Interview: Jannis Niewöhner zu Saphirblau | FILMREPORTER.de
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Interview

Jannis Niewöhner in "Saphirblau"
"Ich erfülle meine Pflichten mit Leidenschaft"

Jannis Niewöhner ist angekommen

Auch in "Saphirblau", dem zweiten Teil der Verfilmung von Kerstin Giers "Edelstein-Trilogie", reisen Gideon und Gwenolyn durch die Zeit. Keine leichte Aufgabe, denn auf sie warten gefährliche Abenteuer. Durch die verantwortungsvolle Aufgabe wird auch ihre junge Beziehung auf die Probe gestellt. Filmreporter.de hat sich mit Jannis Niewöhner, dem sympathischen Hauptdarsteller des Fantasyabenteuers, getroffen und sich mit ihm über Romantik, Pflichten und Karriere unterhalten.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 13. August 2014

Jannis Niewöhner und Maria Ehrich lieben sich in allen Zeiten

Jannis Niewöhner und Maria Ehrich lieben sich in allen Zeiten

Keinen großen Druck
Ricore Text: Herr Niewöhner, setzt "Saphirblau" neue Schwerpunkte?

Jannis Niewöhner: Die Liebesgeschichte zwischen Gideon und Gwendolyn wird weitererzählt. Im ersten Teil necken sie sich, bis sie anfangen, sich füreinander zu interessieren. Am Ende verlieben sie sich ineinander. Im zweiten Teil wird ihre Liebe auf die Probe gestellt. Sie stehen unter dem Zwang, zusammenzuarbeiten, worunter ihre Beziehung leidet. Sie möchten viel lieber eine normale Beziehung führen, was aber nicht möglich ist, da ihnen so viel im Weg steht.

Ricore: Wie entwickelt sich Ihr Charakter im zweiten Teil? In "Rubinrot" ist er zunächst ein selbstverliebter Schnösel, bis er neue Aspekte seines Charakters erkennen lässt.

Niewöhner: Gideon ist in der Loge mit dem Wissen aufgewachsen, dass er eine Aufgabe zu erfüllen hat. Er spürt eine unglaubliche Last auf seinen Schultern. Mit der Beziehung zu Gwendolyn gerät er zwischen die Stühle. Auf der einen Seite will er gegenüber seiner Freundin aufrichtig sein, auf der anderen Seite seine Pflichten erfüllen, die ihm aufgetragen wurden. In diesem Zwiespalt muss er sich bewähren.

Ricore: Ist Ihnen der Konflikt zwischen den beruflichen Pflichten und dem persönlichen Leben vertraut?

Niewöhner: Noch spüre ich von meinem Beruf keinen großen Druck. Entweder es liegt daran, dass dieser Druck noch kommen wird oder dass ich meinen Beruf gerne ausübe. Meine Pflichten erfülle ich gerne und mit Leidenschaft.

Ricore: Sie spürten auch keinen Druck während der Arbeit zu "Saphirblau"? Immerhin hatten sie ganze zehn Tage weniger Drehtage als bei "Rubinrot".

Niewöhner: Wir kannten unsere Rollen schon und hatten eine relativ lange Vorbereitungsphase. Trotzdem war es eine anstrengende Zeit. Wir merkten sehr wohl, dass wir weniger Drehzeit zur Verfügung hatten. Wir mussten mehr Szenen an einem Tag drehen. Hinzu kam, dass wir am Abend für den nächsten Tag proben mussten, was auch nicht üblich ist. Wir wussten aber bereits vor den Dreharbeiten, dass die Zeit knapp sein wird und konnten uns darauf einstellen. Am Ende ging alles gut.

Ricore: Bei der verantwortungsvollen Aufgabe, die Gwendolyn und Gideon auferlegt werden, kommt die Romantik ein bisschen zu kurz. Daran droht die Beziehung der beiden zu scheitern. Wie ist Ihre Ansicht über Romantik?

Niewöhner: Es kommt darauf an, wie man Romantik definiert. Romantik ist, wenn man dem Partner zeigt, wie sehr man ihn liebt und wie wichtig er einem ist. Ich definiere sie nicht durch eine Blume am Valentinstag.

Jannis Niewöhner am SET von "Saphirblau"

Jannis Niewöhner am SET von "Saphirblau"

Jannis Niewöhner: für kurze Szene lange geübt
Ricore: Sie hängt also nicht von materiellen Dingen ab.

Niewöhner: Genau, und auch nicht von festen Terminen wie den Valentinstag oder andere Verabredungen. Romantik ist etwas Intimes und Ehrliches.

Ricore: Als Vorbereitung auf "Rubinrot" mussten Sie Fechten und andere Kampftechniken lernen. Vor welchen körperlichen Herausforderungen standen Sie dieses Mal?

Niewöhner: In "Saphirblau" gibt es eine Tanzszene, bei der wir ein Menuett tanzen mussten. Dafür gab es Unterrichtsstunden. Außerdem habe ich gelernt, Geige zu spielen. Dafür dass die Szene im Film nur so kurz ist, musste ich sehr lange üben...

