FILMREPORTER.DE
Best Entertainment
Filmreporter-RSS

Il Divo

Originaltitel
Il Divo
Alternativ
Untitled Giulio Andreotti Biopic (Arbeitstitel)
Genre
Drama, Biographie
 
Italien 2008
 
110 min
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
24.07.2009 ( D | CH | A ) bei Filmladen
 
 
Regie
Darsteller
Links
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (1 User)
7,0 (Filmreporter)
Il Divo (Kino) 2008
Delphi Filmverleih
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsMeinungenNewsTrailerGalerieInterviewDVDsbewerten

Sorrentino hält Italiens Politiker den Spiegel vor

Christdemokrat Giulio Andreotti (Toni Servillo) - genannt "il divo" (der Star) - nimmt am 17. April 1991 seine siebte Amtszeit als italienischer Ministerpräsident auf. Und das, obwohl er persönlich mit mehreren Morden an Regierungsgegnern in Verbindung gebracht wird. Seine Verbindungen zur sizilianischen Mafia sind ein offenes Geheimnis, werden dem Politiker und seinem korrupten Gefolge jedoch ebenso wenig nachgewiesen, wie der Auftrag für den Mord an dem Journalisten Mino Pecorelli (Lorenzo Gioielli) und der Vergiftung des Bankiers Michele Sindona. Andreotti kann im Laufe seiner Amtszeit sage und schreibe 28 Mal die Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität abwehren. Nun will er seine einzigartige politische Laufbahn krönen, und sich zum Präsidenten der Republik wählen lassen. Doch es kommt anders. Sein "Statthalter" in Sizilien wird ermordet, ein wichtiger Gefolgsmann wendet sich von ihm ab. Andreotti - wegen seiner langen Amtszeit von seinen Landsleuten auch "die Ewigkeit" genannt - wird nicht Präsident. Das ist das Ende in seiner politischen Karriere. Zur gleichen Zeit wird "die Bestie" Salvatore Riina verhaftet. Nach der Festnahme des Mafiapaten packen viele Mafiosi aus und belasten dabei auch Andreotti schwer. Als dieser 1993 zum 29. Mal angeklagt wird, ist er nicht mehr in der Lage, die Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität abzuwehren. Doch Giulio Andreotti ist dennoch fest entschlossen, sich zu verteidigen.


Paolo Sorrentino liefert mit "Il Divo" ein Biopic ab, das trotz seines politischen Inhalts keineswegs trocken ist. So startet die Anfangssequenz des Filmes so turbulent, wie man es von einem Actionfilm erwarten würde. In kurzer Folge werden die Morde an Mino Pecorelli und anderen Andreotti-Kritikern gezeigt. Für die italienische Demokratie bedeuteten die Morde selbst sowie die Unwilligkeit des Staates, diese aufzuklären, einen schweren Schlag. Sorrentino unterlegt die Szenen mit unterhaltsamer Musik und schafft so einen starken Kontrast zu dem ernsten Thema. Hauptdarsteller Toni Servillo besticht als Giulio Andreotti durch die minimalistische Darstellung des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten. Von den guten Nebendarstellern ist Massimo Popolizio hervorzuheben. Giulio Andreotti feierte im Januar 2009 seinen 90. Geburtstag. Er bezeichnete den Film als "gemeine Schurkerei", der versuche, "die Realität zu verdrehen". Er äußerte jedoch Verständnis für den Regisseur. Sein Leben sei so ruhig gewesen, dass andernfalls ein langweiliger Film herausgekommen wäre, so der ehemalige italienische Ministerpräsident. Dem Betrachter von "Il Divo - Der Göttliche" drängen sich Vergleiche zur aktuellen politischen Führung Italiens auf. Diese werden von Paolo Sorrentino auf spitzbübische Art und Weise intelligent unterstrichen. So schließt der Regisseur die finale Szene mit dem Titel "Da Da Da" der deutschen Band Trio. Das ist als Spitze gegen die aktuelle politische Führung in Rom zu verstehen: Die Monotonie des Melodie ist eine musikalische Metapher für die Erstarrung der italienischen Politik. Noch immer setzt Ministerpräsident Berlusconi fast nach Belieben neue Gesetze durch, die laufende Verfahren gegen ihn selbst zum Platzen bringen. Führende italienische Politiker äußerten sich nicht zu "Il Divo". Das Biopic war in Italien an den Kinokassen erfolgreich, bei den Filmfestspielen in Cannes gewann Sorrentino 2008 zudem den Jurypreis. Toni Servillo wurde 2008 mit dem Europäischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Il Divo (quer)
Il Divo (Kino) 2008
Paolo Sorrentino gewährt in "Il Divo - Der Göttliche" einen Einblick in das politische System Italiens zwischen 1970 und 1993. Dieser Einblick ist gleichermaßen unterhaltsam...  Clip starten
Paolo Sorrentino gewährt in "Il Divo - Der Göttliche" einen Einblick in das politische System Italiens zwischen 1970 und 1993. Dieser Einblick ist gleichermaßen unterhaltsam...
Paolo
Interview mit Paolo Sorrentino: Paolo Sorrentino macht Politik
Eine Biographie über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti hat in Italien vergangenes Jahr für Aufsehen...
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsMeinungenNewsTrailerGalerieInterviewDVDsbewerten
© 2020 Filmreporter.de