Ricore Text
Armin Rohde auf der Berlinale 2006
Armin Rohde zu Kindern als Filmkritiker
Interview: Ich mache gerne Blödsinn
Armin Rohde stellt immer wieder auch in Kinderfilmen seine Vielseitigkeit und sein komisches Talent unter Beweis. Wir sprachen mit dem Darsteller im Rahmen des Kinderfilmfestes der Berlinale 2006 über Kinder als Filmkritiker und seinen Erfahrungen als "Räuber Hotzenplotz".
erschienen am 12. Februar 2006
Constantin Film
Armin Rohde als: Räuber Hotzenplotz
Ricore: Sie sagten einmal, dass ihnen das Herumblödeln bei der Arbeit mit Kindern besonders viel Spaß macht. Machen sie denn auch privat gerne Blödsinn?

Armin Rohde: Ja. Ich mache gerne Blödsinn. Eindeutig. Aus dem Alter komme ich wohl auch nie raus. Ich habe immer gedacht, das hört auf, wenn ich zwanzig bin. Das hört auf wenn ich 30 bin und dann, das hört auf wenn ich 40 bin. Jetzt bin ich mittlerweile 50 und mache immer noch gerne Blödsinn, also anscheinend hört das nie auf.

Ricore: Was ist das für ein Gefühl hier zwischen den ganzen Kindern zu sein?

Rohde: Das ist witzig. Ich bin ja leider noch nicht Vater, das kommt dann vielleicht irgendwann noch. Ich persönlich glaube ziemlich gut mit Kindern klar zu kommen. Ich nehme sie einfach ernst und behandle sie auch so.

Ricore: Haben sie trotzdem etwas Bammel vor der Kritik der Kinder? Diese können ja auch gnadenlos sein.

Rohde: Ja, die sind gnadenlos. Aber ich bin relativ kritikresistent und Kinder kritisieren zwar oft vernichtender, aber auch fairer als Erwachsene. Die zerstören nur mit ihrer Kritik. Sie sagen: "Das war Scheiße!". Ein Kind dagegen wird immer sagen, was ihm nicht gefallen hat. Daher muss ich Kinderkritik überhaupt nicht fürchten. Denn wenn ein Kind kritisiert, dann wird das höchstwahrscheinlich auf einer fairen, fundierten Basis passieren. Aber ich weiß auch, wie schwer es ist Kinder zufrieden zu stellen. Ich hab früher Theater gespielt und auch dreimal täglich das Weihnachtsmärchen gegeben, das heißt Schneewittchen in einem Saal mit achthundert Kindern aufgeführt. Ich weiß, was das bedeutet, das kann ich ihnen flüstern. Achthundert Kinder im Saal sind lauter als ein startendes Düsenflugzeug.
Constantin Film
Täglich drei Stunden in die Maske
Ricore: Welches war die erstaunlichste Frage, die die Kinderreporter an sie gerichtet haben?

Rohde: Der eine Junge fragte mich, wie das ist, mit dieser Maske, die mich in den Räuber Hotzenplotz verwandelt, zu arbeiten. Was das für ein Gefühl ist, sich auch optisch so sehr in eine Figur zu verwandeln. Fand ich eine sehr, sehr gescheite Frage. Also mit so was hätte ich nicht gerechnet.

Ricore: Was war denn das besondere an dieser Rolle?

Rohde: Der Räuber Hotzenplotz sieht ja ganz anders aus, als wie ich normalerweise aussehe. Jeden Tag saß ich dafür drei Stunden in die Maske. Da wurde mir der Bart, die Riesennase und all die anderen Sachen angeklebt. Das ist ein Gefühl, wie wenn man in einer Skimaske ganz viel Butter und Marmelade verteilt und diese dann ganz fest über den Kopf zieht. Aber man gewöhnt sich auch schnell dran. Schauspieler sind ja ein wenig verrückt. Nachdem sie etwas am Anfang furchtbar fanden, finden sie es nach einer halben Stunde wunderbar, damit rumalbern zu dürfen.

Ricore: Haben sie denn auch etwas Zeit, sich einige der anderen Beiträge auf der Berlinale anzusehen?

Rohde: Ich bin nur vier Tage hier und habe ein Riesenprogramm zu absolvieren. Ich hab Abende, wo ich irgendwie drei Veranstaltungen schaffen muss. Schlafen tut man dann im Taxi. Das geht auch. Am Montag muss ich dann nach Spanien fliegen. Dort wartet schon der nächste Dreh.
erschienen am 12. Februar 2006
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Jedes Kind kennt die Geschichten vom Räuber Hotzenplotz. Die Bücher von Kinderbuch-Autor Otfried Preußler wurden in 34 Sprachen übersetzt und über sechs Millionen Mal verkauft. "Der Räuber Hotzenplotz" kam bereits 1967 mit der "Augsburger Puppenkiste" in einer Marionettenversion ins Fernsehen, bevor er 1974 mit Gert Fröbe erstmal als Realfilm auf die Leinwand kam. In der Neuauflage spielt Armin Rohde die Hauptrolle.
Armin Rohde wird 1955 als Sohn von Bergmann Kurt Rohde in Gladbeck geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums entwickelt er seine Begeisterung für das Theater. Es folgt eine Ausbildung an der renommierten Essener Folkwang Hochschule und der Besuch einer Clowns-Schule. 1992 schafft er als 'Bierchen' in Sönke Wortmanns "Kleine Haie" seinen Durchbruch im Kino. Sein Mitwirken in "Der bewegte Mann", "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" und "Lola rennt" weißt auf seinen..
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