Ricore: Mussten Sie richtig spielen lernen oder nur die Bewegung nachahmen?

Niewöhner: Ich musste das Stück schon richtig lernen. Am Schluss habe ich es immerhin so spielen können, dass man es erkannt hat (lacht). Es war aber noch immer sehr quietschend und ohrenbetäubend. Geige ist ein sehr komplexes Instrument. Um damit halbwegs grade Töne hinzukriegen, braucht es schon ein Jahr.

Ricore: Ein Motiv der Filmreihe ist die Zeitreise. Wie erklären Sie sich deren Faszination?

Niewöhner: Es ist ein spannender Gedanke, dass eine Person in einer Geschichte mehrere Zeiten erlebt. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie man in der Vergangenheit die Zukunft beeinflussen kann. Es ist ein sehr komplexes Thema. Dadurch dass es fiktiv ist, gibt es sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Ricore: Die Handlung von "Saphirblau" wechselt immer wieder zwischen Gegenwart, Anfang sowie Mitte des 20. Jahrhunderts und 18. Jahrhundert. Welche dieser Zeitperioden fanden sie optisch am spannendsten?

Niewöhner: Ich mochte das Jahr 1912. Da trage ich eine Uniform und einen Schnurrbart. Wenn man wie ich einen Hang zum Verkleiden hat, fühlt man sich generell in Kostümen sehr wohl (lacht). Es ist spannend zu beobachten, was die Verkleidung mit einem anstellt. Durch das jeweilige Kostüm ändert sich zwangsläufig auch die Haltung eines Menschen.

Liebe im Umbruch: Jannis Niewöhner und Maria Ehrich in "Saphirblau"

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Mitten im Geschäft
Ricore: Schauspielerisch haben Sie sich gegenüber "Rubinrot" noch einmal steigern können. Ist das das Ergebnis von Erfahrung oder der bewussten Beschäftigung mit dem Handwerk?

Niewöhner: Tatsächlich habe ich mich zwischen dem ersten und zweiten Teil einige Gedanken über meinen Beruf gemacht und einiges dazugelernt. Ich dachte darüber nach, was Schauspielerei für mich bedeutet und was für Möglichkeiten man als Schauspieler mit einem Charakter hat. Ich bin in einem Alter, in dem ich vieles dazulerne und mich bewusst wahrnehme. Ich merke, dass ich von Film zu Film neue Gedanken über die Schauspielerei und meine Rollen entwickle. Ich habe immer neue Ansprüche an mich selbst.

Ricore: Werden Sie auch in Bezug auf ihre Stellung in der Filmbranche abgeklärter?

Niewöhner: Auf eine Art fühle ich mich mitten drin im Geschäft. Ich mache den Job nun schon sehr lange. Wenn ich zum Dreh komme, bin ich recht entspannt. Andererseits gibt es am Set oft wenig Zeit, um Sachen zu lernen, die für einen Schauspieler oder für mich persönlich wichtig sind. Das fängt schon mit den grundlegendsten Dingen an, wie etwa den Körper als Instrument zu betrachten. Oder simple Techniken wie Schreien, ohne heiser zu werden. Kurzum: Ich bin mitten drin im Geschäft, habe allerdings noch vieles zu lernen.

Ricore: Ziehen Sie sich bei diesem autodidaktischen Prozess auch Kollegen zu Rate?

Niewöhner: Ja, ich habe viele Freunde in der Branche, mit denen ich mich darüber auseinandersetze. Oft sind das auch Dinge, die mit dem Leben zu tun haben. Zum Beispiel erwische ich mich oft dabei, jemanden zu beobachten, der einen interessanten Gang hat. Das nützt einem sehr bei der Gestaltung einer Figur. Ich finde es spannend, die Darstellung bestimmter Verhaltensweisen einer Figur mit der Realität abzugleichen. Oft verhalten sich Menschen in der Realität anders als im Film. Insofern setzt das Schauspielstudium bereits abseits des Drehprozesses an

Ricore: "Rubinrot" war Ihre erste Hauptrolle in einem Film. Würden Sie im Nachhinein sagen, dass der Film ein Einschnitt in ihrer Karriere markiert?

Niewöhner: Natürlich hatte ich nach dem Film mehr Pressetermine als sonst. Außerdem wurde ich auf der Straße öfters erkannt.

Ricore: Fürchten Sie, dass die Trilogie eine Image festlegende Wirkung haben könnte?

Niewöhner: Das Wichtigste ist, dass ich selbst offen für andere Projekte bleibe. Natürlich denke ich manchmal darüber nach, dass ich einige Jugendfilme gemacht habe. Zwar habe ich die gerne gemacht, dennoch möchte ich noch an andere Stoffe ran. Generell ist in Deutschland die Gefahr nicht so groß, abgestempelt zu werden wie zum Beispiel in Hollywood, wo man viel schneller in eine Nische gedrängt wird.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch

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