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Interview

Robert Pattinson auf der Weltpremiere von "Bel Ami"

Christian Schulz

"Erfolg ist wichtig"
Verblüffter Robert Pattinson
Es ist, als würde man Eric Packer aus "Cosmopolis" gegenübersitzen. Der Raum, in dem das Interview mit Robert Pattinson stattfindet, ist abgedunkelt. Er sitzt in einem großen Sessel vor dem Fenster. So blendet das Gegenlicht und man kann sein Gesicht kaum erkennen. Der 26-jährige Superstar ist komplett schwarz gekleidet. Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt und eine schwarze Levis Jeansjacke. Während des kurzen Gesprächs spielt er nervös mit einem Zahnstocher. Angeblich versucht er gerade, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Fragen beantwortet er freundlich - solange sie nicht sein Privatleben betreffen.
Cosmopolis

Falcom Media

Ricore Text: Hatten Sie etwas Zeit, sich Berlin anzusehen?

Robert Pattinson: Ich habe niemals Zeit, was mir ziemlich auf die Nerven geht. Ich habe das Gefühl, dass ich alle zwei Monate hier in der Stadt bin, aber immer nur für einen Tag.

Ricore: Wie waren die Dreharbeiten in der Limo? Die Kamera scheint immer ziemlich nah an Ihnen zu sein.

Pattinson: Die Limo hatte die gleiche Größe, wie andere Limousinen. Allerdings konnte man sie auseinanderbauen. Die Kamera war auf einem Kran und konnte sich frei bewegen. Die meiste Zeit war sie allerdings so nah [hält sich die Hand nur wenige Zentimeter vors Gesicht]. Es war, als wäre ich allein mit einem Roboter im Auto. Am Anfang war es seltsam, aber man bekommt so eine völlig andere Beziehung zur Kamera. Ich war mir gleichermaßen bewusster und auch unbewusster, dass die Kamera da war.

Ricore: Wie war es, eine Figur zu spielen, die sich so wenig bewegt?

Pattinson: Anders. Schon vor den Dreharbeiten war klar, dass man wenig über Eric Packer erfahren sollte. Nichts sollte von seinem Äußeren Rückschlüsse zulassen, weder der Anzug, noch die Frisur oder die Sonnenbrille. Für die erste Szene saß ich also im Auto, meine Kleidung sagte nichts aus, mein Gesicht war völlig reglos und ich hatte wegen der Brille keine Augen. Das war eines der unheimlichsten Dinge, die ich je getan habe.

Ricore: Was halten Sie von Eric Packer?

Pattinson: Ich mag ihn!

Ricore: Wirklich?

Pattinson: Ja. Manche Leute halten ihn für teilnahmslos. Vielleicht ist das ist meine Schuld. Ich wollte ihn menschlicher machen. Manche sehen das. Aber andere denken, er sei ein Typ, der sich um nichts Gedanken macht. Doch das stimmt nicht. Er macht sich Gedanken. Das Problem ist nur, dass er ein absoluter Egomane ist. Er hält sich für Gott. Aber nicht auf machthungrige Art, sondern er denkt einfach, dass es so ist.


Robert Pattinson in "Cosmopolis"

Falcom Media

Ricore: Um was macht er sich Gedanken?

Pattinson: Er möchte die Welt zu einem besseren Ort machen. Aber nur er und seine Ideen können die Welt besser machen. Dabei macht er sich aber keine Gedanken um andere Menschen und wie er die Welt für sie ändern könnte. Denn für ihn existiert nur er selbst.

Ricore: Was mochten Sie an der Figur?

Pattinson: Ich finde ihn witzig. Wenn er mit Leuten spricht, versucht er sie nicht abzuwerten, sondern auf seine Ebene hochzuziehen. Aber meistens wird er von seinem Gegenüber enttäuscht. Wenn aber doch jemand etwas Intelligentes sagt, ist er überrascht. Das macht ihn neugierig. Zum Beispiel als er am Ende auf Paul Giamattis Charakter trifft. Er giert nach Wissen.

Ricore: Diese letzte Szene ist sehr lang...

Pattinson: Ja, allerdings. Im Drehbuch waren es 22 Seiten. Am Ende ist es fast ein eigener kleiner Film geworden. Paul ist großartig.

Ricore: Wie reagierten Sie, als David Cronenberg wegen der Rolle auf Sie zukam?

Pattinson: Ich war verblüfft. Er ist einer der großartigsten Regisseure überhaupt. Und dann auch noch dieses Script. Ich meine, ich bin in jeder Szene des Films zu sehen. Das war eine Menge Text.


Robert Pattinson in "Remember Me"

Concorde Filmverleih

Ricore: Vor dem Kino warten seit heute Morgen Ihre Fans. Glauben Sie, dass ihnen der Film gefällt?

Pattinson: Es ist Wahnsinn. Natürlich wird sich nicht jeder von ihnen den Film ansehen, aber einige schon. Das tolle an ihnen ist, auch wenn sie den Film nicht verstehen, werden sie trotzdem versuchen, ihn zu verstehen. Ich habe 16-Jährige getroffen, die sich das Buch gekauft haben. Und das ist doch toll, dass sie jetzt DeLillo lesen. Wer könnte sie sonst dazu inspirieren [lacht]. Vor dem Film hatte ich auch noch nichts von ihm gelesen und jetzt verschlinge ich seine Bücher.

Ricore: Wie war es, ihn zu treffen?

Pattinson: Er war ganz anders, als ich erwartet hatte. Er ist witzig. Und sehr direkt. Er interessiert sich sehr für Filme und weiß eine Menge darüber.

Ricore: Im Film geht es um Geld und Erfolg. Wie wichtig sind diese Dinge für sie?

Pattinson: Erfolg ist wichtig. Geld... auch nicht, aber es wird wichtiger, je älter man wird. Wenn man jung ist, interessiert man sich nicht besonders für Geld. Geld ist keine große Sache, erst wenn man es nicht hat, wird es zu einer.

Ricore: Noch eine private Frage: Was haben Sie Kristen zu ihrem Geburtstag geschenkt?

Pattinson: Sorry, ich rede niemals über persönliche Dinge.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.

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