farbfilm Verleih
Die rote Kapelle ("The Red Orchestra", 2021)

Die rote Kapelle

Der vergessene Widerstand
Originaltitel
The Red Orchestra
Regie
Carl-Ludwig Rettinger, Lorenz Findeisen
Darsteller
Yehudit Kafri, Lital Levin, Rebecca Donner, Roberta Böcker, Hans Coppi Jr., Guillaume Bourgeoise
Kinostart:
Deutschland, am 26.08.2021 bei farbfilm verleih
Genre
Dokumentarfilm
Land
Belgien, Deutschland, Israel
Jahr
2021
FSK
ab 12 Jahren
Länge
122 min.
IMDB
IMDB
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brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Extras: Originalfassung: Deutsch/Englisch/Französisch/Hebräisch
Erinnerungen an gleichnamige Widerstandsgruppe
Im Dezember 1942 werden Rudolf von Scheliha, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Kurt Schumacher, John Graudenz, Horst Heilmann, Hans Coppi, Kurt Schulze, Ilse Stöbe, Libertas Schulze-Boysen und Elisabeth Schumacher in Plötzensee hingerichtet. Weitere Todesurteile gegen Widerstandskämpfer, die schon früh zum Sturz Hitlers in Deutschland aufgerufen hatten und die Allliierten jahrelang mit geheimen Informationen über die Kriegspläne des Diktators versorgt hatten, folgen.

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) ordnete die Berliner Gruppe in ein loses, über ganz Europa verstreutes Widerstandsnetz mit rund 400 Mitgliedern ein, das sie den Namen Rote Kapelle gab. 1941 fangen die Nazis Funksprüche nach Moskau ab, die die Vermutung nahe legten, dass Spione des KGB oder andere Widerständler regelmäßig Informationen funkten - allerdings wurden die genauen Informationen zum Datum des Überfalls auf die Sowjetunion von Stalin ignoriert. Wenig später fliegt auch Leopold Trepper auf, der seit Beginn der 1930er Jahre das Spionagenetz in Brüssel aufgebaut hatte. Um sein Leben und das seiner Mitstreiter zu retten, ließ er sich auf das Doppelspiel ein, falsche Informationen nach Moskau zu geben.
Die Erinnerungen an die Widerstandsgruppe waren in den beiden deutschen Staaten von der jeweiligen Staatsdoktrin geprägt. In der DDR wurde die Arbeit der Berliner Gruppe seit den 1960er Jahren als Teil des antifaschistischen Widerstands gewürdigt und in der Schule gelehrt. 1971 inszeniert Horst E. Brandt für die DEFA "KLK an PTX - Die Rote Kapelle". Dem Film wird immer wieder angelastet, er sei von der Stasi beeinflusst worden - dort lagerten allerdings nur die Akten zu den Verhören und Prozessen. Stattdessen musste Erich Honecker, damals Sekretär für Agitation im ZK der SED, sein okay für den Film geben.

Die Bundesrepublik ignorierte dagegen den kommunistischen Widerstand und sah die Rote Kapelle als sowjetisches Agentennetz. Auch die erste filmische Aufarbeitung war davon geprägt. Der ARD-Siebenteiler "Die rote Kapelle" konzentriert sich auf die Arbeit der Gruppe um Treppner in Westeuropa.

So vergessen ist der Widerstand also nicht, auch wenn die Gruppe in den vergangenen 30 Jahren in der bundesdeutschen Öffentlichkeit beinahe tot geschwiegen wurde. Für die Dokumentation nutzen die Regisseure Carl-Ludwig Rettinger und Lorenz Findeisen Ausschnitte aus beiden Filmen - es wäre vielleicht besser gewesen, sie zumindest einmal zuzuordnen. Sie sind vor allem am Format erkennbar: Der DEFA-Film entstand aufwändig auf 70 mm. Außerdem reichert der Regisseur seine Rekonstruktion der Arbeit der Roten Kapelle mit Interviews mit Angehörigen der damaligen Mitglieder, Fotos und bewegten Bildern aus den Archiven ein. So gelingt es ihm, die Motive transparent zu machen und den Widerstand mit den wichtigsten historischen Ereignissen zu verbinden.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der auf den ersten Blick spektakuläreren Arbeit im Westen Europas, hier erinnert die Doku an klassische Agentenfilme. Die Aktionen in Berlin, die die deutsche Bevölkerung aufrütteln sollten, kommen in ihrer historischen Bedeutung zu kurz. Aber gerade hier zeigt sich die Problematik des Erinnerns an den Widerstand. Bereits 1942 riefen bürgerliche Kräfte, darunter Angehörige von Militär und Ministerien in hohen Positionen, zum Widerstand und Beendigung des Krieges auf - gefeiert wird aber vor allem die Gruppe von um Stauffenberg, die sich erst zwei Jahre später zum Handeln entschloss, als der Krieg längst verloren war.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
 
Dokumentation über die gleichnamige Widerstandsgruppe von Carl-Ludwig Rettinger und Lorenz Findeisen.
farbfilm Verleih
Die rote Kapelle ("The Red Orchestra", 2021)
2022