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Interview

Florian David Fitz
Tatjana Niezel/Ricore Text

Viele Möglichkeiten

Die Wege des Florian David Fitz
Florian David Fitz ist ein Mädchenschwarm. Das wissen wir spätestens seit seiner Rolle als attraktiver Arzt in der Serie "Doctor's Diary - Männer sind die beste Medizin". Dass der 38-Jährige nicht nur den Sunnyboy bedienen kann, hat er mit "vincent will meer" bewiesen. Anlässlich seiner Sprechrolle im Animationsfilm "Die Hüter des Lichts" hat sich Filmreporter.de mit Fitz unterhalten und mit ihm über Weihnachten, Helden der Kindheit und Ängste der Erwachsenen gesprochen.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  28. November 2012
Die Hüter des Lichts 3D
Paramount Pictures
Die Hüter des Lichts 3D
Ricore Text: Herr Fitz, "Die Hüter des Lichts" ist ein gutes Beispiel für Type-Casting, nicht wahr?

Florian David Fitz: (lacht) Oh, das müssen Sie am besten Paramount fragen. Bei mir sind die Haare noch nicht ganz so grau.

Ricore: Sind Sie eigentlich ein Wintertyp?

Fitz: Ja, anfangs mag ich den Winter sehr. Im März finde ich es aber anstrengend. Der Schnee ist immer nur ganz kurz schön. Als ich in Boston studiert habe, gab es einmal einen so krassen Blizzard, dass die ganze Stadt lahmgelegt war. Man konnte nicht einmal vor die Türen treten, weil sie vom Schnee verschüttet waren. Es hatte einen tollen Zauber an sich. Das ganze Leben stand still und es sah aus, als wäre es 1870. Das war sehr schön und dafür danke ich Jack Frost.

Ricore: Jack Frost stellt sich mutig dem Kampf gegen Pitch. Mussten Sie auch schon mal Mutproben überstehen?

Fitz: Ich gehöre eher zu den Leuten, die andere zu Mutproben anzetteln. Mein bester Freund war immer ein bisschen feige. Wenn wir irgendwelche Streiche angestellt haben, war ich derjenige, der sie ausgeführt hat. Meistens wurde ich erwischt, weil ich nicht besonders geschickt war. Unsere härteste Mutprobe war, als wir Blutsbrüder werden wollten, nachdem wir "Winnetou" gesehen hatten. Im Film schneiden sie sich fast die Pulsadern auf, was wir Gott sei Dank nicht gemacht haben. Mein Freund konnte sich mit Mühe und Not einen Tropfen Blut ausquetschen. Ich hatte von meinem Vater ein unerwartet scharfes Taschenmesser, mit dem ich mir die Fingerkuppe abschnitt. Ich musste mich nähen lassen. Die Spuren sieht man heute noch (lacht).

Ricore: Wann waren Sie zum letzten Mal mutig?

Fitz: Als Schauspieler muss ich oft mutig sein. Bei "vincent will meer" musste ich den Mut aufbringen, einen Mann mit Tourette-Syndrom zu spielen. Einige Menschen hätten mir auf die Fresse hauen können, wenn ich es nicht gut gemacht hätte. Bei "Die Vermessung der Welt" musste ich einen alten Wissenschaftler spielen. Das hätte auch schief gehen können. Auch mein nächstes Projekt "Jesus liebt mich" kann in die Hose gehen. Berufsbedingt muss ich immer mutig sein. Bis jetzt hatte ich immer Glück, wenn ich ins Ungewisse gesprungen bin.

Ricore: Wovor haben Sie Angst?

Fitz: Als ich neulich in den Bergen war, hatte zum ersten Mal richtig Höhenangst. Das ist wohl eine Alterserscheinung. Ich war total überrascht, weil ich früher sehr oft in die Berge gegangen bin. Es hat mich geärgert und war ich war sauer auf mich. Es war sehr steil und ich musste richtig tief durchatmen, um weitergehen zu können. Einen Freund von mir hat es gefreut, weil ich sonst nur austeile. Er lachte sich richtig schepp. Höhenangst ist ein komisches Gefühl. Es entsteht aus dem Nichts und nichts hilft dagegen. Das macht die ganze Sache noch schlimmer.


