Koch Films
A Pure Place (2021)

A Pure Place

Originaltitel
A Pure Place
Regie
Nikias Chryssos
Darsteller
Sam Louwyck, Greta Bohacek, Claude Heinrich, Daniel Sträßer, Daniel Fripan, Wolfgang Ceczor
Kinostart:
Deutschland, am 25.11.2021 bei Koch Films
Genre
Drama
Land
Deutschland
Jahr
2021
FSK
ab 12 Jahren
Länge
90 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
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Nikias Chryssos: der innovative Filmemacher
Die Geschwister Irina (Greta Bohacek) und Paul (Claude Albert Heinrich) leben mit ihrer Mutter am Strand zwischen Athen und Piräus und halten die Familie mit kleinen Diebstählen über Wasser. Bereitwillig lässt sie die Alleinerziehende mit dem Sektenguru Fust (Sam Louwyck) nach Elysium ziehen, das ist die Insel der Seligen. Doch statt des Paradieses erwartet die Kinder harte Arbeit in einem Kellerverließ. Hier stellen die ungewaschenen Waisen und Kinder armer Familien die Seife her, mit denen Fusts Jünger ihrem Kult der Reinheit frönen.

Irina sticht mit ihrer Phantasie aus der Gruppe heraus. Jeden Abend wiegt sie ihre Leidensgenossen mit Geschichten in den Schlaf. Fust entdeckt ihr Talent und ihre Schönheit, er macht sie zu seiner neuen Muse. Zunächst ist Irina betört von ihrer Macht und vernarrt in die schöne, neue Welt. Doch das Schicksal ihres Bruders weckt ihr Gewissen. Zudem bricht das Geschäftsmodell von Fust zusammen, der die Seife auf dem Festland nicht mehr los wird.
Der griechische Regisseur Nikias Chryssos ("Der Bunker") bleibt mit dem Drama seinem Ruf als eigenwilliger und innovativer Filmemacher treu, der sich nicht um Genres schert. Für seine metapherreiche Geschichte mixt er wild und gekonnt die antiken Mythen von Elysium und Hygieia, der griechischen Göttin der Gesundheit, mit bekannten Motiven der Weltliteratur und Bildern der Filmgeschichte, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.

Dass er ausgerechnet die Hygiene ins Zentrum stellt, gibt dem Film durch die Empfehlung zur Vermeidung einer Corona-Erkrankung eine weitere Dimension. Doch der Ansatz von Chryssos bei der Nutzung dieses Begriffes geht natürlich weiter und hat etliche historische und philosophische Bezüge - zuvorderst natürlich zum Begriff der Reinheit der Rasse, die die rechten Kreise in Europa versuchen, wieder hoffähig zu machen.

Chryssos erzählt zudem eine allgemeingültige Geschichte über Macht, Verführung und klassische Gesellschaftsstrukturen. Jede Gruppe, die sich von anderen abgrenzt, braucht ein Gegenüber, eine in ihren Augen minderwertige Gruppe, die sie bedingungslos ausbeuten und knechten kann. Er belässt es aber nicht bei der Kritik an dem Gegensatz, der alle Gesellschaften seit dem Ende der Urgesellschaft prägt. Er bietet zwei Lösungswege an: Macht kaputt, was euch kaputt macht. Oder nehmt alles mit in den Tod. Der Zuschauer sollte es uns aber nicht so einfach machen, dies als bloße Anspielung auf den Abgang von Diktatoren zu machen. Schließlich schaufelt sich die Menschheit gerade ihren eigenen Abgrund.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
 
Nikias Chryssos bleibt seinem Ruf als eigenwilliger und innovativer Filmemacher treu.
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A Pure Place (2021)
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2021