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Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber

Originaltitel
The Cook, the Thief, his Wife & her Lover
Genre
Drama
 
Frankreich/Niederlande/Großbritannien 1989
 
125 min, ab 18 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
23.11.1989 ( D ) bei NEF 2
 
 
Regie
Peter Greenaway
Darsteller
Prudence Oliver, Caroline Pagano, Roger Lloyd-Pack, Bob Goody, Peter Rush, Pauline Mayer
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
1 9,0(Filmreporter)
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Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ("The Cook, the Thief, his Wife & her Lover", 1989)Justbridge Entertainment
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Irritiendes Meisterwerk von Peter Greenaway

Albert Spica (Michael Gambon) ist in der Zunft der kleinen und großen Mafiosi gefürchtet. Der Gangster gilt als extrem gewalttätig und rücksichtslos. Sein Geld wäscht er im Restaurant 'Le Hollandais', wo er sich jeden Abend mit seinen Kumpanen den Magen vollschlägt, sauft, seine Einnahmen überschlägt und neue Gemeinheiten ausheckt.

Seine Launen lässt er sowohl an seinen Angestellten, als auch an beliebigen Gästen und seiner Frau Georgina (Helen Mirren) aus. Regelmäßig wird sie von ihm vergewaltigt und misshandelt. Trennen will sie sich trotzdem nicht von dem ekelerregenden Monster, zu sehr fürchtet sie seine Nachstellungen. Also flüchtet sie sich in die Arme des gebildeten und vom Wesen sehr angenehmen Gastes Michael (Alan Howard). Heimlich treffen sie sich regelmäßig im Reich von Koch Richard (Richard Bohringer).

Als die Affäre auffliegt, schwört Spica Rache Er will Michael töten, kochen lassen und seiner Frau servieren. Mit diesem fiesen Plan überschreitet er abermals alle moralischen Grenzen. Georgina überwindet ihre Angst und schmiedet einen Plan, ihrem Mann die jahrelange Tortur heimzuzahlen. Doch der lässt sich so einfach nicht übertölpeln.


Der Filmklassiker des britischen Altmeisters Peter Greenaway vereint ein großartiges Schauspielensemble in einer stimmigen Mischung aus Kammerspiel - die Handlung spielt beinahe durchgehend im Restaurant, Mafia-und Gangsterballade und absurder Komödie. Immer wieder provoziert er mit deftigen Pointen und freizügigen intimen Details, was dem Film Probleme mit der Freigabe für Jugendliche einbringt.

Wie in all seinen Filmen experimentiert der Filmemacher mit der Ästhetik des Films. In Ausstattung und Kostümen dominieren beinahe knallige Farben, die einzelnen Räumen und Personen zugeordnet sind. Der Zuschauer folgt im Off den wirren Gedankengängen des Gangsterbosses, die Affäre seiner Frau und ihres Liebhabers ist beinahe wie in einem Stummfilm inszeniert. Was besonders am Werk von Peter Greenaway fasziniert, ist die Vielzahl von Zitaten aus Literatur, Philosophie und Theologie. Beeindruckend ist, dass er diese Zitate derart meisterhaft setzt, dass dem Zuschauer nicht auffällt und ihn schon gar nicht stört, dass er - je nach Bildung und Ausrichtung seiner Lektüre - das meiste weder versteht und oder er sie gar nicht bemerkt.

Auf den ersten Blick setzt er den großen Mafiaepen seiner Zeit seine Version einer Branche entgegen, die ihre besten Tage hinter sich hat. Die offene Brutalität hat ausgedient, raffiniertere Methoden des illegalen Geldmachens sind Ende der 1980er Jahre längst etabliert. Diese Wachablösung im Gangstermilieu wird von vielen Kritikern auch als Kommentar auf die ökonomischen Veränderungen des Thatcherismus gelesen, in welcher der neue Geldadel die Macht von den alten Eliten übernimmt.
Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ("The Cook, the Thief, his Wife & her Lover", 1989)Justbridge Entertainment
Filmklassiker des britischen Altmeisters Peter Greenaway.
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