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Interview
Benedict Cumberbatch auf der San Diego Comic-Con International 2016
Walt Disney Studios Motion Pictures

"Sind Sie schon mal im Traum geflogen?"

Benedict Cumberbatch über seine Helden

Man wundert sich, wie Benedict Cumberbatch Karriere und Privatleben unter einen Hut bringt. Der Vater gehört zu den derzeit meistbeschäftigsten Schauspielern Hollywoods. Er ermittelt als Sherlock Holmes, wird demnächst dem bösen Tiger Shere Khan in einer weiteren Neuverfilmung des "Dschungelbuchs" seine Stimme leihen und hat sich jüngst einen roten Umhang umgeworfen, um als Superheld "Doctor Strange" im gleichnamigen Film die Welt zu retten. Hat der Brite im wahren Leben vielleicht auch Superkräfte? Zum Interview zeigt sich Mr. Cumberbatch ganz britisch höflich und spricht mit Filmreporter.de über seinen neuen Film und Superhelden an sich. Dabei verrät er auch, welche Superkraft er gerne hätte.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  27. Oktober 2016
Benedict Cumberbatch mit Rachel McAdam präsentieren auf der San Diego Comic-Con International 2016 "Doctor Strange"
Walt Disney Studios Motion Pictures
Benedict Cumberbatch mit Rachel McAdam präsentieren auf der San Diego Comic-Con International 2016 "Doctor Strange"

Ja, beide sind arrogant...

Ricore Text: Sehen Sie Ähnlichkeiten von Shakespeares Charakteren zu Marvels Comichelden? Sie spielten ja unter anderem den Hamlet...

Benedict Cumberbatch: Es gibt definitiv Überschneidungen zwischen dem was Shakespeare tat, als er gleichzeitig einen sehr genauen Blick in die menschliche Psyche warf, diese Geschichten in einer wunderbaren Sprache schilderte und noch dazu ein so weites Publikum mit seinen Stücken begeisterte. Marvel spricht mit seinen Comics und deren Verfilmungen ebenfalls ernste Themen an, nimmt sich dabei aber niemals zu ernst. Was in den Filmen vorkommt, hat einen Sinn. Doctor Stranges Umhang ist wie eine eigene Figur, das ist nicht nur Spielerei mit Spezialeffekten. Bei Marvel, genau wie bei Shakespeare, gibt es eine große Sympathie für alle Figuren. Bei beiden werden Sie nie einen Bösewicht finden, der einfach nur böse ist, wie ein Psychopath. Sie haben ihre Gründe, fühlen sich vom Leben benachteiligt und übergangen. Zumindest ich kann ihre Motivation verstehen.

Ricore: Wie Iron Man, ein anderer Held des Marvel-Universums, ist auch Doctor Strange ziemlich arrogant. Sehen Sie noch weitere Parallelen zwischen den beiden Figuren?

Cumberbatch: Ja, beide sind arrogant, aber sonst sehe ich da eher Unterschiede. Tony Stark wurde schon reich und arrogant geboren. Stephen Strange hingegen hat sich seinen Erfolg und Reichtum hart erarbeitet. Er wird durch Magie zum Superheld, die er zwar erlernt, aber auch in sich findet. Und er spielt nicht einfach mit High-Tech-Klimbim.

Ricore: Sie spielen meistens sehr intelligente Figuren, wie kommt das?

Cumberbatch: Ich denke, das hat mit der Freundlichkeit der Menschen zu tun, die mit mir arbeiten möchten. Vielleicht haben sie mich zuvor in einer bestimmten Rolle gesehen und denken ich könnte darauf aufbauen. Je älter ich werde, je mehr geht es mir darum, mit bestimmten Leuten zusammen zu arbeiten, ich suche meine Rollen jetzt eher nach den an einem Projekt Beteiligten aus als nach der Figur, die ich spielen würde.

Ricore: Wer waren die Helden Ihrer Kindheit? Haben Sie Comics gelesen?

Cumberbatch: Nein, ich hatte andere Helden. Meine Mum und mein Dad sind meine Helden. Sie sind ebenfalls Schauspieler und wenn ich ihre Karriere betrachte, sehe ich die Liebe und den Respekt, mit dem sie ihre Arbeit verfolgen. Und ich muss sagen, wahre Helden habe ich im Zuge der Arbeit an "Doctor Strange" getroffen. Was Neurochirurgen leisten, ist unfassbar, das ist pure Magie. Außerdem habe ich sehr viel an Harrison Ford gedacht, er ist wirklich ein Vorbild für diese Art von Abenteuer- und Actionfilm.


