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Interview

Diane Keaton in: "Das grenzt an Liebe" (And So It Goes, 2014)
Senator Filmverleih

Im Bett mit Michael Douglas

Diane Keaton über Sex, Liebe und Filmküsse
Diane Keaton und Michael Douglas haben ihre Karrieren Anfang der 1970er Jahre begonnenen. In all den Jahren haben sie es geschafft, sich beruflich aus dem Weg zu gehen. "Harry und Sally"-Regisseur Rob Reiner hat nun die beiden Oscar-Preisträger für "Das grenzt an Liebe" vor die Kamera vereint. Keaton spielt eine einsame Barsängerin, Douglas einen verbitterten alten Griesgram. Über die Enkelin des Mannes kommen sich die beiden gegensätzlichen Naturen näher. Anlässlich des Kinostarts der romantischen Komödie hat sich Filmreporter.de mit Keaton getroffen und sich mit ihr über Gelegenheitssex, Liebe und Filmküsse unterhalten.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  5. November 2014
Haben nur auf der Leinwand Gelegenheitssex: Michael Douglas und Diane Keaton
Senator Filmverleih
Haben nur auf der Leinwand Gelegenheitssex: Michael Douglas und Diane Keaton

Gelegenheitssex, Frau Keaton?

Ricore Text: Frau Keaton, lassen Sie uns über Gelegenheitssex reden.

Diane Keaton: Da bin ich raus. Sex ist bei mir nicht mehr drin, ob Gelegenheitssex oder normaler Sex (lacht).

Ricore: Wie hielten Sie es mit dem Thema, als Sie noch jünger waren?

Keaton: Das ging alles an mir vorbei. Kein Gelegenheitssex.

Ricore: Wie ist es mit der Liebe? Ändert sich diesbezüglich im Laufe der Jahre etwas?

Keaton: Man kann sich im Alter sicher noch verlieben, aber es ist nicht mehr dasselbe. Es sei denn, man ist süchtig nach der einen großen Liebe, die man nicht loslassen kann.

Ricore: Wird die Liebe im Alter weniger kompliziert?

Keaton: Man macht nicht mehr die Fehler, da man als junger Mensch gemacht hat. Man stürzt sich nicht mehr Hals über Kopf in die Liebe.

Ricore: Weil man einen Koffer negativer Erfahrungen mit sich schleppt.

Keaton: Im Grunde ist der Menschen biologisch dazu veranlagt, sich in die Liebe zu stürzen. Wir sind dazu bestimmt, Sex zu haben, Kinder zu bekommen und all das. Als junger Mensch muss man an dieser Erfahrung teilhaben. Im Alter wird man bedächtiger, überlegter. Man weiß um seine Erfahrungen und Fehler und möchte sie nicht mehr wiederholen.

Ricore: Haben Sie sich mit Michael Douglas am Set über die Vergangenheit unterhalten?

Keaton: Nein, Michael ist nicht der Typ, der über die alte Zeiten redet. Er ist jemand, der nach vorne blickt.

Ricore: Sie haben ihre Karriere etwa zur gleichen Zeit begonnen.

Keaton: Michael hatte einen sehr interessanten Karrierestart. Er fing quasi als Produzent an. Dass er mit so jungen Jahren bereits einen Oscar für "Einer flog über das Kuckucksnest" erhalten hat, sagt viel über sein Gehirn aus. Dieser Mann ist in vielen Bereichen sehr talentiert. Auch seine Schauspielkarriere verlief sehr bemerkenswert. Er fing als Seriendarsteller an, dann machte er Kinofilme, unter anderem auch 'Gelegenheitssex'-Filme wie "Eine verhängnisvolle Affäre" und "Basic Instinct" (lacht). Dann drehte er "Wall Street" und erhielt einen Oscar als bester Schauspieler. Ein sehr faszinierender Mensch.


Diane Keaton hofft in "Das grenzt an Liebe" noch auf den Erfolg
Senator Filmverleih
Diane Keaton hofft in "Das grenzt an Liebe" noch auf den Erfolg

Michael Douglas auf Preisverleihungen begegnet

Ricore: Können Sie sich an Ihre erste Begegnung erinnern?

Keaton: Zum ersten Mal traf ich ihn, als er noch mit Brenda Vaccaro verlobt war. Über die Jahre bin ich ihm auf der einen oder anderen Preisverleihung begegnet.

Ricore: Wie war es, mit ihm Liebesszenen zu drehen?

