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Im Bazar der Geschlechter

Originaltitel
Im Bazar der Geschlechter
Genre
Dokumentarfilm
 
Österreich/Iran 2010
 
87 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
04.08.2011 ( D | A ) bei W-film Filmproduktion & Filmverleih
 
 
Regie
Sudabeh Mortezai
Darsteller
Mohsen Mahmudi, Mehri Ramezani
Homepage
http://www.imbazar-derfilm.at
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
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Im Bazar der GeschlechterW-film Filmproduktion & Filmverleih
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Doku über das heikle Thema Sexualität im Iran

In "Im Bazar der Geschlechter" nimmt sich die iranische Regisseurin Sudabeh Mortezai eines heiklen Themas an. Anhand den Beispielen einer geschiedenen alleinerziehenden Mutter, eines Junggesellen sowie eines jungen Mullah thematisiert die Dokumentation die so genannte Zeitehe im Iran. Der Begriff bezeichnet die rechtlich legitimierte Praxis, auf Zeit zu heiraten. Der Zeitraum kann dabei zwischen einer Stunde und 99 Jahren betragen.

Viele Paare sehen so eine legale Möglichkeit, die strikte religiös motivierte Gesetzgebung zu umschiffen, die Frauen und Männern unter Androhung der Todesstrafe verbietet, außerhalb der Ehe Geschlechtsverkehr zu praktizieren. Die Zeitehe stellt für sie ein Schlupfloch dar, um ihre Sexualität innerhalb des repressiven Rechts der islamischen Republik frei auszuleben. Doch auch andere Motive spielen für viele eine Rolle. Während die einen die Ehe auf Zeit für freien Sex nutzen, möchten andere durch die Praxis ihre zukünftigen Ehemänner näher kennenlernen. Dritte können sich eine richtige Heirat nicht leisten und entscheiden sich deshalb für diese Lösung. So steht die Zeitehe in Mortezai Dokumentarfilm vor allem für eines: für eine libertäre Insel der Freiheit in einem Land, in dem die Grundrechte des Menschen sonst von Politik und Religion eingeschnürt sind.


Sudabeh Mortezai nimmt in "Im Bazar der Geschlechter" nicht nur die kuriose Institution der Zeitehe ins Visier. Diese ist nach Meinung der Regisseurin lediglich ein krasser Auswuchs der Eheproblematik im islamischen Recht. Im Prinzip gebe es hier keinen nennenswerten Unterschied zwischen einer regulären Ehe und einer solchen auf Zeit. "Die Frau stellt dem Mann ihre Sexualität zur Verfügung", so Mortezai in einer Presseerklärung. "Der Mann zahlt dafür, nämlich Brautgeld und Unterhalt. (...) Das besonders Verstörende ist (...) die Explizitheit des materiellen Aspekts. Die Zeitehe ist von der Idee her die Legalisierung von Prostitution, aber eben mehr...".

Zudem steht die Zeitehe für den unverwüstlichen Freiheitsdrang des Menschen angesichts des repressiven politischen und gesellschaftlichen Systems des Irans. Wie groß der Unterdrückungsmechanismus auch sein mag, der Mensch findet immer ein "Schlupfloch", um seine Lust auf Leben zu stillen. Dass sowohl Politik als auch Religion im Iran diese Untergrabung ihrer Willkür hinnehmen, steht nicht nur für die stillschweigende Akzeptanz einer subversiven Praxis. Es zeigt auch die Machtlosigkeit dieser Institutionen gegenüber einem Freiheitsdrang, der dem Menschen offenbar immanent ist.

Neben diesen Implikationen entwirft Mortezai zudem ein differenziertes Bild des Islam, der so gar nicht in das eher Klischeebehaftete Bild des Westens passt. Für die Regisseurin ist der Islam keinesfalls ein festgefügtes "Konstrukt", sondern etwas "Alltägliches und Lebendiges". Innerhalb des Islam gebe es eine große kulturelle Vielfalt. Das Verhältnis dieser Religion gegenüber der Sexualität sei "generell positiv", so Mortezai. Vor allem der schiitische Islam sei "besonders pragmatisch und flexibel".

Auch das im Westen entwickelte Bild einer unterdrückten, willenlosen und Kopftuch tragenden Muslimin greift Mortezai in ihrer Dokumentation auf. Unverkennbar geht in "Im Bazar der Geschlechter" hervor, dass sich muslimische Frauen keinesfalls bloß als unmündiges Beiwerk des Mannes definieren, sondern als selbstbewusste und aktive Frauen agieren. "Wenn man sich anschaut, wie sehr Frauen im Iran um ihre Rechte kämpfen, dann finde ich es unfair, sie immer nur als 'Kopftuchfrauen' wahrzunehmen", so die Regisseurin. "Es gibt eine sehr aktive Frauenbewegung im Iran, die sich gerade in der Frage von Zeitehe und Polygamie sehr engagiert". Mit "Im Bazar der Geschlechter" setzt Mortezai diesen Frauen ein Denkmal.
Im Bazar der GeschlechterW-film Filmproduktion & Filmverleih
Im Bazar der Geschlechter
Die sogenannte Zeitehe bezeichnet die legalisierte Praxis, auf Zeit zu heiraten. Der Zeitraum kann zwischen einer Stunde und 99 Jahren betragen. Anhand dieser kuriosen Praxis...  Clip starten
In "'Im Bazar der Geschlechter" entwirft Sudabeh Mortezai anhand der so genannten Zeitehe ein heikles Bild von der Eheproblematik im islamischen Recht.
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