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Interview

Audrey Tautou
Audrey Tautou liebt neue Horizonte

Tourist in Hollywood

Das europäische Publikum liebt Audrey Tautou seit ihrem Auftritt in "Die fabelhafte Welt der Amélie". Allein in ihrer Heimat Frankreich sahen über acht Millionen Zuschauer die herzergreifende Mischung aus Drama und Komödie. In der Leinwandadaption von Dan Browns "The Da Vinci Code- Sakrileg" steht sie neben Tom Hanks vor der Kamera. Ricore Medien berichtete Tautou, was ihr an der Arbeit des Thrillers gefallen hat. Außerdem spricht sie über ihre Einstellung zu dem Schauspielberuf und was sie sonst noch besonders gerne mag.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de, 15. Mai 2006

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg



Ricore: Was hat Ihnen an den Dreharbeiten von "The Da Vinci Code - Sakrileg" besonders gut gefallen?

Tautou: Ich liebe es, etwas auf die Beine zu stellen und gemeinsam mit meinen Teamkollegen Erfahrungen zu sammeln. Ich mag es, wenn sich mir neue Horizonte eröffnen und ich eine neue Sicht der Dinge bekomme. Die Begegnung mit anderen Menschen bereichert mich. Wenn man eine Geschichte erzählen will, muss das gesamte Ensemble zusammen arbeiten. Natürlich bereitet mir die Schauspielerei große Freude, aber ich schätze auch die persönlichen Erfahrungen, die ich während eines Drehs sammeln kann. In dem Fall von "The Da Vinci Code - Sakrileg" habe ich etwas über eine Zeitspanne gelernt, über die ich bisher nicht viel wusste. Speziell für den Film habe ich Tuba Unterricht genommen. Außerdem habe ich viel über die damaligen Krankheiten gelernt. Ich traf viele Ärzte, die mir Einblick in Dinge gaben, die mir bisher unbekannt waren. Das hat mir in vieler Hinsicht die Augen geöffnet. Meine Arbeit ist voll von Überraschungen, was ich an meinem Job so besonders gerne mag.

Ricore: Gibt es zwischen Ihnen und Ihrer Rolle Parallelen?

Tautou: Im wahren Leben bin ich nicht wie diese Figur. Ich sehe sie aber auch nicht als eine völlig andere Person. Mir fällt es schwer, mich selbst mit der Filmfigur zu vergleichen. Ich habe sicherlich einige meiner Eigenschaften in sie reininterpretiert, aber das tat ich unterbewusst. Ich plane so etwas nicht. Ich habe nie versucht, mich von der Figur zu distanzieren. Für mich waren ihre Unabhängigkeit und ihr freier Geist wichtig. Auch ich nehme Dinge gerne selbst in die Hand!

Ricore: Wie sind Sie eigentlich aufgewachsen? In wiefern bringen Sie ihre eigenen Lebenserfahrungen in ihr Schauspiel mit ein?

Tautou: Ich bin mir nicht bewusst darüber, wie sehr meine Erfahrungen und Gedanken sich in meiner Rollendarstellung widerspiegeln. Ich will das auch gar nicht wissen. Ich arbeite gerne etwas ab vom Kurs. Außerdem interessiert mich nicht, warum ich etwas kann oder nicht kann. Mir gefällt es, wenn man nicht immer den Grund für alles weiß. Ich will erst gar nicht damit anfangen, alles zu analysieren. Wenn ich das tun würde, würde mich das innerlich aus der Ruhe bringen und ich würde mich zu sehr von der Figur abschotten

Audrey Tautou

Audrey Tautou

Ricore: Wie sind Sie Schauspielerin geworden?

Tautou: Damals studierte ich Literatur. Neben den Vorlesungen besuchte ich außerdem eine Theatergruppe. Das Spielen war meine Leidenschaft, ich hielt es aber für unmöglich diesen Beruf jemals professionell auszuüben. Meine Zeit an der Universität verbrachte ich damit, herauszufinden, was ich sonst noch mit meinem Leben anfangen wollte. Schon bald ermunterten mich ein paar Bekannte mich mehr auf die Schauspielerei einzulassen. Ich bewarb mich an einer privaten Theaterschauspielschule, die mich annahm, ohne dass ich dafür zahlen musste. Also unterbrach ich erst einmal das Literaturstudium.

Ricore: An was arbeiten Sie zurzeit? Wird es mehr von Ihnen zu sehen geben?

Tautou: Die Dreharbeiten zu dem Sequel von "L'auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr" habe ich erst kürzlich beendet. Die Fortsetzung heißt "L'Auberge Espagnole - Wiedersehen in St. Petersburg". Ich spiele denselben Charakter wie im ersten Teil. Das Ganze spielt fünf Jahre später. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich konnte mich noch eine Spur mehr in die Figur einfühlen. Wir werden die Komödie fast überall in der Welt vorstellen. Deshalb werde ich mich erst einmal auf die bevorstehende Tour konzentrieren.

