Interview: Detlev Buck zu zu Asphaltgorillas | FILMREPORTER.de
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Detlev Buck feiert die Premiere von "Asphaltgorillas"

Detlev Buck feiert die Premiere von "Asphaltgorillas"

Detlev Buck: Ich habe meine Helden nie verlassen
Ricore Text: Mit der Geschichte vom Aussteiger kehren Sie wieder zu Ihren Wurzeln zurück.

Detlev Buck: Ich habe meine Helden nie verlassen. Die Geschichte von Menschen, die ihrer eigentlichen Bestimmung entfliehen, habe ich in jeder Art von Genre erzählt. Dem vorbestimmten Weg zu entfliehen, um eine neue Identität zu finden, gehört zum Spannendsten im Leben. Um solchen Schicksalen zu folgen, gehe ich ins Kino. Dieser Fluchtreflex steckt auch ganz tief in mir drin, keine Ahnung, wo das herkommt. Wenn mir jemand sagt, jetzt solltest du dies oder jenes machen, mache ich das Gegenteil. Auch wenn das ein bisschen ausrechenbar ist.

Ricore Text: Was wäre denn statt der Regie Ihre Bestimmung gewesen?


Detlev Buck: Keine Ahnung. Ich hatte viele Ansätze. Bei der Aufnahmeprüfung der dffb bin ich beinahe rausgeflogen, weil ich einen geforderten Film nicht drehen konnte. Sie mussten erst Druck machen, damit ich einen anderen Ansatz fand.

Ricore Text: Wäre der Bauernhof, auf dem Sie leben, eine Alternative?


Detlev Buck: Dafür bin ich nicht der Typ. Ich lebe auf, wenn viel passiert. Mache auch die Ernte auf unserem Hof, für die ruhigen Jahreszeiten bin ich viel zu unruhig.

Ricore Text: Ihre Umgebung hatte Ihnen abgeraten, Regie zu studieren?


Detlev Buck: Natürlich, ich hatte keine Ahnung von Schauspiel oder der Technik, Bei großen Theaterschauspielern wie Bernhard Minetti oder Katharina Thalbach war ich am Anfang tief verunsichert, Anweisungen zu geben. Aber es hat Spaß gemacht, mit Vertrauten am selben Seil zu ziehen, die auch auf ihr Bauchgefühl hören und nicht auf Grund irgendwelcher Daten und Analysen entscheiden. Sie sterben in der Filmbranche aus.

Detlev Buck und Samuel Schneider am SET von "Asphaltgorillas"

Detlev Buck und Samuel Schneider am SET von "Asphaltgorillas"

No risk no fun
Ricore Text: Wird zu wenig riskiert?

Detlev Buck: No risk no fun. Nicht nur beim Film. Risikominimierung ist für mich das Unwort des Jahres, nachdem die deutsche Fußballnationalmannschaft risikominimiert spielte und in der Vorrunde rausflog. Spätestens beim Dreh von "Die Vermessung der Welt" in Ecuador habe ich gelernt, mit einem hohen Risiko zu leben. Ich habe keine Angst mehr, alles auf eine Karte zu setzen. Ich bin mir nie sicher, obwohl ich gut vorbereitet bin und mich nichts nachhaltig erschüttern kann. Ein Restrisiko bleibt immer.

Ricore Text: Wieviel Verunsicherung ist nötig?


Detlev Buck: Verunsicherung ist etwas anderes. Wer verunsichert ist, hat keinen Spaß. Ich bin gerne am Set. Mein Adrenalinspiegel ist irre hoch, ich bin hoch konzentriert. Plötzlich hat einer einen Dreher, der ganze Kahn hängt und du denkst, das kann doch nicht sein. Es war doch ganz simpel. So wird ein Tag zur Katastrophe. Im Hinterkopf bleibt, dass es so laufen kann. Aber diese Anspannung treibt auch den Einfallsreichtum hoch.

Ricore Text: Hat Ihnen Ihre Karriere als Schauspieler geholfen, besser auf Schauspieler einzugehen?


Detlev Buck: Jeder kann in eine Situation kommen, wo er unsicher wird. Dann hilft mir schon die eigene Erfahrung. Ein Aufmuntern, wenn der andere denkt, er hat total versagt und findet keinen Zugang zur Rolle. Wichtig ist, den Schauspielern auf Augenhöhe zu begegnen und herauszukitzeln, was sie bereit sind zu geben. Das Drehbuch ist nur die Anleitung. Der Kopf muss frei sein.

Ricore Text: Warum haben Sie vor der Kamera rarer gemacht?


Detlev Buck: Das ist dem Alter geschuldet, ich bin jetzt der Opa. Ich muss mich auch nicht sehen, ich hatte nur Daddelrollen in meinen letzten Filmen. Der Mann vom Tierheim ist ja nicht gerade eine Traumrolle. Ich kann damit leben, ich bin ja eher jemand, der Regie führen möchte. Andererseits bin ich schon froh, dass ich nicht vom Schauspiel leben muss. Ein Autor oder Regisseur kann so lange an einem Projekt arbeiten, wie er Lust hat. Aber du kannst keinen zwingen, lass mich spielen.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de - 23. September 2018

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