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Interview

Hannah Herzsprung auf der Premiere von "Hell"
Paramount Pictures

Heute zählt die Aufmerksamkeit

Hannah Herzsprungs Wünsche
Hannah Herzsprung gelingt mit "Vier Minuten" der Durchbruch als Mörderin, die ebenso aggressiv wie musikalisch begabt ist. Inzwischen gehört die 31-Jährige zu den gefragten Schauspielerinnen Deutschlands. Im gelungenen Animationsfilm "Die Hüter des Lichts 3D" spricht sie die Zahnfee, die samt Weihnachtsmann und Osterhase für den Glauben der Kinder kämpft. Weihnachten, Ostern, Familie und das Reich der Fantasie sind die Themen, über die sich Filmreporter.de mit Herzsprung im Interview unterhalten hat.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  29. November 2012
Die Hüter des Lichts 3D
Paramount Pictures
Die Hüter des Lichts 3D
Ricore: In "Die Hüter des Lichts" sind Sie zum ersten Mal als Synchronsprecherin tätig. Wie war der Einstand?

Hannah Herzsprung: Es war super. Ich wollte das schon immer machen und jetzt hat es endlich geklappt. Ich hatte gewisse Vorstellungen darüber, wie es sein würde. Ich bin mit hohen Erwartungen an die Sache rangegangen, die letztlich sogar übertroffen wurden. Beim Spielen nimmt man den Schauspieler als Ganzes wahr. In der Synchronisation geht es nur um die Stimme. Es ist erstaunlich, was man mit diesem Instrument alles ausdrücken kann.

Ricore: Ist es schwieriger in einem Animationsfilm eine Beziehung zum Charakter aufzubauen oder im Realfilm?

Herzsprung: Es klappte auf Anhieb. Zumal es eine tolle Vorlage von Isla Fisher gab, die die Zahnfee in der Originalfassung spricht. Das Wichtigste war, offen zu sein und sich selbst für lächerliche Bewegungen oder Grimassen nicht zu schade zu sein. Man sollte einfach Spaß haben.

Ricore: Die Zahnfee ist die Hüterin der Kindheitserinnerungen. Haben Sie eine besondere Erinnerung aus der Kindheit?

Herzsprung: Es ist die Erinnerung an die Zahnfee und die anderen 'Hüter des Lichts'. Ich bin tatsächlich mit diesen Figuren aufgewachsen. Ich kannte und glaubte an die Zahnfee. Alle meine Milchzähne wanderten unter das Kopfkissen und am nächsten Tag gab es eine Überraschung. Deshalb habe ich begeistert zugesagt, als ich das Angebot bekam, diese Figur zu sprechen. Auch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen habe ich geglaubt.

Ricore: ... und an den schwarzen Mann?

Herzsprung: Auch an den, aber nicht so sehr wie an die anderen. Klar hatte ich als Kind auch Angst vor der Dunkelheit, konnte nur mit Licht einschlafen oder krabbelte zu meinen Eltern ins Bett. Das fand ich herrlich, weil ich das Gefühl hatte, dass sie für mich da sind und mich beschützen.

Ricore: Zwischen Jack und der Zahnfee entwickelt sich eine zarte Zuneigung. Jack erweist sich im Film als sehr mutig und stellt sich seiner Angst. Was macht für Sie einen mutigen Mann aus?

Herzsprung: Jack Frost finde ich schon super. Er wird als Charakter eingeführt, der kinderlieb ist, mit ihnen herumalbert, sie beschützt und behütet. Anderseits weiß er nicht, was der Sinn seiner Existenz ist. Dann erweist er sich als Auserwählter und hilft der Clique im Kampf gegen den schwarzen Mann. Was die Zahnfee an ihm interessant findet, sind zunächst vor allem seine Zähne (lacht).


Hannah Herzsprung als Nonne in: "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"
Concorde Filmverleih
Hannah Herzsprung als Nonne in: "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"
Ricore: ... was überhaupt viele Frauen an Männern attraktiv finden.

Herzsprung: Oh ja, ich schaue gerne den Männern auf die Zähne. Sie haben schließlich viel mit dem Lachen zu tun.

Ricore: Wie viel Kind steckt in Ihnen?

Herzsprung: Man trägt immer das Kind in sich. Ich finde es schön, wenn Erwachsene zu Kindern werden. In jedem steckt eins und dieses Kindsein wird durch unterschiedliche Situationen hervorgeholt.

Ricore: Sind Schauspieler empfänglicher für das Fantastische und Märchenhafte als 'normale' Menschen, weil sie sich immer wieder in fremde Welten hineindenken müssen?

