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Interview

Sam Riley auf der Europapremiere in London zu "Maleficent Mächte der Finsternis 3D"
The Walt Disney Company (Germany)

Von der Sehnsucht nach Superhelden

Sam Riley zu "Maleficent: Mächte der Finsternis"
Sam Riley, geboren 1980 in Leeds, schlägt sich jahrelang mit Jobs in Warenhäusern und Pubs durch, den ersehnten Durchbruch als Schauspieler schafft er 2010 in "Control". 2014 brilliert der in Berlin mit seiner Frau Alexandra Maria Lara lebende Brite in "Maleficent - Die dunkle Fee". 2019 folgt "Maleficent: Mächte der Finsternis". Wir haben den Schauspieler in Berlin zum Interview getroffen.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  6. Dezember 2019
Sam Riley auf der Weltpremiere in Los Angeles zu "Maleficent Mächte der Finsternis 3D"
The Walt Disney Company (Germany)
Sam Riley auf der Weltpremiere in Los Angeles zu "Maleficent Mächte der Finsternis 3D"

Horror des Alltags entfliehen

Ricore Text: Wie wichtig sind Märchen für Erwachsene?

Sam Riley: Viele Zuschauer sind offenbar beseelt von dem Wunsch, vor dem Horror des Alltags zu fliehen. Anders ist die Popularität von Fantasy-Epen wie "Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer" oder "Herr der Ringe" nicht zu erklären. Außerdem nimmt die Sehnsucht nach Superhelden zu, die mit einem Fingerschnipsen die Welt verändern. Ich kann beide Wünsche nachvollziehen. Jahrelang habe ich beim Morgenspaziergang mit unserem Hund die Nachrichten der BBC gehört. Seitdem ich damit aufhörte, ist mein Leben glücklicher geworden. Die Nachrichten ruinierten meinen Tag nachdem ich mit einem positiven Gefühl aufgewacht war.

Ricore Text: Wer ist ihr Superheld?


Sam Riley: Christopher Reeve als Superman. Die Neuverfilmungen der Comics habe ich gesehen. Sie interessieren mich nicht.

Ricore Text: Wie fühlten Sie sich wieder unter der Maske?


Sam Riley: Hervorragend. Sie saß so perfekt, dass ich mehrmals vergaß, sie nach dem Drehtag entfernen zu lassen. Die meisten Menschen merkten auch erst, als sie mein Gesicht berührten, dass die Gesichtszüge nicht echt waren. Nur einen konnte ich nie verwirren. Mein Sohn registrierte die Veränderungen sofort.

Ricore Text: War er mit am Set in den Pinewood Studios?


Sam Riley: Er besuchte mich an einem Tag, als wir mit 300 Statisten in Rüstungen und 600 Pferden drehten. Angelina Jolie hatte eine große Szene in ihrem Kostüm mit den Hörnern auf dem Kopf. Als wir im Auto saßen fragte er nur, ist das wirklich Arbeit? Mein Vater stellt mir immer die gleiche Frage.

Ricore Text: Ist Schauspielerei Arbeit?


Sam Riley: Der große Laurence Olivier sagte einst, Schauspieler werden fürs Warten bezahlt. Ich hatte in meiner Jugend körperlich anstrengendere Job, aber auch Schauspiel ist harte Arbeit. In solch großen Fantasy-Produktionen braucht die Crew viel Zeit, um die Szenen einzurichten. Ich schaue ihnen gerne zu und bin dann sofort bereit. In Low Budget-Filmen ist der Zeitplan dagegen so eng gestrickt, dass kaum Zeit für Pausen bleibt.


Elle Fanning, Angelina Jolie & Sam Riley in "Maleficent Mächte der Finsternis 3D"
The Walt Disney Company (Germany)
Elle Fanning, Angelina Jolie & Sam Riley in "Maleficent Mächte der Finsternis 3D"

Mit Trainer auf die Tieraufnahmen vorbereitet

Ricore Text: Wie bereiteten Sie sich auf Ihren Auftritt als Rabe vor?

Sam Riley: Vor dem ersten Dreh demonstrierte mir ein Tiertrainer, wie sich die Vögel verhalten. Anschließend arbeitete ich mit einem Bewegungstrainer, um sie zu imitieren. Diese Vorbereitung war wichtig, auch wenn ich sie beim Dreh kaum benötigte. Das Wissen gab mir das Selbstvertrauen, dass ich die Rolle meistern kann. Außerdem war dieser Luxus der intensiven Vorbereitung für mich wichtig. Vor sechs Jahren war ich relativ neu im Geschäft.

Ricore Text: Wie groß war der Respekt vor Angelina Jolie?


Sam Riley: Ich bin ein großer Fan von ihr. Sie ist professionell, höflich und wird gemocht, weil sie keinen warten lässt. Manchmal fällt es mir schwer zu begreifen, dass ich in Gegenwart solcher Stars arbeiten darf. Sie sind oft die besten Kollegen. Als Arschlöcher entpuppen sich eher die, die sich für wichtiger halten als sie sind.

Ricore Text: Sie leben in Berlin. Fürchten Sie negative Auswirkungen durch den Brexit?


Sam Riley: Ich habe keine Angst, ausgewiesen zu werden. In Berlin lebt meine Frau, und Zuhause ist ja dort, wo das Herz ist. Ich habe mich zunächst in sie und dann in die deutsche Lebensart verliebt. Wir sind eine internationale Familie. Meine Frau kam einst als Flüchtling aus dem kommunistischen Rumänien, unser Sohn ist Deutscher.

Ricore Text: Was gefällt Ihnen an Deutschland?


Sam Riley: Oft sind mir die Deutschen noch ein Rätsel. In Großbritannien stört sich zum Beispiel keiner an meinen chaotischen Einparkversuchen, in Deutschland beobachten mich bestimmt fünf Menschen und schütteln den Kopf. Das fasziniert mich jedes Mal.

Ricore Text: Verstehen Sie den Wunsch der Mehrheit Ihrer Landsleute, die EU zu verlassen?


Sam Riley: Die Entscheidung stimmt mich traurig. Aber ich verstehe, warum sie für den Austritt stimmten. Bestimmte Dinge in der EU wurden den Briten jahrelang madig gemacht, die Schuld für die eigenen Probleme auf die EU geschoben. Besonders die Leute im Norden Englands, wo ich herkomme, glauben, dass ihr Leben besser wird, wenn das Land die EU verlässt. Aber das wird wohl eine Illusion bleiben.

Ricore Text: Viele sind sicher auch enttäuscht, dass vieles, was ihnen beim Beitritt zur EU versprochen wurde, nicht eintrat?


Sam Riley: Sicher wurden viele Hoffnungen enttäuscht. Aber das Verlassen der EU ist keine Lösung. Stattdessen hätten wir versuchen sollen, die EU zu verändern. Wir sind ein Teil Europas, daher ist der Brexit eine Tragödie.

Ricore Text: Danke für das Gespräch.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  6. Dezember 2019

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