Ricore: Nachdem Sie jetzt bereits den zweiten Film mit Jean-Pierre Jeunet gedreht haben, wird Ihnen unterstellt, seine Muse zu sein. Gefällt es Ihnen, der Liebling eines Regisseurs zu sein?

Tautou: Nein, wirklich nicht. Ich glaube nicht, dass er mich engagiert, nur weil ich ihm als Frau gefalle. Wir interessieren uns für völlig unterschiedliche Dinge, haben andere Leidenschaften und außerdem lieben wir beide unsere Freiheit (lacht). Bisher habe ich darüber nicht nachgedacht. Ich glaube nicht, dass er mich braucht, um einen guten Film zu machen. Schließlich hat er auch schon viele Projekte ohne mich gemacht. Würde sich die Gelegenheit ergeben, wieder mit ihm zu arbeiten, würde ich sicherlich nicht "Nein" sagen. Ganz sicher hat er seine Arbeit nicht auf mich ausgerichtet.

Ricore: Was schätzen Sie an Jean-Pierre Jeunet besonders?

Tautou: Er hat mir gezeigt, dass er mir sehr viel zutraut. Bisher habe ich für ihn immer wunderbare Charaktere spielen dürfen. Jedes Mal ging es um schweren Stoff. Ich finde es sehr nett von ihm, dass er so von mir überzeugt war. Er hat daran geglaubt, dass ich diese Herausforderung bewältigen kann.

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg

Ricore: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade vor der Kamera stehen?

Tautou: Ich reise gerne. Außerdem spiele ich gerne Klavier.

Ricore: Welchen Stellenwert hat klassische Musik in Ihrem Leben?

Tautou: Ich liebe klassische Musik. Als ich jünger war spielte ich sehr oft Oboe und Klavier. Deshalb hörte ich auch viel klassische Musik. Ich bewundere all diese Virtuosen, die über so ein seltenes Talent verfügen. Ihr Können beeindruckt mich wirklich sehr. Sie sind wie ein Maler, der ein Bild gestaltet. Im Allgemeinen habe ich einen konservativen Musikgeschmack. Außer klassischer Musik, mag ich auch Tanzmusik.

Ricore: Was würde für Sie persönlich eine Oskarnominierung bedeuten? Ist Ihnen so etwas wichtig?

Tautou: Sie werden lachen, das gleiche hat mich gestern auch schon jemand gefragt. Das ist mir zu weit hergeholt. Theoretisch ist es natürlich möglich, dass ich für einen Oskar nominiert werde. Ich bin schließlich Schauspielerin und auf der Leinwand zu sehen. Momentan kann ich mir das aber einfach nicht richtig vorstellen.

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg

Audrey Tautou und Tom Hanks in The Da Vinci Code-Sakrileg

Ricore: Mittlerweile konnten Sie in Europa und den USA Erfolge verbuchen. Wie finden Sie es, dass Sie auch außerhalb von Europa Popularität erlangt haben?

Tautou: Ich habe keine Ahnung. Das geschieht einfach so mit mir. Ich weiß nicht viel über Hollywood und seine Traditionen. Ich entdecke gerade erst, wie dort der Hase läuft. Etwas Vergleichbares zu der Academy of Motion Picture Arts and Sciences gibt es in Frankreich nicht. Ich fühle mich in Hollywood wie ein Tourist.

Ricore: Glauben Sie, dass Sie in Zukunft mehr englischsprachige Parts bekommen werden?

Tautou: Seit "Die fabelhafte Welt der Amélie" bekomme ich mehr Rollen in englischsprachigen Movies angeboten.

Ricore: Ich wette, dass Sie nach der Mitwirkung in "The Da Vinci Code - Sakrileg" bestimmt noch viel mehr internationale Angebote bekommen als zuvor.

Tautou: Wissen Sie was? Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich war in letzter Zeit so beschäftigt, dass ich nicht einmal meine Agenten anrufen konnte. Ich habe also keine Ahnung, ob ich neue Angebote bekommen habe oder nicht.

Ricore: Ich habe gelesen, dass Sie auch deutsch sprechen? Wo haben Sie das gelernt?

Tautou: Oh, nein. Das stimmt nicht! Das hat mich schon mal jemand gefragt. Keine Ahnung wie dieses Gerücht entstanden ist. In der Schule habe ich russisch gelernt, aber nicht deutsch. Das einzige Wort, das ich aus dem Deutschen kenne, ist "kaputt" - dürfte ich zum Abschluss ein Foto von Ihnen machen? Ich möchte alle Journalisten festhalten, mit denen ich Interviews geführt habe.
Julia Manfredi, Filmreporter.de - 15. Mai 2006

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