Florian David Fitz auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts" in München
Stefan Huhn/Ricore Text
Florian David Fitz auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts" in München
Ricore: In "Die Hüter des Lichts" geht es auch darum, dass Jack Frost auf der Suche nach seiner Identität ist. Wie wichtig ist Ihnen Verwurzelung?

Fitz: Das ist mir sehr wichtig. Als ich in den USA war, merkte ich, wie wichtig es ist, eine Heimat zu haben. Die Heimat lernt man erst kennen, wenn man weg ist. Wichtig ist aber auch, dass man ihr nicht zu nahe ist. Ich könnte zum Beispiel nicht wieder zu meinen Eltern einziehen. Das wäre ihnen sicher auch nicht recht. Aber sobald eine gewisse Distanz da ist, ist man total glücklich, dass man seine Eltern hat.

Ricore: Kennen Sie auch das Gefühl des Unsichtbar-Seins und des Nicht-Wahrgenommen-Werdens wie Jack Frost?

Fitz: Ich denke, dass jeder Mensch schon mal in der Situation gewesen ist, in der er sich unsichtbar gefühlt hat. Als Schauspieler kennt man das sicher auch.

Ricore: Gibt es auch den umgekehrten Fall, dass sie gerne unsichtbar wären?

Fitz: Ja, auch diese Situation dürfte jedem Vertraut sein: dass man in bestimmten Situationen einfach nicht da sein möchte. Als Schauspieler muss man sich daran gewöhnen, Kritiken zu lesen. Wenn man als Konsument Kritiken liest, denkt man, dass sie objektiv ist. Wenn man als Aktiver bestimmte Sachen besser kennt als der Kritiker, dann entdeckt man schon mal Fehler. Generell muss man mit Kritiken umgehen können. Sie sind ja an sich nichts Schlimmes. Wenn sie aber ungerecht sind, dann wird es problematisch.

Ricore: "Die Hüter des Lichts" sind alle Helden der Kinder. Wer war der Held Ihrer Kindheit?

Fitz: Der Weihnachtsmann und der Osterhase waren sicher keine Helden meiner Kindheit. Sie waren Figuren für die Fantasie. Bei mir gab es nicht einmal einen Weihnachtsmann, sondern das Christkind. Der Weihnachtsmann hat sich im Zuge der Amerikanisierung im Laufe der Jahre auch hier durchgesetzt. Es gab bei uns den Osterhasen, das Christkind, den Nikolaus und den Krampus. Bei Hannah (Herzsprung; Anm. der Redaktion) gab es schon die Zahnfee. Zu meiner Zeit wurden die Zähne noch in eine Streichholzschachtel getan, wofür man Geld bekam (lacht). Ganz schön materialistisch, finden Sie nicht (lacht)


Florian David Fitz und Hannah Herzsprung auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts (3D)" in München
Stefan Huhn/Ricore Text
Florian David Fitz und Hannah Herzsprung auf der Premiere von "Die Hüter des Lichts (3D)" in München
Ricore: Und wer sind heute ihre Helden?

Fitz: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Wenn ich jetzt eine Antwort gebe, dann steht morgen in der Zeitung: "Mein Held ist mein Vater". Da bin ich vorsichtig, sonst wird das zu kitschig. Ich möchte es nicht in eine Formel packen. Natürlich gibt es Leute, die für mich wichtig sind und meine Vorbilder sind, aber Held ist dafür ein zu schweres Wort.

Ricore: Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als sie merkten, dass das Christkind nur eine Erfindung ist?

Fitz: Nein, den Moment gab es nicht. Ich glaube aber, dass Kinder sehr viel früher wissen, dass das alles Illusion ist. Vielleicht spielen sie nur mit, weil sie sich betrügen lassen wollen.

