FILMREPORTER.DE
Best Entertainment
Filmreporter-RSS

Interview

Teresa Weißbach auf der Pressekonferenz zu "Bamberger Reiter"

Mathias Ulrich/Ricore Text

"Ich bin nicht nur Sonnenallee!"

Gewandelte Teresa Weißbach?

Teresa Weißbach ist die hübsche Blonde aus der "Sonnenallee". Dieses Image haftet der mittlerweile 31-jährigen Schauspielerin nun schon seit 14 Jahren an. Dass sie auch anders kann und mit dem Klischee der süßen DDR-Miriam längst aufgeräumt hat, beweist sie als überambitionierte Kommissarin in dem Heimatkrimi "Bamberger Reiter. Ein Frankenkrimi". Zu sehen gibt es den Film am 27. Oktober im BR. Warum es für Teresa Weißbach nie eine Alternative zur Schauspielerei gab und welche künstlerischen Qualitäten sie sonst noch hat, verrät sie im Interview mit Filmreporter.de.

Ricore: Sie spielen in "Bamberger Reiter. Ein Frankenkrimi" eine Kommissarin. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Teresa Weißbach: Ich arbeite sehr gerne mit einem Coach aus Berlin. Wie gehen gemeinsam durch die Szenen und sehen uns die Beweggründe der Figur an. Ich versuche zu erfassen, was diese Figur vorantreibt, was ihre Sehnsüchte, Bedürfnisse und Hindernisse sind. So bekomme ich eine konkrete Vorstellung von ihr.

Ricore: Haben Sie sich speziell mit Kriminalität auseinandergesetzt?

Weißbach: Nein, fast gar nicht. Die Qualität von diesem Film liegt in der Menschlichkeit und den zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei rückt der polizeiliche Aspekt stark in den Hintergrund. Für genauere Fragen bin ich zu einem Polizeipräsidium in Bamberg gegangen, die mich sehr gut beraten haben. Mir ist schon wichtig, dass die Zuschauer vor dem Fernseher nicht denken, ich hätte keine Ahnung. Da bin ich sehr ehrgeizig.

Ricore: Ihr Charakter gilt als überambitioniert. Sind Sie das auch?

Weißbach: Ich glaube schon. Ich habe einen Hang zum Perfektionismus, lege den aber immer mehr ab und bin dabei, zu meinen Ecken, Kanten und Schwächen zu stehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir das gut tut und ich mich damit wohler fühle. In der Hinsicht sind meine Rolle und ich sehr unterschiedlich.

Ricore: Mussten Sie das Western-Reiten für den Film lernen? Oder reiten Sie auch privat?

Weißbach: Ich bin vorher schon geritten, aber eher klassisch und auch nicht besonders gut. Deswegen habe ich mich auf die Herausforderung besonders gefreut. Wenn ich weiter reite, werde ich mich fürs Western-Reiten entscheiden. Das macht mir unheimlich Spaß. Pferde sind ganz tolle Tiere und mir gefällt das ganze Milieu.

Ricore: Sie spielen neben Film und Fernsehen viel am Theater? Welche Arbeit sagt Ihnen mehr zu?

Weißbach: Ich habe es bisher zum Glück hinbekommen, dass ich immer beides machen kann. Zusätzlich habe ich noch ein Solo-Programm, mit dem ich auf Tour bin. Dabei kann ich auch noch meine gesangliche Lust und Leidenschaft ausleben. Ich bin einfach durch und durch Schauspielerin, und ob das nun auf der Bühne ist oder vor der Kamera, Hauptsache ich kann spielen. Ich bin immer mit Leib und Seele dabei.


Ricore: Können Sie uns von besonderen Filmerlebnissen in letzter Zeit berichten?

Weißbach: Ich komme so viel rum und kann an so vielen tollen Orten arbeiten. Zum Beispiel habe ich diesen Sommer bei den Nibelungenfestspielen in Worms mitgewirkt. Das Ganze fand vor dem Dom statt. Der kürzeste Weg zu unserem Auftrittsort führte direkt durch. Ich bin also immer abends mit Bademantel und Wärmflasche durch den Wormser Dom gegangen und habe mir gedacht "Du hast gerade den schönsten Arbeitsplatz der Welt". Dafür empfinde ich so viel Dankbarkeit und das macht mich einfach sehr glücklich.

Ricore: Wollten Sie schon immer Schauspielerin werden. Oder wäre Bäckerin wie ihr Vater eine Alternative gewesen?

Weißbach: Ich wollte Schauspielerin werden, seit ich denken kann. Für mich gab es nie eine Alternative. Ich glaube schon, dass das etwas mit Bestimmung oder Berufung zu tun hat. Für mich war diese Stimme in mir "ich möchte Schauspielerin werden" immer sehr laut. Seit ich neun Jahre bin, spiele ich Theatern. Es gab nie eine andere Option.

Ricore: Sie sind mit Ihrem Soloprogramm "In der Bar zum Crocodil" seit über zwei Jahren auf Tour. Wie lange führen Sie die Produktion noch auf?

Weißbach: Ich möchte das Programm gerne noch sehr lange machen. Das ist ein sehr persönlicher Abend, der sich verändert und damit wächst.

