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Vorsicht Sehnsucht

OriginaltitelLes herbes folles
AlternativL'incident; Unkraut vergeht nicht
GenreDrama
Land & Jahr Frankreich/Italien 2009
FSK & Länge 104 min.
KinoÖsterreich
AnbieterFilmladen
Kinostart20.08.2010
RegieAlain Resnais
DarstellerPaul Crauchet, André Dussollier, Jean-Michel Ribes, Nathalie Kanoui, Adeline Ishiomin, Lisbeth Mornet-Arazi
Homepage http://www.lesherbesfolles-lefilm.com
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Wenn die Sehnsucht das Leben durcheinander bringt

Georges Palet (André Dussollier), verheirateter Familienvater im mittleren Alter, findet im Parkhaus ein Portemonnaie. Jeder normale Mensch hätte die Brieftasche bei der nächsten Polizeistation abgegeben und damit wäre die Sache erledigt gewesen. In Georges Kopf setzt der Fund jedoch ein ungeheures Gedankenkarussell in Gang. Zunächst wagt er nicht, sie zu öffnen, weil schon der Gedanke an den möglichen Eigentümer ihn völlig aus dem Konzept bringt. Doch seine Neugier obsiegt. Die Brieftasche gehört einer gewissen Marguerite Muir (Sabine Azéma). Sie ist Pilotin und wohnt in einem Pariser Vorort. Auf der Heimfahrt spinnt George sich alle möglichen Szenarien zurecht, wie sie wohl reagieren könnte, wenn er ihr das Portemonnaie zurückgeben würde. Sein größtes Problem ist dabei die Kontaktaufnahme und was er sagen soll. Das Portemonnaie wird beinahe zu einer Obsession. Schließlich gibt er das Ding doch nur bei der Polizeistation ab, hinterlässt jedoch seine Nummer. Als Marguerite anruft, um sich förmlich zu bedanken, ist George entrüstet. Sie hält es nicht mal für nötig, sich persönlich zu bedanken! Dabei hat er sich in seinem Kopf doch schon unzählige Treffen ausgemalt. Der Gedanke an diese Frau lässt ihn nicht los, er muss sie treffen.
Alain Resnais ist ein Großmeister des französischen Beziehungskinos. Aus seiner Hand stammen Filme wie "Hiroshima mon amour", "Smoking/No Smoking" oder "Das Leben ist ein Chanson". Für "Vorsicht Sehnsucht" ließ er sich vom Werk des französischen Schriftstellers Christian Gailly inspirieren. Der Roman "L'Incident" diente ihm als Vorlage. Vor allem die musikalische Sprache des Autors und die Widersprüchlichkeit seiner Figuren haben den Regisseur interessiert, berichtet er im Interview mit François Thomas. Marguerite und Georges verhalten sich ganz intuitiv, ohne Rücksicht auf Verluste. Gerade diese Sturheit der beiden, "die es einfach nicht lassen können, vollkommen irrational zu handeln und sich damit Hals über Kopf ins Chaos stürzen", habe ihn so fasziniert, so Resnais.

Es geht um Sehnsucht, genauer um die Sehnsucht nach der Sehnsucht. Wenn das Leben eigentlich schon keine Überraschungen mehr bereit hält, weil die Kinder aus dem Haus sind und das Highlight im Neuanstrich der Hausfassade besteht, lauert sie dennoch hinter dem nächsten Rosenstrauch und kann in Form einer Brieftasche zuschlagen. Für George wird die Sehnsucht zur Obsession. Sabine Azéma und André Dussollier geben den beiden Hauptfiguren Marguerite und Georges ein Gesicht, wirklich nachvollziehbar werden deren Beweggründe für den Zuschauer jedoch nicht. Das liegt jedoch nicht an ihrer mangelnden Schauspielkunst, sondern eher an der Inszenierung. Da ist zum Beispiel der allwissende Erzähler, der aus dem Off die Gedanken der Figuren an die Zuschauer weitergibt. Immer wieder berichtigt dieser sich beim Erzählen, beginnt Sätze neu und erwirkt somit eine Distanz zum Publikum. Auch filmästhetisch bietet Resnais seinem Publikum keine durchschnittliche Kost. Im Original heißt der Film "Les herbes folles" - die verrückten Kräuter. Wie Unkraut, das da wächst, wo es zufällig landet, verhalten sich auch die beiden Hauptfiguren, erklärt Resnais seine Titelwahl. Und dieses Unkraut taucht immer wieder in assoziativen Bildern auf. Gegen Ende verweigert sich Resnais gänzlich den üblichen Erzählkonventionen und wirft die Logik, die seinen Figuren sowieso schon gefehlt hat, in bester surrealistischer Tradition völlig über Bord. Mancher Zuschauer verlässt mit einem großen Fragezeichen im Kopf das Kino. Resnais zwingt uns, noch etwas bei dem Film zu bleiben und noch ein wenig darüber nachzudenken. Und das sind viele nicht mehr gewöhnt.

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Vorsicht Sehnsucht

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