Benedict Cumberbatch mit Regisseur Scott Derrickson am Set von "Doctor Strange"
Walt Disney Studios Motion Pictures
Benedict Cumberbatch mit Regisseur Scott Derrickson am Set von "Doctor Strange"

Benedict Cumberbatch wie ein echter Superheld?

Ricore: Was waren die Herausforderungen für diese Rolle?

Cumberbatch: Zum einen natürlich das Training für die Kampfszenen mit all diesen Kung-Fu-Moves. Das war schon sehr anstrengend. Außerdem habe nebenher noch als Hamlet auf der Bühne gestanden, als wir mit den ersten Proben anfingen und hatte ein neugeborenes Baby zu Hause. Aber Sophie fand, dass ich mich um den Kleinen wie ein echter Superheld gekümmert habe. Und was soll ich sagen, es ist alles gut gegangen, ich habe mich während der Dreharbeiten nicht einmal verletzt und bin in diesen wirklich arbeitsreichen Monaten nicht krank geworden.

Ricore: Was haben Sie von Ihrem Vater für die Arbeit gelernt?

Cumberbatch: Genau wie er bin ich in erster Linie ein Familienmensch. Natürlich liebe ich meine Arbeit. Mein Dad hat sich nie in meine Arbeit eingemischt, er ist einfach nur gespannt auf das Ergebnis.

Ricore: Was war die verrückteste Erfahrung während der Dreharbeiten?

Cumberbatch: Im Film gibt es wahnsinnig viele Spezialeffekte, aber es wurden auch viele Sets gebaut. Aber das Verrückteste war, als wir in den Straßen Hongkongs diese eine Szene drehten, in der wir uns zwar vorwärts bewegen, die Welt um uns aber nicht und wo ständig Dinge an anderer Stelle eingefügt wurden. Dazu kam noch, dass wir nachts drehten, wir waren also alle etwas durch.

Ricore: Welche Superkraft hätten Sie gerne?

Cumberbatch: Es wäre schon toll, wenn ich so ein Tor in der Dimension öffnen könnte, durch das ich ganz schnell heim zu meiner Familie komme. Vor allem zu so einer Zeit, in der ich mich ständig irgendwo anders auf der Welt befinde und so viel Zeit in Flugzeugen über dem Ozean verbringe. Aber durch die Zeit reisen muss ich nicht unbedingt, ich versuche lieber, das Hier und Jetzt mit allen Sinnen zu genießen, vor allem seit ich Vater bin. Naja, Fliegen wäre auch toll! Sind Sie schon mal im Traum geflogen?


Benedict Cumberbatch ist "Doctor Strange"
Walt Disney Studios Motion Pictures
Benedict Cumberbatch ist "Doctor Strange"

Ich nehme die Arbeit nicht mit nach Hause

Ricore: Das weiß ich gar nicht... Fällt es Ihnen leicht, nach Hause zu kommen, wenn Sie monatelang auf der Welt für Dreharbeiten unterwegs waren?

Cumberbatch: Ja, sehr. Ich bin sofort ganz bei meiner Familie, wenn ich nach Hause komme zu den zwei Menschen, deren Wohlbefinden das Wichtigste für mich ist. Ich nehme auch keine Arbeit mit nach Hause, meine Texte versuche ich tagsüber zu lernen. Arbeit ist Arbeit und zu Hause ist zu Hause.

Ricore: "Doctor Strange" wird auch eine Rolle in "Avengers: Infinity War" spielen, können Sie schon etwas zur Handlung sagen?

Cumberbatch: Könnte ich, werde ich aber nicht (lacht).

Ricore: Haben Sie gezögert, die Rolle des Doctor Strange anzunehmen, denn einen Marvel-Held zu spielen heißt normalerweise, dass man ihn nicht nur einmal spielt.

Cumberbatch: Nein, ich habe nicht gezögert, nicht als ich erfuhr wohin seine Reise gehen wird. Und erst recht nicht mehr, als ich für Nachdrehs nochmal den Umhang umwerfen durfte. Ich dachte einfach nur: Ich liebe diese Rolle.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch!
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  27. Oktober 2016

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