Ricore: Das Stück spielt in den 20er Jahren? Was reizt Sie an diesem Jahrzehnt?

Weißbach: In dieser Zeit haben sich die Frauen zum ersten Mal dafür entschieden, nicht mehr nur Hausfrau und Mutter zu sein, sondern auch Künstlerin. Ich finde, dass dieses Thema auch heute noch sehr aktuell ist: Wie schafft man diesen Spagat zwischen Familie und Beruf? Wir Frauen kommen immer früher oder später wieder an diesen Punkt: Für was entscheide ich mich oder wie kriege ich beides unter einen Hut. Damals ist das Thema zum ersten Mal hochgekommen und das interessiert mich.

Ricore: Spielen Glamour und Stil eine entscheidende Rolle?

Weißbach: Ja, das ist schon sehr interessant. Aber ich finde dieses Lebensgefühl viel wichtiger - der Tanz auf dem Vulkan - dieses Gefühl, heute alles auszuleben, denn morgen könnte es vorbei sein. Da gibt es zum einen diese große Freude und zum anderen diese Angst. Mich interessieren Kontraste und Widersprüchlichkeiten.


Ricore: Sie singen in dem Stück auch. Ist es das erste Mal für Sie?

Weißbach: In Theaterstücken habe ich natürlich schon gesungen. Aber so ein Gesangsprogramm mache ich zum ersten Mal. Ich bin tatsächlich erst durch diesen Abend zum Gesangslehrer gegangen. Es war aber immer schon mein Wunsch, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und ich möchte dem Singen auch treu bleiben.

Ricore: Also wird es weitere Projekte geben, in denen Sie als Sängerin auftreten?

Weißbach: Da werden sicher noch ähnliche Projekte folgen.

Ricore: Sie haben das Stück ja auch geschrieben. Ist das Schreiben eine Tätigkeit, die Sie näher interessiert und weiter betreiben wollen?

Weißbach: Das fällt mir schon schwerer. Ich hatte den Wunsch auf einen eigenen Abend und musste dann in den sauren Apfel beißen. Das Schreiben hat zwar Spaß gemacht. Aber im Moment ist Tätigkeit, die mich näher interessiert.

Ricore: Sie sind in Sachsen aufgewachsen, haben in Mecklenburg-Vorpommern studiert, leben in Berlin und spielen nun eine Kommissarin in Bayern. Reisen Sie gerne?

Weißbach: Ich bin froh, dass ich diesen Beruf habe, weil ich dadurch die Chance habe, in verschiedenen Städten kurzfristig zu Hause zu sein. Ich bin immer bemüht, dort eine Wohnung zu haben, weil ich dann abtauchen kann. Momentan ist Berlin meine Basis, da fühle ich mich sehr wohl. Aber umso älter ich werde, desto mehr merke ich. dass ich ins Grüne ziehen möchte. Ich brauche einfach die Natur, das erdet mich und da tanke ich auf.

Ricore: Seit Ihrer ersten Rolle in "Sonnenallee" sind einige Jahre vergangen. Inwiefern ist es Ihnen Ihrer Meinung nach gelungen, das Image der süßen Miriam Sommer hinter sich zu lassen?

Weißbach: Ich werde immer noch mit der Miriam aus der Sonnenallee in Verbindung gebracht. Das finde ich auch sehr schön. Das ist eine Arbeit, die mir große Freude gemacht hat und die eine Riesen-Chance für mich war. Deswegen stört mich das überhaupt nicht. Ich weiß, was ich in diesen 14 Jahren alles gemacht habe und was hinter mir liegt. Darauf bin ich auch stolz. Ich finde, die Kombination von allem macht mich aus. Ich möchte keine der Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe, missen. Denn jede Erfahrung hat mich weiter gebracht und mich reifen lassen.

Ricore: Wie ist es damals dazu gekommen, dass Sie die Rolle bekommen haben?

Weißbach: Leander Haußmann hat ein Dreivierteljahr in ganz Deutschland gecastet. Die Casterin hatte mich zufällig in Chemnitz über die Filmwerkstatt kennengelernt und hat mich dann nach Berlin eingeladen. So ist es dazu gekommen. In unserer Branche spielt Glück eine wahnsinnig große Rolle und ich hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und so glaube ich, dass alles einem großen Plan unterliegt und vorbestimmt ist. Ich weiß um viele gute Mächte, die mich begleiten und dafür bin ich einfach zutiefst dankbar. Auch für jede schlechte Erfahrung, die ich mache, kann ich über kurz oder lang einen tieferen Sinn erkennen. Und dann merke ich, dass es das Leben, auch wenn es manchmal weh tut, immer gut mit einem meint.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Thema


Weitere Interviews
Yuval Adler zu "Die Agentin" Frei nach dem Roman "The English Teacher" von Yiftach... weiter -
Annabel Jankel "Der Honiggarten - Das Geheimnis der Bienen" Annabel Jankel gehört seit den 1980er Jahren zu den... weiter -
Bernd Böhlich zu "Und der Zukunft zugewandt" Bernd Böhlich inszenierte etliche "Polizeiruf"-Episoden... weiter -