Keaton: Es machte großen Spaß. Als Schauspieler hat man die Möglichkeit so zu tun, als ob man sich liebt. Einer der Gründe, warum man Schauspieler werden will, ist die Tatsache, dass man sein eigenes Leben beiseite stellen und in die Haut anderer Menschen schlüpfen kann. Ich habe es genossen, Michael zu küssen (lacht).

Ricore: Küsst man sich heute anders vor der Kamera als früher?

Keaton: Ja, es gibt Unterschiede. Heute ist das Küssen weniger von Außen gesteuert. Es geschieht spontaner. Man muss sich keine Sorgen machen, ob man richtig küsst. Man ist einfach da und tut es.

Ricore: Sie sind sehr gut in Form und sehen großartig aus. Was ist Ihr Geheimnis?

Keaton: Ich bin ängstlich. Ich brauche nicht viel, weil ich ein ängstlicher Mensch bin. Ich reise viel herum, bin beschäftigt und interessiere mich für Mode. Außerdem bin ich ein Laufband-Mensch (lacht).

Ricore: Wie ist diese Rastlosigkeit zu erklären?

Keaton: Das liegt in meiner DNA.

Ricore: Betrachten Sie die Schauspielerei als Beruf oder Berufung?

Keaton: Ich bin jemand, der ein Jobangebot bekommt und diesen Job erledigt. Wenn ich damit fertig bin, mache ich mich an die nächste Arbeit. Als Schauspieler führt man eine Art Nomadendasein. Man ist immer unterwegs.


Musikalisch: Diane Keaton in "Das grenzt an Liebe"
Senator Filmverleih
Musikalisch: Diane Keaton in "Das grenzt an Liebe"

Diane Keaton: Kein weiterer Film mit dem Ex

Ricore: Kommt es oft vor, dass Sie durch die Arbeit sich selbst besser kennenlernen?

Keaton: Sicher. Schauspieler möchten alle Facetten der menschlichen Natur kennenlernen. In Warren Beattys "Reds - Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit" verkörpere ich eine Frau, die ich nicht besonders mochte. Dennoch fand ich es interessant, sie zu spielen. Louise Bryant ist einerseits sehr wetteifernd, andererseits unglaublich untalentiert. Sie ist wie Antonio Salieri in "Amadeus", also jemand, der groß sein will, es aber nicht ist. Diesen Zwiespalt, der diese Frau lebendig auffrisst, fand ich sehr interessant.

Ricore: Was reizte sie an ihrem Charakter in "Das grenzt an Liebe"?

Keaton: Ich fand es schön, eine Frau zu verkörpern, der eine zweite Chance erhält. Leah ist eine der nettesten Menschen, die ich jemals gespielt habe. Sie ist durch und durch normal, lebt in einem Mehrfamilienhaus, umgeben von Mitbewohnern. Einer von ihnen ist ein echtes Arschloch. Indem sich die beiden wegen die Enkelin des Mannes zusammentun werden, kommt ihre aggressive Seite zum Vorschein. Zuvor war sie es nicht gewohnt, einem Mann gegenüber aggressiv zu sein. Mit Hilfe des augenscheinlich schrecklichen, im Grunde jedoch netten Kerls blüht sie also am Ende richtig auf.

Ricore: Sie sagten einmal, dass Sie sich nicht für eine große Schauspielerin halten. Was meinten Sie damit?

Keaton: Eine große Schauspielerin ist in der Lage, mit ihrer Rolle zu verschmelzen. Ich kann nicht besonders gut Akzente imitieren. Ich könnte es versuchen, würde es aber nicht wie Meryl Streep hinkriegen.

Ricore: Sie spielten in ihrer Karriere viele komische Rollen. Haben Sie ein Geheimrezept für das Komödiantische?

Keaton: Nein, das ist alles Woody Allen zuzuschreiben. Vor "Der Stadtneurotiker" drehten wir einige Filme, die im Wesentlichen eine Aneinanderreihung von Gags waren. In diesen Filmen habe ich gelernt, der komische Sidekick zu sein. Woody hat mir einiges beigebracht.

Ricore: Sind Sie noch immer miteinander befreundet?

Keaton: Ja, ich liebe Woody.

Ricore: Ist eine erneute Zusammenarbeit zwischen Ihnen denkbar?

Keaton: Eher nicht. Wir hatten unsere Zeit, aber einen weiteren Film werden wir wahrscheinlich nicht mehr drehen.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  5. November 2014

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