Interview: Roman Polański zu Nach einer wahren Geschichte | FILMREPORTER.de
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Roman Pola&#324;ski und Emmanuelle Seigner am SET von "Nach einer wahren Geschichte"

Roman Pola&#324;ski und Emmanuelle Seigner am SET von "Nach einer wahren Geschichte"

Roman Polański: Der Titel ist das Paradox
Ricore Text: Sie schaffen ein wunderbares Vexierspiel der Abhängigkeiten, bei dem man sich oft fragt, ob Elle real ist oder nur in der Phantasie der Autorin existiert?

Roman Polański: Als ich in den Dreh ging, wusste ich dies selbst nicht genau. Daher habe ich Eva Green als Elle besetzt. Sie ist sehr schön, geheimnisvoll und kann dem Zuschauer wie die böse Königin in Schneewittchen das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ich habe gewartet, was sie mir anbietet und sie nur manchmal ein bisschen zurück gepfiffen. Sie hat ihre Figur wunderbar in diesem Schwebezustand gehalten.

Ricore Text: Als Schriftstellerin haben Sie wieder Ihre Frau besetzt. Können Sie sich noch gegenseitig überraschen?

Roman Polański: Es ist einfacher, ohne Überraschungen zu arbeiten. Emmanuelle lässt sich am Set völlig fallen und hört auf, die Frau zu sein, die viel zu selten für mich kocht und an meiner Seite lebt. Wir lassen die Recherchen und unser Privatleben in der Garderobe und leben im Augenblick. Das fällt ihr leichter als mir. Wir sind mittlerweile so aufeinander eingespielt, dass ich Angst hatte, dass Eva mit ihr um die Deutung der Geschichte kämpft. Zum Glück fanden die beiden Frauen schnell einen guten Draht zueinander. Ich habe meine Schauspieler noch nie so wenig inszeniert.

Ricore Text: Was macht Emmanuelle zur perfekten Partnerin für Sie?

Roman Polański: Ihre Geduld Am Set haben wir die einzigen Momente, in denen wir nicht kämpfen.

Ricore Text: Einmal mehr widmen Sie sich auch dem Thema Wahrheit, das nun in aller Munde ist.

Roman Polański: Der Titel ist das Paradox, lustig und doppeldeutig Jeder Roman oder fiktionale Film erzählt eine Lüge. Doch jeder zweite Film behauptet heute, er beruhe auf einer wahren Geschichte. Vor solch eine Behauptung habe ich mich gedrückt, wo es ging. Selbst bei der Ankündigung von "Der Pianist", der auf den Erinnerungen des Gettho-Überlebenden Wladyslaw Szpilman beruht, die er wenige Monate nach der Befreiung Polens geschrieben hatte, hätte ich dieses Etikett gerne vermieden.

Ricore Text: "Tanz der Vampire" wird 50 Jahre nach der Premiere der Filmversion weltweit als Musical aufgeführt. Haben Sie der Bühnenversion gerne zugestimmt?

Roman Polański: Als mein Freund und früherer Partner Andrew Braunsberg vorschlug, mit dem Stoff als Musical nach Wien zu gehen, hielt ich ihn für verrückt. Er ließ nicht locker und hat mich mit seinem Enthusiasmus angesteckt. Ich habe unter der Bedingung eingewilligt, dass wir eine herausragenden Komponisten finden, den wir mit Michael Kunze auch gewinnen konnten. Und die künstlerische Kontrolle behalten. Das Wiener Raimundtheater hat für uns einen Roten Teppich ausgebreitet. Ohne deren Intendanz wäre das Projekt gescheitert. Sie haben mich unterstützt, wo sie konnten. Ich hatte zuvor Opern inszeniert, aber das ist nicht dasselbe.

Ricore Text: Mehrere Ihrer Filme feierten in Cannes Premiere, Sie waren dort mehrmals in der Jury. Was halten Sie von der Verlegung der Pressevorstellung parallel zu den Gala-Premieren?

Roman Polański: Als ich Vorsitzender der Jury war, bat ich den Künstlerischen Direktor Gilles Jacob, uns Popcorn zu spendieren und in die Vorstellungen für das Publikum zu schicken. Das gleiche gilt für die Presse, die Kritiker sollten die Filme gemeinsam mit den Rezipienten gucken.

Ricore Text: Danke für das Gespräch
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 7. Juni 2018

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