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Interview

August Diehl in "Die Fälscher"
Universum

August Diehl über die Krise der Kritik

Habe nicht soviel Glamour
In "Die Fälscher" spielt August Diehl einen Prinzipientreuen Kommunisten. Der appelliert im KZ Sachsenhausen an die Ehre und Moral seiner Mithäftlinge. Von den Aufzeichnungen des realen Holocaust-Überlebenden Adolf Burger wird Diehl in seiner Rolle geleitet. Zu unserem Gesprächstermin im Berliner Hilton-Hotel anlässlich der Berlinale 2007 erscheint der Darsteller etwas gezeichnet von der nächtlichen Premierenfeier.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  1. April 2007
Fühlt sich in Theater und Film wohl... August Diehl
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Fühlt sich in Theater und Film wohl... August Diehl
Ricore: Wie war Ihre erste Begegnung mit Herrn Burger?

Diehl: Von meiner Seite sehr vorsichtig. Er war mir gegenüber sehr offen. Er hat mir einen ganzen Nachmittag geopfert und ich durfte ihm alle Fragen stellen, die ich auf dem Herzen hatte.

Ricore: Wie haben Sie sich auf "Die Fälscher" vorbereitet?

Diehl: Zum einen hat mir Herr Burger geholfen, zum anderen passiert vieles unterbewusst. Sobald man weiß, dass man eine bestimmte Rolle spielt, setzt man alles was man tut in Relation zu der Figur. Ich habe mich sehr für den Beruf des Druckers interessiert, denn der Beruf einer Figur ist für mich der ideale Einstieg. Mir hat es Spaß gemacht nachvollziehen zu können, was ein Drucker macht - auch außerhalb eines KZs. In meinen Fragen an Herrn Burger ging es hauptsächlich um seinen persönlichen Tagesablauf.

Ricore: Sind Sie ein mutiger Mensch?

Diehl: Das ist spekulativ. Ich glaube ich müsste in der speziellen Situation des Adolf Burger gewesen sein, um zu wissen ob ich mutig bin.

Ricore: Würden Sie für ein Prinzip Ihr Leben aufs Spiel setzen?

Diehl: Nein. Ich habe jedoch große Sympathien für solche Figuren. Prinzipienreiter sind Menschen die am meisten nerven und am unangenehmsten sind - die aber auch viel verändern.

Ricore: Ist es ein anderes Gefühl mit "Die Fälscher" zur Berlinale eingeladen zu werden, als vor ein paar Jahren mit dem gegenwartskritischen "Lichter"?

Diehl: Es ist immer anders. Ich war froh als ich hörte, dass "Die Fälscher" auf die Berlinale eingeladen wird, weil es mir leichter fällt über einen Film zu reden den ich mag. "Lichter" mochte ich auch sehr.


Schwierige Rolle: August Diehl in "Die Fälscher"
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Schwierige Rolle: August Diehl in "Die Fälscher"
Ricore: Sie sind gleichermaßen im Theater und auf der Leinwand präsent. Hängt die Auswahl von persönlichen Lebensphasen ab?

Diehl: Von Lebensphasen und von Angeboten. Ganz konkret richtet man sich aber größtenteils nach Angeboten. Schauspielerei ist auch eine Dienstleistung. Ich sitze zu Hause und warte auf Arbeit.

Ricore: Wo fühlen Sie sich wohler, im Theater oder beim Film?

Diehl: Ich fühle mich beim Film sehr wohl, weil ich es als aufregende Sache empfinde. Ich meine nicht nur das Spielen, sondern auch die Möglichkeit viele unterschiedliche Menschen kennen zu lernen oder an verschiedenen Orten zu sein. Trotzdem vermisse ich das Theater immer, weil die Theaterarbeit essentiell den Beruf des Schauspielers berührt.

Ricore: Wie wirkt sich die Theaterarbeit auf ihr Spiel vor der Kamera aus?

Diehl: Auf der Bühne profitiere von meinen Erfahrungen vor der Kamera. Das psychologisch naturalistische Spiel liegt mir mehr als eine flippige Überhöhung, obwohl ich das auch gerne können würde. Ich denke es sind bisher nur die ersten Sprossen einer langen Karriereleiter erklommen, da kommt noch einiges.

Ricore: Was gefällt Ihnen am Schauspiel-Beruf?

Diehl: Ich mag das naturalistische Spiel, weswegen ich gerade viel beim Film arbeite, da der Naturalismus in der deutschen Theaterszene derzeit verpönt ist. Andererseits kann der Naturalismus auch eine Falle sein, weil er nicht immer spannend ist. Mir gefällt eine leichte Überhöhung des naturalistischen Spieles.

Ricore: Was vermissen Sie beim Film?

Diehl: Den Publikumskontakt. Das ist der große Unterschied zwischen Theater und Kino. Aus diesem Grund ist es leichter beim Film mit einem Misserfolg umzugehen. Wenn der Film rauskommt und man merkt, dass der überhaupt nicht läuft, dann findet man das schade oder ist traurig. Letztendlich steckt man aber gerade in einem anderen Projekt oder ist biographisch ganz woanders. Man kommt damit klar. Wenn man beim Theater verschwitzt von der Bühne kommt und einer sagt: Was war denn das bitte? Dann ist das schon der Hammer.


