer Vater ist Italiener. Wie wichtig sind Ihnen Ihre italienischen Wurzeln?

Nyqvist: Schon bevor ich meinen Vater gefunden hatte, war ich so italienisch. Ich bin in die Pizzeria gegangen und habe dauernd Italienisch gesprochen. Als ich meine Wurzeln gefunden hatte, wurde ich selbstbewusster und musste mir nicht mehr dauernd selbst beweisen, wo ich herkomme.

Ricore: Warum haben Sie die Notwendigkeit verspürt, die Suche nach Ihren biologischen Eltern in einem Buch festzuhalten?

Nyqvist: Alles, was ich bislang über Adoption gelesen hatte, wurde stets aus Sicht der Eltern geschildert. Ich wollte es aus der Perspektive des Kindes erzählen. Zudem hat es mich geärgert, immer wieder lesen zu müssen, dass bei Adoptionen Alkohol, Drogenmissbrauch oder sogar Selbstmord eine Rolle spielen. Doch das ist nicht wahr. In unserem Leben gibt es grundlegende Fragen, die wir uns alle stellen und wenn man adoptiert ist, macht es das noch schwieriger. Ich will Menschen in so einer Situation Mut machen.

Michael Nyqvist in "Verblendung"

Michael Nyqvist in "Verblendung"

Ricore: Wie wichtig ist das Schreiben generell für Sie?

Nyqvist: Ich liebe es zu schreiben. Für mich hat es eine reinigende Wirkung. Als Schauspieler muss man sich immer bei anderen Leuten vergewissern, ob man das erwartete Ergebnis abgeliefert hat. Beim Schreiben bin ich beim schöpferischen Prozess zu 100 Prozent auf mich allein gestellt. Es ist befreiend, sich hinzusetzen, gute Musik laufen zu lassen und loszuschreiben. Ich liebe es und versuche mir dafür Zeit zu nehmen. Momentan schreibe ich mein zweites Buch.

Ricore: Wovon handelt es?

Nyqvist: Es ist ganz anders, als das erste. Durch all meine Reisen habe ich wohl eine etwas seltsame Sicht auf das Leben. Davon soll das Buch handeln.

Ricore: Was meinen Sie mit der seltsamen Sicht auf das Leben?

Nyqvist: Es können Reflektionen über die Kunst, ein Land oder die Liebe sein. Es soll eine Art poetisches Tagebuch werden.

Ricore: Sie wurden mal zum Sexiest Man in Schweden gewählt. Was halten Sie von dieser Ehrung?

Nyqvist: Das verlangt einem viel ab [lacht]. Das ist bereits einige Jahre her. Ich weiß nicht, warum man sich für mich entschieden hat. Es war toll, ein Jahr lang der Sexiest Man zu sein. Wenn eine Frau nicht mit einem tanzen will, kann man sagen: "Sorry, doch ich bin der Sexiest Man in Schweden. Daher müssen Sie zustimmen." [lacht]

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Carlos Corbelle/Filmreporter.de - 22. Dezember 2011

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