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Interview

Rick Kavanian in "Die Wolf-Gäng" (2019)
Carolin Ubl, Sony Pictures Entertainment Deutschland, Rat Pack Filmproduktion

Freiheiten des Fantasy-Genre nutzen

Rick Kavanian zu "Die Wolf-Gäng"
Rick Kavanian kennt im deutschsprachigen Raum jeder Kinogänger spätestens als Partner von Michael 'Bully' Herbig im "Schuh des Manitu". Der künstlerische Weg des mittlerweile 48-jährigen Schauspielers ist eng mit Bullys verknüpft. Beide ernteten Anfang der 1990er erste Lorbeeren bei einem Privatradiosender. "Die Bullyparade" bei Pro7 machte sie deutschlandweit bekannt. Jetzt ist Kavanian als Papa Dracula in der Adaption von Wolfgang Hohlbeins "Die Wolf-Gäng" zu sehen. Das Fantasy Abenteuer wurde bei der Premiere von Hunderten Fans gefeiert.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  26. Januar 2020
Rick Kavanian in "Die Wolf-Gäng" (2019)
Carolin Ubl, Sony Pictures Entertainment Deutschland, Rat Pack Filmproduktion
Rick Kavanian in "Die Wolf-Gäng" (2019)

Mein Puls ging richtig hoch

Ricore Text: Waren Sie vor der Premiere mit so vielen Kindern aufgeregter als sonst?

Rick Kavanian: Ich war sehr angespannt, mein Puls ging richtig hoch, weil ich den Film auch das erste Mal auf der Premiere gesehen habe. Die innere Unruhe legte sich bald. Die Kinder haben viel gelacht und waren sehr aufmerksam. Die 96 Minuten vergingen wie im Flug.

Ricore Text: Sie haben nach 30 Jahren noch Lampenfieber?

Rick Kavanian: 30 Jahre, wie gruselig das klingt. Trotz der Erfahrung brauche ich das Lampenfieber, um mich sicher zu fühlen.

Ricore Text: Haben Sie von solch Erfolgen zu träumen gewagt, als Sie 1990 mit Michael 'Bully' Herbig bei Radio Gong begannen?

Rick Kavanian: Als ich Bully 1987 kennenlernte, war ich noch Schüler und er in der Ausbildung zum Fotografen. Damals war ich sehr zurückhaltend, Exponiertheit und Exaltiertheit waren nicht mein Cup of Tea. Bully hat mich ermutigt, du bist echt lustig. Aber kann man daraus eine Karriere machen? Für Bully war ganz klar, er möchte zum Radio und später zum Film. Diesen Weg ist er konsequent gegangen, ich war zufällig in der Nähe. Die ersten Jahre waren hart. Ich kam aus einer Welt voller Akademiker. Für die war ich plötzlich der Kaspar aus dem Radio.

Ricore Text: Haben Sie sich ergänzt?

Rick Kavanian: Bullys Lieblingsfilme waren die Filme von den Zucker-Brüdern, die mit der Persiflage von Film-Klassikern Erfolg hatten. Ich liebte den schrägen, abgefahrenen Humor von Monty Python. Christian hatte österreichische Vorbilder, die er einbrachte.

Ricore Text: Sie haben in New York eine Schauspielausbildung absolviert, das Etikett des Comedian wurden Sie aber nie los?

Rick Kavanian: Die Amerikaner akzeptieren problemlos, dass ein Weltklasse Künstler wie Jeff Daniels in "Dumm und dümmerer" und gleichzeitig in der Serie "The Newsroom" besetzt ist. Er kann bekloppt und seriös sein. In Deutschland ist das beinahe unmöglich. Wir packen alles in Schubladen und versehen es mit Etiketten. Als Bully zum Beispiel den "Ballon" drehte, hieß es nur, 'Schluss mit lustig. Wieso denn?' Er bleibt ein lebenslustiger Mensch, der Bock auf ein Drama hatte. Es ist ja auch schwieriger, das Publikum sofort mit einem lustigen Satz auf einen Bühnenabend einzustimmen als mit einem ernsten Satz ein Drama zu eröffnen. Deshalb bleibt für mich die Komödie die Königsdisziplin.


Die Wolf-Gäng (2019)
Sony Pictures Entertainment Deutschland
Die Wolf-Gäng (2019)

Über sich selbst lachen

Ricore Text: Haben Sie mit der "Bullyparade" den Humor in Deutschland nachhaltig verändert?

Rick Kavanian: Das kann ich nicht beurteilen. Ich bin auch kein Gradmesser. Was ich lustig finde, mag nicht jeder. Aber natürlich schmeichelt es mir, wenn jetzt die nächste Generation "Der Schuh des Manitu" oder "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" sieht und mich anspricht.

Ricore Text: Ich denke, die Show und die Filme haben ein wenig dazu beigetragen, dass die Deutschen besser über sich selbst lachen können, nicht?

Rick Kavanian: Das ist ein schönes Kompliment. Über sich selbst zu lachen, scheint auf den ersten Blick leicht. Es ist aber das Schwierigste überhaupt. Selbst wir haben manchmal Probleme, über uns selbst zu lachen. Aber mit zunehmendem Alter wird es leichter.

Ricore Text: Wer ist Ihr Gradmesser, ob ein Witz zündet?

Rick Kavanian: Da führt nichts an meiner Frau vorbei. Sie muss sich schon vor dem ersten Kaffee irgendwelche Hirngespinste von mir anhören. Wenn sie schmunzelt, bin ich zumindest in einer guten Spur.

Ricore Text: Sie haben in der "Bullyparade" etliche Rollen gespielt. War jetzt die Zeit reif für einen Vampir?

Rick Kavanian: Das Angebot passte wie die Faust aufs Auge, ich hatte Bock auf die Figur. Als ich die Klamotten anzog und das Set sah, war ich sofort in dieser Welt und konnte loslegen. Mir liegt auch solch ein verpeilter und trotteliger Helikopter-Vater.

Ricore Text: Sind Sie ein Control-Freak?

Rick Kavanian: Es geht. Ich bin ein fürsorglicher Mensch. Auf mein Verhalten hat sicher abgefärbt, dass meine Großmutter bei uns lebte und ich von einem zweimotorigen Helikopter behütet wurde.

Ricore Text: Roman und Film haben Ähnlichkeiten mit der "Harry Potter"-Welt. Sind Sie ein Fan?

Rick Kavanian: Ich ziehe den Hut vor dem Erfolg, aber der Hype um die Bücher und die Filme ist an mir vorbeigegangen. Ich habe weder eine Zeile gelesen noch eine der Adaptionen gesehen. Ich weiß auch nicht, wann Wolfgang Hohlbein "Die Wolf-Gäng" geschrieben hat. Und selbst wenn er Elemente von Frau Rowling nutzte, auch sie hat, wie ich höre, clever auf bekannte Mythen und Märchen aufgebaut. Ich halte das für legitim. Es ist schwer, ständig das Rad neu zu erfinden.

Ricore Text: Auch Ihren Kollegen ist die Lust am Spiel anzumerken. Stehen Sie für einen weiteren Teil bereit?

Rick Kavanian: Der Dreh war für jeden Schauspieler ein Riesenspaß. Wir haben die Freiheiten des Fantasy-Genre genutzt und konnten uns richtig austoben. Ich würde sofort wieder ins Dracula-Kostüm schlüpfen.

Ricore Text: Danke für das Gespräch..
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  26. Januar 2020

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