Ricore: Gibt es die Angst vor dem schwarzen Mann auch bei Erwachsenen?

Fitz: Der schwarze Mann ist tatsächlich viel grundsätzlicher, er repräsentiert die Urangst des Menschen. Ich finde, es ist die Angst vor der Angst. Schon als Kind hat man mehr Angst davor, als vor etwas Konkretem. Wenn das Kind im Keller allein ist, denk es: wie krass wäre es, wenn jetzt jemand hier unten wäre und ich davor Angst hätte. In dem Moment fängt es an, sich darüber Gedanken zu machen und Angst zu bekommen. Schließlich hat es tatsächlich das Gefühl, dass jemand hinter seinem Rücken ist. Ein anderes Beispiel. Ich habe früher mit Freunden gerne nachts im See gebadet. Wir sprangen immer ins kalte dunkle Wasser und es machte mir großen Spaß. Bis ich mir Gedanken darüber machte, dass etwas im Wasser drin sein könnte. Ab diesem Gedanken, glaubte ich, dass da wirklich etwas drin ist. Und damit war die Angst da.

Ricore: Wie werden Sie Weihnachten feiern?

Fitz: Ich habe eine große Familie und werde mit ihnen feiern.


Florian David Fitz in "vincent will meer"
Constantin Film
Florian David Fitz in "vincent will meer"
Ricore: Gab es ein Weihnachtsfest, das sie besonders schön fanden?

Fitz: Natürlich sind die schönsten Weihnachtsfeste die, welche man in der Kindheit feiert. Diese Zeit und das Gefühl kann man später nicht mehr herstellen. Aber man kann dafür sorgen, dass die Kinder diesen Zauber erleben. Und das bereitet letztlich auch den Erwachsenen große Freude.

Ricore: Gibt es Situationen in Ihrem Leben, in denen Sie wieder zum Kind werden?

Fitz: Zum Beispiel beim Synchronisieren von "Die Hüter des Lichts". Das war die Weiterführung dessen, was ich auch als Kind gerne gemacht habe. Als ich "Der kleine Vampir" las, stellte ich mir vor, dass ich auch fliegen kann. Bei "Die Hüter des Lichts" hatte ich das konkrete Bild vor Augen und musste mich in die Situation hineinversetzen. Das hat Spaß gemacht.

Ricore: Im beruflichen Leben spielen sie viele Rollen. Sie sind nicht nur Schauspieler und Drehbuchautor, demnächst kommt mit "Jesus liebt mich" auch ihr erster Film in Eigenregie in die Kinos. Mit welcher dieser Tätigkeiten identifizieren sie sich am meisten?

Fitz: Mit allen gleichzeitig. Es gibt viele Dinge, die ein Mensch sein kann. Man sieht das auch daran, dass man sich in verschiedenen Freundeskreisen bewegen kann. Während man in einem gesellschaftlichen Umfeld schlagfertig ist, kriegt man im anderen den Mund nicht auf. Den Menschen definieren die Umstände. Im Krieg wären wir vermutlich alle anders als in Zeiten des Friedens. Ich finde es immer lächerlich, wenn jemand behauptet, dass er im Krieg so und nicht anders gehandelt hätte. Der Mensch hat viele Möglichkeiten. im Berufsleben ist das nicht anders. Man kann sich hier unterschiedlich entfalten. Und wenn ich eine Sache mache, dann mache ich das mit dem Herzen.

Ricore: Letzte Frage: Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Fitz: (lacht) Ich bin jetzt in einem Alter, wo meine Wünsche nicht mehr materieller Art sind. Aus diesem Grund sagt man auch schon mal Sätze, die man oft von älteren Leuten hört. Ich sage jetzt zwar nicht, dass ich mir Gesundheit wünsche, aber auch das wird sicher bald kommen (lacht).

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  28. November 2012

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