August Diehl und Karl Markovics
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August Diehl und Karl Markovics
Ricore: Sie tauchen nie in der Boulevardpresse auf. Ist das Absicht?

Diehl: Ich habe nicht soviel Glamour und es interessiert mich nicht. Ich bewundere viele Schauspieler vor allem dafür, dass ich wenig über sie weiß. Es ist unfair dem Zuschauer gegenüber, wenn man zuviel über das Privatleben eines Schauspielers weiß. Ich habe letztens einen Film mit Kevin Spacey gesehen, den für einen großartigen Schauspieler halte. Am Vortag habe ich noch gelesen, dass er zuhause Katzen hat, woraufhin ich mir den Film nicht mehr angucken konnte. Diesbezüglich ist eine rasante Entwicklung zu beobachten, in deren Fahrwasser Megastars regelrecht medial zerfleddert werden. Stars werden heute nicht mehr geschützt und aufgebaut. Ich weiß soviel über Brad Pitt, das ich gar nicht wissen will.

Ricore: Haben Sie Vorbilder?

Diehl: Ich fühle mich Künstlern nah, die ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushalten. Mich reizt es ein weißes Papier zu bleiben und auch für Regisseure uneinschätzbar zu sein. Ansonsten würde ich mir ins eigene Fleisch schneiden.

Ricore: Gelingt Ihnen das immer?

Diehl: Natürlich nicht, aber die mediale Begleitung auf Premierenfeiern oder im Rahmen der Berlinale gehört zur Show und ist fester Bestandteil des Berufes. Das mache ich gerne, weil es eine Belohnung für harte Arbeit ist.

Ricore: Mit welchem Regisseur würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Diehl: Michael Haneke finde ich sehr interessant. Wie er Schauspieler führt, finde ich wahnsinnig gut. Ich mag die klare Konzentration und die Art wie er Geschichten erzählt finde ich sehr ungewöhnlich.

Ricore: Haben sie Haneke schon einmal getroffen?

Diehl: Haneke geht gerne ins Theater. Bei einem seiner Besuche haben wir uns in Wien getroffen und ein bisschen kennen gelernt. Momentan hat er sich allerdings mehr Frankreich zugewandt und aufgehört über Österreich Filme zu drehen. Vielleicht arbeiten wir irgendwann einmal zusammen.


Diehl genießt die Zeit zwischen zwei Projekten
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Diehl genießt die Zeit zwischen zwei Projekten
Ricore: Sind Sie jemand, der seine Karriere plant?

Diehl: Überhaupt nicht. Als Schauspieler kann man nicht wirklich planen, weil sich Beruf und Leben zu stark verweben.

Ricore: Inwieweit hat sich der Erfolg von "23 - nichts ist so wie es scheint" auf Ihre Schauspielkarriere ausgewirkt?

Diehl: Direkt nach "23" kamen nur Rollenangebote als Drogensüchtige. Dann habe ich "Kalt ist der Abendhauch" gemacht, womit ich dem "23"-Image entfliehen wollte. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass mich der Erfolg behindert und bin weiterhin sehr stolz auf den Film.

Ricore: Was mögen Sie an Berlin?

Diehl: Berlin ist schwer zu definieren, weil es so unterschiedlich ist. Während der Berlinale verändert sich die Stadt extrem, dann habe ich das Gefühl, hier im Ausland zu sein obwohl ich hier lebe. Man bewegt sich in Vierteln in denen man sonst nicht ist und es kommt Urlaubsstimmung auf.

Ricore: Was machen Sie zwischen zwei Projekten?

Diehl: Ich bin ein ziemlich fauler Mensch und genieße die Zeit dazwischen. Wenn sich ein Projekt bevorsteht, muss ich ein oder zwei Monate vorher mit der Vorbereitung beginnen. Ansonsten denke ich nicht dran. Es gibt nicht intensiveres für einen Schauspieler als den Konflikt zwischen Spannung und Nichtspannung. Das ist ein unregelmäßiger Rhythmus, dem man beispielsweise einem Finanzbeamten nur schwer verständlich machen kann. Auf die Frage, was ich im Jahresdurchschnitt verdiene, kann ich nie antworten, weil es unmöglich ist. Oft sage ich: Mal sehen...

Ricore: Wie sehen Ihre Pläne aus?

Diehl: Ich werde in Kürze nach Kolumbien reisen, um einen Film in den Anden zu drehen. Ich bin der einzige deutsche Schauspieler, die anderen Mitwirkenden sind alle Kolumbianer. Seit drei Monaten nehme ich Spanischunterricht. Ich bin schon sehr gespannt, auch weil Kolumbien nicht den besten Ruf hat. Der Film heißt "Doctor Aléman" und es geht um einen deutschen Mediziner, der dort im Krankenhaus ein Praktikum beginnt und bald in regionale Bandenkriege hineingezogen wird.

Ricore: Herr Diehl, wir bedanken uns für das Gespräch
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de,  1. April 2007

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