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Interview

Hugh Jackman in: Prestige - Die Meister der Magie
Warner Bros.

Zwischen Hype und schlechten Kritiken

Ich bin gerne Weltbürger
Mit der Fantasy-Saga "X-Men" und seinem umjubelten Broadway Auftritt in "The Boy From Oz" hat sich der Schauspieler Hugh Jackman binnen sechs Jahren an die Spitze von Hollywood katapultiert. Warum er trotzdem gelassen bleibt, erklärte uns der 38-Jährige Australier in Berlin.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  9. Januar 2007
Hugh Jackman zaubert mit Scarlett Johansson
Warner Bros.
Hugh Jackman zaubert mit Scarlett Johansson
Ricore: Mr. Jackman, Sie sind nach "Scoop - Der Knüller" und der Synchronstimme für "Flutsch und weg" nun auch noch in "Prestige - Die Meister der Magie" und "The Fountain" zu sehen. Sind Sie nach "X-Men" zum Workaholic mutiert?

Hugh Jackman: Es wirkt schlimmer, als es wirklich ist. Ich habe nach "Van Helsing" achtzehn Monate am Broadway gespielt und während dieser Zeit praktisch keine Filme gedreht. Als ich danach wieder Rollen angenommen habe, war ich zwar sehr beschäftigt, hatte aber durchaus Pausen. Es wirkt nur so viel, weil alle Filme nun zur selben Zeit in die Kinos kommen. Das ist übrigens nicht unbedingt die Art und Weise, wie man seine Hollywood-Karriere aufbauen sollte: Wenn diese Filme floppen, bin ich weg vom Fenster. (lacht)

Ricore: Bis jetzt brauchen Sie angesichts guter Einspielergebnisse nichts zu fürchten...

Jackman: Was wohl daran liegt, dass alle Filme zum Glück sehr unterschiedlich sind. Ich bin schon mal froh, dass wenigstens ich mit meiner Arbeit zufrieden bin. Sollte ich ihnen mit dieser Masse allerdings auf die Nerven gehen, entschuldige ich mich hiermit in aller Form. (lacht)

Ricore: In "The Fountain" spielen Sie mit einem Wissenschaftler, eine Krieger und einem Zeitreisenden gleich drei Rollen, die in der Gegenwart, der Zukunft und in der Vergangenheit angesiedelt sind. Wie viel Kraft hat Sie die Vorbereitung gekostet?

Jackman: Es war deshalb sehr anstrengend, weil jede dieser Rollen ihre eigenen physische Anforderungen hatte. Als Krieger zu Zeiten der Inquisition musste ich mich auf Kampfszenen vorbereiten, in der Jetzt-Zeit spiele ich eine Laborratte und in der Zukunft meditiere ich mit Yoga und Tai Chi. Es hat mich alleine vierzehn Monate gekostet, bis ich den Lotus-Sitz endlich einwandfrei hinbekommen habe. Von dem Tai-Chi-Training, das letztlich nur in einer zehn Sekunden langen Filmeinstellung zur Geltung kommt, wollen wir gar nicht erst sprechen.

Ricore: Der Film stieß bei den ersten Pressevorführungen auf wenig Gegenliebe, auf dem Filmfest in Venedig hagelte es sogar Buh-Rufe. Wie frustrierend sind solche Reaktionen nach einer so langen Vorbereitungszeit?

Jackman: Ich stehe deswegen hinter diesem Film, weil ich weiß, was der Regisseur mit dieser Geschichte erreichen wollte, dass der Film sich auf so vielen subtilen Ebenen abspielt. Er ist nicht leicht zu verstehen. Wenn ich mir die Argumente der Nörgler genauer durchlese, muss ich deswegen vermuten, dass ein Großteil der Kritiker diesen Film einfach nicht kapiert hat. Außerdem muss es in Venedig so gewesen sein, dass die Meinungen nach den ersten Vorführungen so auseinander gingen, dass sich Kritiker regelrecht gezankt haben. Und ein kontroverser Film ist für einen Filmemacher doch so etwas wie der Heilige Gral. Für Regisseur Darren Aronofsky ist das übrigens nichts Neues: Seine letzten Filme "Requiem for a Dream" und "Pi" wurden von der Kritik völlig zerrissen und sind heute trotzdem Kult. Ich würde solche Diskussionen als Zuschauer eher als Motivation sehen, mir meine eigene Meinung zu bilden.

Ricore: Nach welchen Kriterien treffen Sie als Schauspieler Ihre Entscheidung?

