An ihrer Stelle - Fill the Void

Originaltitel
Lemale et ha'halal
Alternativ
Fill the Void (International)
Genre
Drama
 
Israel
 
90 min
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
11.07.2013 ( D | CH ) bei NFP marketing & distribution
Regie
Rama Burshtein, Yigal Bursztyn
Darsteller
Yael Tal, Melech Thal, Neta Moran, Ido Samuel, Michael David Weigl, Renana Raz
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
8,0 (Filmreporter)
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Grandios gespieltes Drama von Rama Burshtein

Handlungsort von "An ihrer Stelle - Fill the Void" ist eine orthodoxe chassidische Gemeinde in Tel Aviv. Shira (Hadas Yaron) ist überglücklich. Der Mann, den ihr ihre Eltern als potentiellen Bräutigam vorschlagen, scheint genau der richtige zu sein. Sie kann es kaum abwarten, ihn endlich kennenzulernen. Doch dann stirbt ihre Schwester bei der Geburt ihres Kindes. Die Familie ist von ihrer Trauer zunächst gelähmt.

Der Rabbie (Melech Thal) der Gemeinde drängt trotz des familiären Unglücks darauf, die Hochzeit durchzuführen. Doch die Mutter (Irit Sheleg) findet immer wieder einen Vorwand, die Heirat aufzuschieben. In ihr ist eine Idee herangereift, wie sie das Auseinanderbrechen der Familie und den Verlust ihres Enkelkindes verhindern kann. Schwiegersohn Yochay (Yiftach Klein) plant, eine in Belgien lebende Frau zu heiraten und in das ferne Land zu ziehen. Wenn jedoch Shira und Yochay den Bund der Ehe eingehen würden, müsse er nicht fortziehen und ihr den Enkelsohn nehmen. Sowohl Shira als auch Yochay sind von der Idee zunächst entsetzt. Doch Shira merkt bald, wie sehr ihre Mutter unter dem drohenden Verlust des Enkelsohnes leiden würde. Die junge Frau muss sie die schwierigste Entscheidung ihres Lebens fällen.


Was wiegt mehr? Das eigene Glück oder das der Familie? In unserer westlichen Gesellschaft steht die Selbstbestimmtheit ganz oben auf der Liste der Ideale, da mutet der Film der israelischen Regisseurin Rama Burshtein seltsam altmodisch an. In unserer westlichen Kultur ist es fast ein Jahrhundert her, dass Eltern noch die Ehepartner für ihre Kinder bestimmten. In den strenggläubigen Gemeinden der orthodox-chassidischen Juden ist es immer noch üblich, dass die Eltern ihre Kinder verheiraten. Bei einem Gespräch, bei dem ein Elternteil im Nebenzimmer sitzt, kann sich das künftige Paar dann kennenlernen. Sollten sie dabei feststellen, dass sie sich eine gemeinsame Ehe nicht vorstellen können, dürfen aber sowohl der Mann als auch die Frau den vorgeschlagenen Partner ablehnen, von einer Zwangsheirat kann also nicht die Rede sein.

Auch wenn Regisseurin und Drehbuchautorin Rama Burshtein ebenfalls eine streng gläubige Jüdin ist, in den Anmerkungen zu ihrem Film führt sie an, dass es durchaus in Ordnung sei, nein zu sagen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass ihre Protagonistin Shira keine freie Wahl hat - auch wenn ihr Vater stets betont, dass es ihre Entscheidung sei. Burshtein möchte ihren Film nicht als Religionskritik verstanden wissen, das betont sie im Presseheft. Sie zieht vielmehr den Vergleich zu den Romanen Jane Austens, in denen es ebenfalls klare Regeln gibt und erklärt im Regiekommentar: "Die Figuren möchten nicht aus dieser Welt ausbrechen - vielmehr suchen sie nach einem Weg, innerhalb dieser Grenzen zu leben." Daher habe sie auch Tel Aviv als Schauplatz gewählt, da dort das weltliche Leben dominiere. So wollte sie vermeiden, den religiös-säkularen Dialog in den Vordergrund der Diskussion zu stellen. Für westliche Zuschauer ist es schwierig, die Religion aus der Debatte herauszublinzeln, da sie im Film allgegenwärtig ist. Vermutlich können wir den Film gar nicht anders lesen als eine Kritik an einer Religion, in der das Glück des Einzelnen dem der Gemeinschaft - hier der Familie - untergeordnet ist. Dennoch sollte man versuchen, sich auf diese Kultur einzulassen und den Film als spannendes und großartig gespieltes Drama zu sehen.

Shira soll den Platz ihrer Schwester einnehmen und damit ihren Platz ein Stück aufgeben. Kann sie ihre Schwester 'ersetzen'? Kann es ihr gelingen, sich an deren Stelle eine eigene neue Identität zu schaffen? Der Film begleitet sie auf ihrem Weg zu dieser schwierigen Entscheidung, mit der sie es sich nicht leicht macht. Burshtein erzählt ihre Geschichte in wunderschönen Bildern mit viel Sensibilität und Achtung vor all den Figuren. Natürlich kann man auch die Mutter verstehen, die ihr Enkelkind nicht verlieren will, weil dies der einzige Schlüssel zu ihrer verstorbenen Tochter ist. Irit Shelegs einfühlsames Spiel sorgt dafür, dass man auch für diese schwierige Figur Verständnis aufbringt. Die große Entdeckung von "Lemale et ha'halal" - so der Originaltitel von " An ihrer Stelle - Fill the Void" ist jedoch Hadas Yaron, die ihre erste Hauptrolle in einem Spielfilm überzeugend ausfüllt. Die Zerrissenheit von Shiras Gefühlen, ihr Streben, sich richtig zu entscheiden, werden dank Yarons Spiel für den Zuschauer sehr gut nachvollziehbar.
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An ihrer Stelle - Fill the Void
Die junge Shiras (Hadas Yaron) wird von ihrer Familie vor die schwierige Entscheidung gestellt, den Mann ihrer verstorbenen Schwester zu heiraten.  Clip starten
Was wiegt mehr? Das eigene Glück oder das der Familie? In unserer westlichen Gesellschaft steht die Selbstbestimmtheit ganz oben auf der Liste der Ideale, da mutet der Film der...
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2021