Herzsprung: Als Schauspieler muss man offen sein. Ich persönlich bin sehr neugierig und beobachte intensiv. Mich interessieren Menschen und wie sie reagieren. Entscheidend ist, dass man als Schauspieler die Bereitschaft mitbringt, sich der fiktiven Welt und dem jeweiligen Charakter zu öffnen.

Ricore: In "Die Hüter des Lichts" geht es auch um Vertrauen. Wie wichtig ist Ihnen Vertrauen?

Herzsprung: Vor allem in meinem Beruf ist Vertrauen sehr wichtig. Nur wenn ich Vertrauen habe, kann ich mich komplett öffnen. Nur dann kann ich die Rollen so ehrlich wie möglich spielen. Dann kann dieses magische Etwas passieren, das ich selber nicht erklären kann.

Ricore: Ein weiteres Thema des Films ist die Selbstfindung. Ist das überhaupt ein realistisches Konzept? Kann man sich als Mensch überhaupt finden oder ist man ein Leben lang auf der Suche?

Herzsprung: Das ist ein endloser Prozess. Ich finde die Suche nach dem eigenen Selbst geht immer weiter. Aber das macht das Leben erst so aufregend.

Ricore: Inwiefern waren Ihre Eltern Ihre Hüter des Lichts. Haben sie sich als Weihnachtsmann verkleidet und die Rolle des Osterhasen übernommen?

Herzsprung: Sie haben regelmäßig Leute engagiert, die den Weihnachtsmann spielten. An Ostern haben sie die Eier versteckt, damit ich an den Osterhasen glaubte. Hinzu kam, dass sie mir Geschichten dazu erzählten. Meine Mutter war eine sehr gute Geschichtenerzählerin. Sie hat mir jeden Abend etwas vorgelesen oder hat sich eine Geschichte ausgedacht. Einige erstreckten sich über ein Jahr. Ich bin dankbar, dass ich eine so bunte Kindheit mit so vielen Märchenfiguren und Hütern hatte.


Matthias Knop, Hannah Herzsprung und Florian David Fitz auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts (3D)" in München
Stefan Huhn/Ricore Text
Matthias Knop, Hannah Herzsprung und Florian David Fitz auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts (3D)" in München
Ricore: Haben Sie auch ganz fleißig Ihre Wünsche an den Weihnachtsmann geschrieben?

Herzsprung: Ja, ich habe neulich tatsächlich in einer alten Kiste einen Wunschzettel gefunden, den ich als Kind an den Weihnachtsmann geschrieben habe. Da hatte ich bis ins Detail erklärt, was ich mir als Geschenk wünsche, damit er bloß nicht das Falsche bringt.

Ricore: Was war das für ein Geschenk?

Herzsprung: Eins davon war zum Beispiel das Obstgarten-Brettspiel. Und weil ich eben nicht wusste, ob er das Spiel kennt, habe ich es ihm haargenau erklärt und aufgemalt.

Ricore: Was wären heute Ihre Wünsche?

Herzsprung: Heute sind es weniger die materiellen Dinger, über die man sich freut, als vielmehr über die Aufmerksamkeit hinter dem Geschenk. Da können es auch Kleinigkeiten sein, die zeigen, dass man an einen gedacht hat.

Ricore: Wie wichtig sind Ihnen heute die großen Familienfeste?

Herzsprung: Sie sind immer ein schöner Anlass, sich wieder in den Schutz der Eltern zu begeben. Es wird schön gekocht, es ist alles schön organisiert. Man darf wieder Kind sein und die Verantwortung ein bisschen abgeben.

Ricore: Eine ihrer nächsten Rollen ist Kaiserin Elisabeth in "Ludwig II". Haben Sie die Figur neu interpretieren können?

Herzsprung: Dafür hatte ich überhaupt nicht den Raum. Der Film konzentriert sich auf Ludwig II. Es ist seine Geschichte, sein Film. Wir zeigen Sissi nicht als junges Mädchen, wie wir sie aus den großartigen Filmen mit Romy Schneider kennen, sondern als eine etwa zehn Jahr ältere Frau. Sie war eine wichtige Person in Ludwigs Leben. Sie begegneten sich erst später, als Kinder hatten sie nicht viel miteinander zu tun. Ich habe sehr schöne und besondere Momente im Film.

Ricore: Spürten einen besonderen Druck angesichts der Tatsache, eine so bedeutende und beliebte Persönlichkeit darzustellen?

Herzsprung: Diesen Druck gibt es immer. Aber darüber muss man sich hinwegsetzen. Mein Beruf würde sonst keinen Spaß machen, wenn ich mir Gedanken über irgendwelche Erwartungen machen würde. Einigen wird es gefallen, was ich mit der Rolle gemacht habe, anderen nicht. Man muss das Beste aus sich herausholen und im Rahmen dessen arbeiten, was einem ermöglicht wird.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  29. November 2012

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