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Interview

Ben Affleck in: Daredevil
20th Century Fox

Ben Affleck zu seiner Rolle als blinder Comic-Held

Super-Ben, Marvels neues Aushängeschild
Vielleicht hat es ja was mit falsch verstandener Männlichkeit zu tun: jeder Hollywoodstar will einmal im Leben einen Superhelden spielen. Leider gibt es deutlich mehr Hollywoodstars als Heldenrollen. Dies erklärt, warum die Kinowelt sich schon fünf verschiedene Batman-Darsteller ansehen musste. So gesehen hat Ben Affleck ja echt Glück - er ist der erste "Daredevil", ein Superhero mit Handicap: er ist blind. Ricore Medien traf Affleck mit vollem Durchblick zum Interview in Pasadena.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  20. März 2003
Ben Affleck ist Daredevil
20th Century Fox
Ben Affleck ist Daredevil
Ricore: Audrey Hepburn spielte die wohl berühmteste Blinde in "Warte, bis es dunkel ist" - wie groß war die Herausforderung, Actionszenen als Blinder zu spielen?

Affleck: Die hatten diese Kontaktlinsen, die meine Augen so aussehen lassen sollten, als hätte ich Narben. Was aber leider dazu führte, dass die Linsen wirklich undurchsichtig sein mussten - das heißt, ich war wirklich blind! Und ich gewöhnte mir an, die Linsen schon in der Früh in die Augen zu geben, und sie den ganzen Tag drin zu lassen, ganz gleich, ob ich gerade vor der Kamera stand oder nicht.

Ricore: Warum das? Wollten Sie sich dran gewöhnen, nichts zu sehen?

Affleck: Ja, ich wollte vor allem Daredevils Art und Weise sich zu bewegen lernen. Er bewegt sich durch seine anderen Sinne. Er besitzt einen speziellen Radar. Und so verbrachte ich meine Tage damit, nicht in Möbelstücke reinzurennen. Das war ganz witzig. Und ich entdeckte dabei, dass ich sehr viel mit meinen Augen spiele. Dass das auf einmal nicht mehr möglich war, lehrte mich andere Dinge zum Schauspielen zu benützen. Ich hatte einen blinden Berater, der mir klarmachte, dass Blinde ihre anderen Sinne viel höher entwickeln müssen, um ihr Handicap wettzumachen. Und das hat meine Art zu gehen, und meine Körperhaltung total verändert.


Ben Affleck in Daredevil
20th Century Fox
Ben Affleck in Daredevil
Ricore: Wie viel Training mussten Sie für die Actionszenen machen?

Affleck: Erst mal hätte ich mir gewünscht, dass ich mehr Zeit zum Schlafen hätte. Ausgeschlafen wäre ich wohl in besserer Kondition gewesen. Ich wusste, dass ich als Daredevil viel muskulöser sein musste als ich es selbst bin. Daher trainierte ich vorwiegend mit Gewichten, und aß sehr viel und regelmäßig, aber natürlich vor allem gesund. Dann gab's natürlich jede Menge Karatetraining, und ich musste lernen, wie man an Seilen hängt. Wichtig ist, dass Daredevil ja keine Superpower-Fähigkeiten besitzt. Mit ihm kriegst du was du siehst. Und daher musste ich körperlich so aussehen, als könnte ich all diese Stunts tatsächlich machen.

Ricore: Wer hat Ihnen die Karate-Moves beigebracht?

Affleck: Wir arbeiteten mit einem Team von Action-Choreografen aus Hongkong, die vor allem Kung-Fu machen, was sehr graziös und fast wie ein Tanz aussieht. Dasselbe Team arbeitete auch an "Drei Engel für Charlie "und "Matrix". Diese Art von Kampfsport hat fast ein Ballett-Element, was bei der ersten Szene mit Jennifer Garner sehr gelegen kam, denn da geht es ja mehr um Flirten als Kämpfen.

Ricore: Reden wir doch mal übers Outfit - auf den ersten Blick wirkt dieser rote Lederanzug nicht so sexy.

Affleck: Vor allem fühlt er sich nicht sehr sexy an! (lacht) Ich hatte die Kampfbewegungen echt gut drauf - als ich noch Jogginghose und Sneakers anhatte. Dann steckten die mich in den Anzug, und alles war sehr steif.

Ricore: Wie bitte?

Affleck: (lacht) nein, nicht DAS! Dafür ist in dem Anzug gar kein Platz! Aber ich darf mich nicht beklagen. Ich hörte Horrorgeschichten von dem Batman-Anzug. Der war aus Gummi, und die Darsteller schwitzten sich zu Tode und konnten nicht aufs Klo gehen! (lacht)


Jennifer Garner und Ben Affleck in: Daredevil
20th Century Fox
Jennifer Garner und Ben Affleck in: Daredevil
Ricore: Es wurde Ihnen mal "Superman" angeboten, und Sie lehnten ab. Was macht Daredevil Ihrer Meinung nach interessanter als andere Superhelden?

Affleck: Sein innerer Konflikt kommt aus dem Spagat zwischen Gerechtigkeit und Rache. Ein Unterschied, der ihm erst bewusst wird, als er sich in das Mädchen verliebt. Erst dann erkennt Daredevil, dass er sein Leben lang nicht Gerechtigkeit haben wollte für das, was seinem Vater angetan wurde, sondern dass er sich dafür rächen wollte. Rache nicht Gerechtigkeit war seine Motivation. Erst durch die Liebe entdeckt er die Fähigkeit zur Gnade. Diese Veränderung war es, was mich interessierte. Typische Comichelden sind sehr simpel: sie müssen in dieser 50ger-Jahre-Pfadfinder-Mentalität stets das Richtige tun. Was dem modernen Publikum ja schon längst zu langweilig wurde. Daredevil ist in dieser Hinsicht ein viel komplexerer Charakter.

Ricore: Wenn wir schon von Mädchen und Liebe reden - was brachte Sie dazu Jennifer Lopez einen Heiratsantrag zu machen?

Affleck: Blinder Optimismus!


Szene aus: Daredevil
Szene aus: Daredevil
Ricore: Wie werden Sie den Valentinstag verbringen?

Affleck: Ha! Das sollte wohl ein romantisches Wochenende werden, aber so wird's wohl nicht sein, denn "Daredevil" in den USA an diesem Tag, und so werde ich arbeiten. Außerdem bedeutet mir der Valentinstag nicht viel, das ist doch ein rein kommerzieller Feiertag, den die Karten-, Blumen- und Schokoladenindustrie erfunden hat. Es gibt höchstens einen Feiertag, der noch schlimmer ist, und das ist hier in Amerika der President's Day! (lacht)

Ricore: Ihr "Daredevil"-Kollege Colin Farrell behauptet, Sie werden für den Valentinstag sicher wieder ein paar Hunderttausend für einen Klunker hinlegen. Ist das richtig?

Affleck: Sicher nicht. Und was Colin betrifft, wüsste ich gern, ob er Valentinstag mit Britney Spears verbringen wird (lacht)! Er will nichts sagen. Eins ist sicher: katholische Schulmädchenoutfits und irischer Schnaps sind sicher mit im Spiel!

Ricore: Hört sich alles nicht danach an, als würden Sie J.Lo tatsächlich demnächst heiraten, oder?

Affleck: Ich garantiere, dass wir uns noch auf mindestens einem Presse-Junket sehen werden, bevor ich heirate.
Von  Elisabeth Sereda, Filmreporter.de,  20. März 2003

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