Jackman: Am wichtigsten ist mir vermutlich das Drehbuch. Es gibt einige wenige Regisseure, von denen ich eine so hohe Meinung habe, dass ich auch blind eine Zusage geben würde, aber in der Regel muss mich die Geschichte überzeugen. Das ist übrigens auch bei "X-Men" so: Ich würde nach drei Teilen nun nicht auch noch "Wolferine" drehen, wenn David Benioff mit dem Drehbuch nicht fantastische Arbeit geleistet hätte.


An der Wange von Halle Berry in Cannes (2006)
Jean-François Martin/Ricore Text
An der Wange von Halle Berry in Cannes (2006)
Ricore: Für Millionen von Fans steht und fällt die Rolle von Wolverine nun mit Ihnen. Beruflich hätte Sie das aber doch schnell auf einen bestimmten Rollentyp reduzieren können, oder?

Jackman: Sie haben Recht, und genau deshalb war ich immer sehr darum bedacht, möglichst unterschiedliche Charaktere zu spielen. Man besetzt dich in Hollywood nur sehr ungern in einer Rolle, die du noch nie vorher zumindest ansatzweise gespielt hast. Die Furcht, es könnte nicht funktionieren, ist einfach zu groß. Deswegen wollte ich bereits in der Frühzeit meiner Karriere beweisen, dass ich alles kann: Thriller, Drama, Komödie oder eben Action-Abenteuer. Das hat offensichtlich funktioniert: Seit ich am Broadway in "The Boy from Oz" auf der Bühne stand, sind noch einmal sehr viel mehr Regisseure auf mich aufmerksam geworden. Woody Allen hat mich dort entdeckt, Darren Aronofsky auch. Sogar Steven Spielberg hat mich inzwischen auf seinem Radar, wie er mir gesagt hat.

Ricore: Angeblich sollen Sie auch für James Bond im Gespräch gewesen sein. Stimmt dieses Gerücht?

Jackman: Ich habe in der Tat einmal einen Telefonanruf bekommen, wo man anfragen ließ, ob ich an der Rolle interessiert sei. Da ich der Meinung war, dass James Bond in den letzten Teilen es mit der Action etwas zu übertrieben hatte und sicher gehen wollte, dass ein neuer Teil in eine andere Richtung geht, wollte ich erst wissen, wer das Drehbuch schreiben und wer die Regie führen wird. Weil man mir das nicht sagen wollte, habe ich abgewinkt. Ich habe mit Wolferine ja bereits eine Rolle, die so etwas wie Ikonenstatus erreicht hat. Ein finales Angebot war es aber sicherlich nicht. Vermutlich haben Clive Owen, Ewan McGregor und diverse andere Kandidaten denselben Anruf bekommen.

Ricore: Sie haben stattdessen mit "Prestige - Die Meister der Magie" lieber eine Magiergeschichte gedreht. Weil Sie als Kind früher selbst Zauberer werden wollten?

Jackman: Das Grundinteresse ist sicherlich da. Aber die eigentliche Magie ist in diesem Fall das Drehbuch. Es birgt so viele Wendungen und Überraschungen, dass ich einfach zusagen musste. Was Filmemachen angeht, ist Christopher Nolan ein wahrer Magier.

Ricore: Wie kommen Sie mit dem Hype um Ihre Person zurecht?

Jackman: Gut, weil es privat über mich wenig zu Schreiben gibt. Mein Privatleben ist relativ langweilig. Die Probleme sehe ich eher in einer anderen Richtung: Durch die vielen privaten Details, die man zunehmend über uns Schauspieler erfährt, fällt es Zuschauern immer schwerer, uns unsere Rollen auf der Leinwand auf wirklich abzunehmen. Das war früher nicht so.

Ricore: Sie sind einer der wenigen Australier, die es in Hollywood zu etwas gebracht haben. Sind Sie stolz auf Ihr Land?

Jackman: Wenn Sie gesehen hätten, wie ich bei der Weltmeisterschaft um zwei Uhr morgens vor dem Bildschirm für meine Mannschaft gezittert habe, würde sich diese Frage erübrigen! (lacht) Ich bin sehr stolz auf Australien, auch wenn ich heute nicht mehr so nationalistisch eingestellt bin wie früher. Man hat mich schon öfter gefragt, warum ich bei all den Vorzügen meiner Heimat trotzdem immer wieder im Ausland lebe. Ganz einfach: Wenn du ein Kind bist, wird deine Mentalität von den Eltern geprägt, während der Schulzeit werden es zunehmend deine Freunde und später - bei einem Umzug - vielleicht die neue Umgebung. Mir gefällt diese Form der Weiterbildung, irgendwann soviel erlebt zu haben, dass ich mich irgendwann überall zu Hause fühlen kann. Ich bin ganz gerne Weltbürger.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  9. Januar 2007

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