InterviewScience of Sleep - Anleitung zum TräumenDave Chappelle's Block Party: Michel Gondry | FILMREPORTER.de
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Interview

Michel Gondry
Ich bin kein Psycho

Regievisionär Michel Gondry über verquere Träume

Rein optisch betrachtet könnte Michel Gondry auch ein 25-jähriger Grünschnabel sein. In Wirklichkeit ist der schmächtige Franzose über 40 und in Sachen Musikvideos einer der Pioniere unserer Zeit. Björk bewundert ihn, die Rolling Stones möchten seine Arbeit nicht missen, Schwergewichte wie Radiohead, Chemical Brothers und White Stripes zählen zur Liste seiner Kunden.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  5. August 2006

Regisseur Michel Gondry mit Hauptdarsteller Gael García Bernal

Regisseur Michel Gondry mit Hauptdarsteller Gael García Bernal

Für seinen Spielfilm "Science of Sleep" blickt der Regisseur zurück in seine Vergangenheit und erzählt von einem schüchternen Maler, der nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden kann. Gleich nach den Dreharbeiten versammelte er für das Konzertvideo "Dave Chappelle's Block Party" verschiedene Hip Hop-Größen zu einem spontanen Konzert auf den Straßen Brooklyns in New York. Wir sprachen mit Michel Gondry über exzessives Arbeiten und seine Vorstellung vom wahren Leben.

Dave Chappelle's Block Party

Dave Chappelle's Block Party

Ricore: Mr. Gondry, wann hat Sie die Kunst in ihren Bann gezogen?

Michel Gondry: Bereits in jungen Jahren. Kunst war meine Art, mich auszudrücken. Sie war stärker als alles, was ich hätte mich Worten sagen können. Anfangs begann ich mit Malerei und fand so Zugang zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Ricore: Sie sind also eher Beobachter als Redenschwinger?

Gondry: Ich finde es abscheulich, wenn Menschen immer nur von sich sprechen. Auch wenn es gestellt oder künstlich wirkt, schweige ich manchmal bewusst für fünf Minuten, wenn ich lange geredet habe. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, dass das einfach sein muss. Ich erinnere mich in meiner Jugend an den Vater eines guten Freundes, der sich immer ins Rampenlicht stellte und uns mit Witzen unterhielt, wenn ich zu Besuch war. Das hat meinen Kumpel schwer verletzt, weil er vor seinem Vater nie er selbst sein konnte. Ich konnte das nachvollziehen, denn ich war auch immer sehr schüchtern. Erst mein Regieberuf half mir, stärker aus mir herauszugehen.

Ricore: Durften Sie als Musikregisseur ihre eigene Vision erfüllen oder gab es meistens konkrete Vorgaben der Stars?

Gondry: Am Anfang musste ich natürlich Kompromisse eingehen. Aber als meine Zusammenarbeit mit Björk begann, gab sie mir einen Ratschlag, durch den ich eine gute Portion Selbstbewusstsein gewann und der meine spätere Kreativität beeinflussen sollte: (spricht mit hoher Fistelstimme) "Vertraue deinem Instinkt". (lacht) Sie hat die Begabung, das Talent anderer zu erkennen, lange bevor man es selbst bemerkt. Sie half mir, ich selbst zu sein.

Ricore: Seitdem zieht sich durch Ihre Arbeit ein ganz typischer Inszenierungsstil...

Gondry: Das ist schön zu hören, aber bewusst wurde mir das erst, als ich für eine DVD-Reihe meine gesammelten Musikvideos und Kurzfilme zusammenstellte. Da sah ich, dass alles miteinander verwoben ist, und dass der durchgehende Faden ich war. Diese Entdeckung war ein gutes Gefühl.

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