Interview: Danny Boyle zu Sunshine | FILMREPORTER.de
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Interview

Danny Boyle
Danny Boyle über seinen ersten Sci-Fi

"Ich übernehme die Schuld"

In fünf Milliarden Jahren geht unserer Sonne der Brennstoff aus. Vielleicht allerdings schon in fünfzig Jahren - wenn Filmemacher Danny Boyle ("Trainspotting") Recht behält. Nach dem "The Beach"-Flop meldete sich der 50-Jährige mit der Zombie-Endzeitvision "28 Days Later" zurück. Jetzt nutzt er die Gunst der Stunde für sein Sci-Fi-Drama "Sunshine", in dem sich in der nahen Zukunft eine Gruppe von Astronauten auf den Weg zur sterbenden Sonne macht, um ihren Ofen wieder zu entzünden. Wir trafen den Regisseur im ziemlich sonnigen Los Angeles am Strand von Santa Monica.
Von  Rico Pfirstinger/Filmreporter.de, 20. April 2007

Regisseur Danny Boyle stellt in berlin "Sunshine" vor

Regisseur Danny Boyle stellt in berlin "Sunshine" vor

Ricore: Mr. Boyle, Ihr neuer Film "Sunshine" lässt sich nicht mit Ihren bisherigen Werken vergleichen. Warum nun ein Science-Fiction-Drama?

Danny Boyle: Genau aus diesem Grund: Weil ich noch nie etwas Vergleichbares gedreht habe. Ich werfe mich gerne auf ein für mich unerforschtes Gebiet und versuche mich durchzuschlagen. Das Thema fand ich insofern interessant, als mir in den letzten Jahren bewusst wurde, dass die Sonne - gemessen mit ihrer Bedeutung - in unserer Gesellschaft viel zu selten Thema ist. Also habe ich ein Katastrophenszenario entworfen, in dem die Sonne die Hauptrolle spielt.

Ricore: "Sunshine" ist auch eine Hommage an "Solaris", "2001 - Odyssee im Weltraum" und "Alien". Ist die Gefahr nicht groß, dass Ihr Film da wie ein Abklatsch dieser Klassiker wirkt?

Boyle: Wenn man eine Geschichte im Weltraum verfilmt, sind Referenzen zu diesen Werken eigentlich unvermeidlich. Ich habe damit kein Problem, gebe das auch ganz offen zu. Ich kann nur hoffen, dass ich mit meinem Stil etwas erreiche, das der Tradition des Genres würdig ist.

Ricore: Durften Sie Ihre Vorstellungen denn überhaupt vollständig umsetzen, oder mussten Sie mit dem Studio Kompromisse machen?

Boyle: Ich sichere mir für alle meine Filme generell den "final cut", das Recht auf die endgültige Schnittfassung. Aber das für sich genommen bringt nicht viel. Wenn Studios unzufrieden sind, bringen sie den Film einfach mit geringerer Kopienanzahl auf die Leinwände. Deshalb respektiere ich ihre Position und lade sie ein, mir konstruktive Ratschläge zu geben. Anschließend überlege ich mir, was ich für sinnvoll halte und was nicht.

Ricore: In den 1990er-Jahren hat man Ihnen "Alien - Die Wiedergeburt" angeboten, doch Sie wollten die Regie nicht übernehmen. Warum hat Sie dieser Science-Fiction-Film nicht interessiert?

Boyle: Ich mochte das ursprüngliche Drehbuch und hätte die Geschichte auch gerne verfilmt. Aber als Spezialeffekte im Laufe der Entwicklung eine immer größere Rolle spielten, musste ich einen Rückzieher machen. Ich bin bis heute überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich wusste damals einfach zu wenig über die Arbeit mit solchen Effekten und hätte es nicht optimal hinbekommen.

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