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Große Freiheit ("Grosse Freiheit", 2021)

Große Freiheit

Originaltitel
Große Freiheit
Alternativ
Grosse Freiheit; Die Große Freiheit; Great Freedom
Regie
Sebastian Meise
Darsteller
Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn, Thomas Stecher, Alfred Hartung
Medium
Blu-ray
Im Handel ab
17.05.2022 bei EuroVideo Medien
Kinostart Deutschland
Große Freiheit
Genre
Drama
Land
Österreich, Deutschland
Jahr
2021
FSK
ab 16 Jahren
Länge
117 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
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Extras: Kino-Trailer • Booklet • Audiodeskription • Untertitel für Hörgeschädigte
Tiefgründiges Drama über Diskriminierung
Irgendwo im Westen Deutschlands im Jahr 1968. Hans (Franz Rogowski) ist erneut verurteilt worden, weil er beim Sex mit einem Mann erwischt wird. Eine Kamera überwacht die Toilette des Bahnhofsklos, einer bekannten Klappe von Homosexuellen. Datenschutz gilt noch nichts in dem Land, dessen junge Demokratie es im Gegensatz zur DDR nicht schafft, sich von diskriminierenden Gesetzen der Nazizeit zu verabschieden. Darunter fällt auch der §175, der gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellt. Erst am 1. September 1969 wird der 'Schwulenparagraph' in der BRD liberalisiert und Hans kommt frei.

Im Knast trifft Hans seinen alten Spezi Viktor (Georg Friedrich) wieder, der für 25 Jahre einsitzt und dem er erstmals nach Ende des 2. Weltkriegs begegnet. Damals übertüncht Viktor mit einem Tattoo die Nummer, die Hitlers Schergen Hans im KZ einbrennen. Seit dieser ersten Verurteilung reiht sich in seinem Leben Verurteilung auf Verurteilung, weil er seine Liebe zu Männern immer auslebt.
Die Freundschaft zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Männern bildet den Roten Faden in Sebastian Meises dokumentarisch anmutendem Drama. Es fängt da an, wo die meisten Filme zum Thema Diskriminierung von Schwulen und Lesben aufhören. Während sie meist ein vermeintlich schillerndes Leben in Untergrund-Bars und geheimen Zirkeln zeigen, interessiert sich das Drama ausschließlich für die Konsequenzen. Es zeigt ein Leben, das von den wiederholten Verurteilungen regelmäßig unterbrochen und eingefroren wird. Im Knast steht die Zeit still - die Wände werden zwar gestrichen, aber die grundsätzliche Einstellung zur Verwahrung der Verurteilten mit teils drastischen Strafen für jeglichen Ungehorsam bleibt.

Neben der hohen Authentizität besticht der Film durch die beiden Hauptdarsteller. Meise entwirft über die Buddy-Story ein stimmiges Bild einer bigotten Gesellschaft. Nicht zufällig fällt die Liberalisierung des §175 mit den Anfängen der Demokratisierung der gesamten Gesellschaft zusammen. Die Abschaffung der Kriminalisierung von Homosexuellen in der BRD ist damals allerdings nur ein Nischenthema. Erst 1994 wird der Paragraf ganz gestrichen - im Einheitsvertrag wird er auch vergessen. Für Schwule und Lesben der DDR bedeutet die Wiedervereinigung deshalb auch einen rechtlichen Rückschritt in ein Leben in der rechtlichen Grauzone, auch wenn §175 zuletzt nur noch selten Anwendung findet.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Irgendwo im Westen Deutschlands im Jahr 1968. Hans wird verurteilt, nur weil er Sex mit Männern hat.
 
Ausgezeichnetes, dokumentarisch anmutendes Drama über die Diskriminierung von Homosexuellen in der Nachkriegs-BRD.
Piffl Medien, Freibeuterfilm, Rohfilm
Große Freiheit ("Grosse Freiheit", 2021)
2022